Seraina Kobler – Tiefes, dunkles Blau.

Schon wieder ein Zürich-Krimi. Langsam wird es inflationär. Das war mein erster Gedanke. Dennoch ist man offen für Neues, im Bereich Kriminalliteratur sowieso. Ich nehme ihn also neugierig zur Hand, den ersten Fall der Seepolizistin Rosa Zambrano von Seraina Kobler…

Und lege ihn nach bereits 53 Seiten endgültig zur Seite. Nach hervorragenden Zürich-Krimis von Bodenheimer, Perrot, Theurillat, Ivanov oder Mann, braucht es diese im Diogenes Verlag neu gestartete Reihe nicht.

Eigentlich ist Rosa Zambrano Seepolizistin geworden, weil sie lieber über den Zürichsee blickt als in menschliche Abgründe. Doch in einem Fischernetz wird eine Leiche geborgen, die ihr unheimlich bekannt vorkommt: Erst wenige Tage zuvor hatte Rosa einen Termin in Dr. Jansens Kinderwunschpraxis. Dr. Jansen hatte viele Frauen um sich herum: Von seiner Ehefrau wollte er sich gerade scheiden lassen. Seine Geschäftspartnerin ist nicht gut auf ihn zu sprechen. Und von seiner jungen Geliebten fehlt jede Spur. An der Seite des attraktiven Martin Weiss von der Kriminalpolizei Zürich ermittelt Rosa in einem vertrackten Fall, der in verborgene Ecken Zürichs und in die moralischen Zwickmühlen der Genforschung führt. (Diogenes Verlag)

Eigentlich war für mich bereits auf Seite 28 Schluss, denn bei Sätzen wie „Als sie zum Orgasmus kam, durchflutete ihn eine Liebe und Lebendigkeit, die Körper und Seele auflösten, ja vielleicht sogar die Zeit“ fehlen mir schlichtweg die Worte. Gut, es ist ein Krimi, Lesefutter, Massenware, Bücher-Fastfood, aber ein wenig sprachliche Raffinesse wünsche ich mir schon. Grundsätzlich gebe ich Büchern sehr lange eine Chance sich zu beweisen, so wie ich im Theater oder in der Oper nie in den Pausen gehen würde, weil immer die Hoffnung bleibt, dass es sich im zweiten Teil noch einlöst. Bei Koblers schwülstigen Ergüssen besteht dazu jedoch keine Hoffnung. Es sind aber nicht nur die abgedroschenen Phrasen, wie die soeben zitierte, sondern auch die übermässige, grossenteils schlimme Verwendung unzähliger Adjektive. Je mehr Bücher man im Laufe seines Lebens zur Hand nimmt, umso eher hat man ein Gespür dafür, ob es sich lohnt weiterzulesen. Oder eben nicht. Bei Seraina Kobler war für mich ziemlich schnell klar, dass es sich keinesfalls lohnt. Danke. Ich verzichte.

„Tiefes, dunkles Blau“ von Seraina Nobler, 2022, Diogenes Verlag, ISBN: 978-3-257-30091-8 (Werbung)

Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich beim Diogenes Verlag sehr herzlich bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.

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18 Kommentare

  1. Alexander Carmele

    Was für ein schrecklicher Satz, insbesondere der implizite, ungekonnte Beobachterwechsel zwischen Haupt- und Nebensatz – ich brauch jetzt erst mal einen doppelten Espresso und ein wenig Lyrik, um das zu vergessen und den Schock hinunterzuspülen. Manchmal, beim Lesen, wünsche ich mir eine STRG-Z-Taste, die mein Gehirn zurückfährt, so dass ich manches nie gesehen und nie gelesen habe. Was mich aufheitert: dein Gesicht, als du das last 🙂

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    1. arcimboldis_world

      Also ganz ehrlich, ich bin ja manchmal hart im nehmen und lese oder quäle mich durch Titel, die im Grunde ganz spannend sind und eine gute Geschichte erzählen, aber literarisch nicht so anspruchsvoll – es fehlt wirklich viel, bis ich ein Buch beiseite lege, weil ich immer denke, da steckt viel Arbeit dahinter etc. Blabla – aber bei diesen Ergüssen war es selbst mir zu bunt. Und wenn jemand Sätze schreibt, die nur aus Adjektiven bestehen…. – aber vielleicht hätte Frau Kobler einfach ein gutes Lektorat benötigt. Ist mir etwas schleierhaft, dass Diogenes das so veröffentlicht……

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      1. Alexander Carmele

        Das ist wahr. Man hat den Eindruck (bei vielen Büchern), dass das Risiko sie zu lektorieren, Zeit zu investieren, zu groß ist. Die Schwemme der Bücher lässt das nicht zu. Entweder es geht unter, oder es verkauft sich – dies ist auch verständlich. An so manchen Büchern wird Jahre geschrieben. Sie tauchen kurz auf und verschwinden auf immer, obwohl so viel Zeit und Liebe in sie floss. Ich finde das schade – schade, dass man es einem Buch einfach nicht auf dem ersten Blick ansieht, wieviel Zeit, Energie, Leidenschaft und Inspiration hineingesteckt wurde. Würde man es, würden sehr viele Bücher sehr ärmlich daherkommen! Fröhliche Morgengrüße!

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