Kathrin Niemela – wenn ich asche bin, lerne ich kanji.

Im Verlag parasitenpresse ist der erste eigenständige Lyrikband der 1973 in Regensburg geborenen Kathrin Niemela erschienen, es ist eine Momentaufnahme unseres Lebens mit sehr gegenwärtiger Lyrik und einem offenen internationalen Blick auf unsere heutige Welt…

Der Titel gebende Satz „wenn ich Asche bin, lerne ich kanji“ stammt aus dem Gedicht „bad in shibuya“ und beschreibt wohl eine sehr persönliches Erfahrung in Tokyo 2017, nur ein Gedicht von vielen, die Niemela weltweit begleiten und die in einer sehr heutigen, klaren Sprache ein buntes Panoptikum bilden. Der Band enthält mehrere Zyklen, unter anderem auch „die süße unterm Marmeladenschimmel“ für den sie zuletzt mit dem Jurypreis des 23. Irseer Pegasus ausgezeichnet wurde. Natürlich muss man sich auf diese frische, unkomplizierte Sprache einlassen (können) – aber muss man das nicht immer und bei jeglicher Art von Lyrik?

Was passiert mit uns, wenn wir unterwegs sind, was setzt es frei? Und was, wenn wir fremd sind? Worin gründen Wurzeln? wenn ich asche bin, lerne ich kanji von Kathrin Niemela beschäftigt sich in fünf Kapiteln mit dem Reisen und dem Fremdsein: in der Liebe, in Paris, in der Welt, im Leben und Sterben, in der Herkunft. Es erzählt von (Ab)Gründen und Höhenflügen, vom Suchen und Ausgesetztsein, vom Großen im Kleinen und vom Kleinen im Großen, von Momenten der Betörung, Verstörung, Zerstörung und der Einsamkeit, der digitalen Getriebenheit, der Suche nach Liebe und dem Scheitern. (Verlag parasitenpresse)

Wie immer bei Lyrik sind die Interpretationsspielräume in der Deutung gross, das ist für mich aber auch das Besondere, das Wunderbare daran – jeder projiziert seine eigenen Bilder in die oft überbordenden Sprachschöpfungen. Und auch bei Niemela gibt es viele Möglichkeiten, ihre teilweise überbordenden Wortschöpfungen zu lesen. Lyrikfreunde haben an diesem Bändchen sicherlich grosse Freude. Für mich ist Kathrin Niemela jedenfalls eine Entdeckung und erhält einen verdienten Platz im Lyrik-Regal meiner Bibliothek.

„wenn ich asche bin, lerne ich kanji“ von Kathrin Niemela, 2022, Verlag parasitenpresse (Werbung)

Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich beim Verlag parasitenpresse sehr herzlich bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.

Zuletzt gelesen:

Liao Yiwu – Wuhan

Joachim B. Schmidt – Tell

Patricia Highsmith – Tage- und Notizbücher

Lukas Hartmann – Ein passender Mieter

Édouard Louis – Die Freiheit einer Frau

Susanne Widmann – Cranko, Haydée – und ich, George Bailey

Anthony Doerr – Wolkenkuckucksland

Alex Ross – Die Welt nach Wagner

12 Kommentare

Diesen Beitrag von arcimboldis_world kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s