Joachim B. Schmidt – Kalmann.

Wenn man Island mit all seiner ganz eigenen Schönheit kennt und liebt, wird man diesen neuen Roman von Joachim B. Schmidt ebenfalls lieben. „Kalmann“ ist eine leise und sanft erzählte Geschichte mit einem herrlich-sympathischen Protagonisten, inmitten der kargen Einöde hoch im Nord-Osten des Landes…

Gleich vorneweg: Die Beeinträchtigung Kalmanns ist natürlich das Thema dieses Romans und doch ist sie es auch nicht. Und das ist das Wunderbare daran. Sensibel und einfühlsam erzählt der Autor seine Geschichte und natürlich sind Kalmanns Grenzen, Wünsche, Ängste und Sorgen durchgehend zu spüren und thematisiert, aber mit einer derartig wohltuenden Normalität – so müsste es im Alltag tatsächlich auch sein. Sein besonderer Status grenzt ihn nicht aus, er macht ihn zum Helden mit Cowboyhut, Sheriff-Stern am Revers und einer alten Mauser im Halfter.

Er ist der selbsternannte Sheriff von Raufarhöfn. Er hat alles im Griff. Kein Grund zur Sorge. Tag für Tag wandert er über die weiten Ebene um das beinahe ausgestorbene Dorf, jagt Polarfüchse und legt Haiköder im Meer aus, um den Fang zu Gammelhai zu verarbeiten. Doch in Kalmanns Kopf laufen die Räder manchmal rückwärts. Als er eines Winters eine Blutlache im Schnee entdeckt, überrollen ihn die Ereignisse. Mit seiner naiven Weisheit und dem Mut des reinen Herzens wendet er alles zum Guten. Kein Grund zur Sorge. (Diogenes Verlag)

Der Schweizer Autor lebt seit einigen Jahren in Island, kennt das Land also wohl mittlerweile recht gut, da er unter anderem auch als Touristen-Guide arbeitet. Das merkt man, denn der Roman ist hervorragend recherchiert, aktuelle Themen präsent und die durchwegs eigenbrötlerischen Figuren glaubhaft und lebensnah konstruiert und porträtiert. Das liest sich prima und weckt Erinnerungen an dieses grossartige Land mit seinen kargen Landschaften. Die Geschichte ist interessant und dennoch wohltuend unaufgeregt. Und hat man jemals die sehr spezielle Delikatesse Gammelhai versucht, so wird man das nie vergessen. Ebenso bleibt Karmann haften und in Erinnerung…

„Kalmann“ von Joachim B. Schmidt, 2020, Diogenes Verlag, ISBN: 978-3-257-07138-2 (Werbung)

Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich beim Diogenes Verlag sehr herzlich bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.

Zuletzt gelesen:

Clemens Berger – Der Präsident

Ray Bradbury – Fahrenheit 451

Téa Obreht – Herzland

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Dana von Suffrin – Otto

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Ann Petry – The Street

Anne Enright – Die Schauspielerin 

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8 Comments

    1. arcimboldis_world

      Ich muss gestehen, dass ich anfangs eher skeptisch war, aber dann sofort eintauchen konnte. Island ist wirklich sehr speziell und absolut liebenswert. Ich denke so oft an unsere Zeit dort zurück. „Kalmann“ bringt Island für mich wirklich auf den Punkt. Grüsse Dich herzlichst liebe Constanze! A. aus Z.

      Gefällt 1 Person

Diesen Beitrag von arcimboldis_world kommentieren

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