Téa Obreht – Herzland.

Spröde und karge Landschaften, interessante Figuren, magischer Realismus im Wilden Westen – wer das mag, hat sicherlich Freude an Téa Obrehts neuem Roman „Herzland“…

Nach ihrem umjubelten Debüt, der Balkan-Saga „Die Tigerfrau“, begibt sich die Autorin Téa Obreht nun erneut auf eine Reise mit markanten Figuren. Ein klassischer Western ist der Plot natürlich nicht, aber eine ziemlich interessante Kombination aus neuer Geschichtsschreibung, wenn nicht sogar eine Abrechnung mit dem romantischen Mythos und der Verklärung der Besiedelung Amerikas durch weisse Männer. Statt Machos à la John Wayne tummeln sich hier türkische Kameltreiber, nehmen starke Frauen das Zepter in die Hand. Es geht um Verzicht (z.B. auf Wasser) und das harte Leben in den Weiten Arizonas.

Arizona, um 1890. Ein neuer Morgen eines zu heißen Sommers bricht an für Nora Lark. Ihre Farm ist bedroht von Dürre und mächtigen Viehzüchtern, neuerdings auch, so glaubt ihr kleiner Sohn Toby, von einem monströsen Tier, das draußen umherstreift. Seit Tagen ist Noras Mann verschwunden, nachts sind die beiden älteren Söhne im Streit davongeritten, und irgendwer ist ins Brunnenhaus eingebrochen. Doch Nora stehen noch ganz andere Prüfungen bevor – die über das Schicksal ihrer Familie entscheiden werden.
Das liegt auch an Lurie, Waise eines Einwanderers aus dem Osmanischen Reich, der vom kleinen Ganoven zum verfolgten Outlaw wurde, schließlich einen unerwarteten Gefährten findet und in einem Trupp der U.S. Army untertaucht. In Luries abenteuerlichem Leben verdichten sich das Heldentum und die Niedertracht der Epoche zu einem schrecklichen, prächtigen, epischen Bogen – mit immer überraschenden Wendungen. (Rowohlt Verlag)

Die meisten zu „Herzland“ erschienen Rezensionen und natürlich der Klappentext des Buches machen Lust auf diesen Roman, der das etwas altbackene Genre des Western anpackt, weiterentwickelt, aber nicht den Anspruch hat, dieses neu zu interpretieren. Vielmehr ist es eine ganz eigene Sprache, eine eigene Erzählstruktur, die phantastische Elemente mit Western-Elementen verbindet. Das klingt spröde. Und das ist es auch. Verständlich, dass mancher Leser trotz mehrmaligen Anlaufs keinen Zugang dazu finden kann. Ich habe diesen Roman mehrfach zur Hand genommen und mich bis zum Ende „durchgekämpft“, das hat sich letztendlich und rückblickend dann auch gelohnt. Um Längen besser gefallen hat mir allerdings „Tage ohne Ende“ von Sebastian Barry, auch ein etwas anderer „Western“, aber ohne das Spröde und Karge von Obrehts Roman..

„Herzland“ von Téa Obreht, 2020, Rowohlt Verlag, ISBN 78-3-7371-0079-3 (Werbung)

Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar auf Anfrage kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich beim Rowohlt Verlag sehr herzlich bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.

Zuletzt gelesen:

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