Petros Markaris – Zeiten der Heuchelei.

MIt seinem neuen Roman „Zeiten der Heuchelei“ legt Petros Markaris bereits den dreizehnten Fall von Kommissar Kostas Charitos vor. Unaufgeregt wie eh und je nimmt der charmante Protagonist den Leser mit auf seine Ermittlungen in Athen und spiegelt erneut das Land in seinem aktuellen und häufig sehr maroden Zustand…

Nun ist der Kommissar mittlerweile Grossvater geworden und so nimmt der Alltag seiner Familie und die Freude über den Nachwuchs entsprechend Raum in diesem Fall. Das ist manchmal etwas zu viel des Guten für den Leser, wenn in jedem zweiten Kapitel das Familienglück beschrieben wird und der Fall etwas auf der Strecke bleibt. Aber wie man nach zwölf – bisher erschienenen – Fällen mittlerweile wissen sollte, macht genau das auch die Qualität dieser Krimis von Petros Markaris aus: die Schilderung des griechischen Alltags mit all seinen Problemen, Sorgen, Nöten des „kleinen Mannes“, auch wenn Charitos nun befördert wird und wohlverdient ein Karrieresprung ansteht. Dies hatte sich bereits im letzten Band „Drei Grazien“ abgezeichnet. Und so verfolgt man als Leser mindestens genau so gespannt das Privatleben, wie den Fall.

Kommissar Charitos ist gerade Großvater geworden, als ein Unternehmer, Inhaber einer Hotelkette, von einer Autobombe in die Luft gesprengt wird. Zum Attentat bekennt sich das «Heer der Nationalen Idioten». Der Hotelier habe hinter einer Fassade von Redlichkeit zwielichtige Geschäfte verborgen, kurz: ein Heuchler sei er gewesen. Kommissar Charitos, hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, möglichst viel Zeit mit seinem Enkel zu verbringen, und seiner Pflicht, die Mörder dingfest zu machen, fragt sich: Was hat sich das Opfer zuschulden kommen lassen – und wer übt hier Selbstjustiz? Und außerdem: Was ist das für eine Welt, in der sein Enkel Lambros aufwachsen muss? (Diogenes Verlag)

Über den Fall selbst muss man sich nicht grossartig auslassen, wie meist ist dieser realitätsnah, aus dem Alltag gegriffen und absolut glaubwürdig. Der fleissige Autor Petros Markaris legt im regelmässigen Turnus neue Romane um Kommissar Kostas Charitos vor. Sämtliche Fälle sind solide recherchiert und nehmen den Leser entspannt mit auf die Reise zur Lösung des Falles. Dabei erfährt man jeweils sehr viel über die aktuellen Probleme und die politische Situation in Griechenland. Dies und die Tatsache, dass Charitos (samt seiner Familie) ein absoluter Sympathieträger ist, macht wohl auch den Erfolg dieser Krimiserie aus. Da die meisten Ermittler heutzutage sehr konstruiert wirken, ist es wohltuend, dass Markaris sich auf die Fälle und nicht so sehr auf die Neurosen des Kommissars konzentriert. Mögen noch viele weitere Romane mit Kostas Charitos erscheinen…

„Zeiten der Heuchelei“ von Petros Markaris, 2020, Diogenes Verlag, ISBN: 978-3-257-07083-5 (Werbung)

Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich beim Diogenes Verlag sehr herzlich bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.

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