Dialogues des Carmélites – Oper Zürich 27.02.2022

Zwei Wochen nach der Premiere von „Dialogues des Carmelités“ ein weiterer Vorstellungsbesuch, erneut ein grossartiger Abend – die Welt ist inzwischen jedoch eine andere geworden, es herrscht Krieg in Europa und Hausherr Andreas Homoki hat keine Eier in der Hose wenn es um die beiden Gastauftritte der glühenden Putin-Verehrerin Anna Netrebko geht. Das Opernhaus leuchtet in den ukrainischen Nationalfarben, aber an den beiden „Macbeth-Galavorstellungen“ mit Netrebko wird festgehalten – was für ein Hohn…

Zum Schlussapplaus erscheint die ukrainische Sopranistin OLGA KULCHYNSKA (gemeinsam mit VALERIY MURGA) mit ihrer Landes-Flagge und erhält dafür minutenlange stehende Ovationen, die zum einen der Situation, aber selbstverständlich ihrer erneut grossartigen Darstellung der Blanche geschuldet sind. Abermals ein wundervoller Abend in hervorragender Besetzung dieses unfassbar guten Stückes – toller Plot und grossartige Musik von Francis Poulenc. Und wieder ist es die bezaubernde SANDRA HAMAOUI als Sœur Constance, die aufhorchen lässt, ebenso der vor Kraft strotzende und dennoch feinfühlige Tenor von THOMAS ERLANK als Chevalier. Highlight vor der Pause natürlich wieder das grosse Leiden der Priorin mit viel Stimmgewalt und Ausdrucksstärke: EVELYN HERLITZIUS. Jede der vielen – überwiegend weiblichen – Rollen ist hervorragend besetzt, einzig ALICE COOTE forciert ziemlich in der Höhe und klingt manchmal fast schon schrill, in der Premiere ist mir das nicht so sehr aufgefallen, in dieser Vorstellung jedoch nicht zu überhören. Das Orchester nahm sich dafür etwas zurück, die Balance zwischen Orchester und Stimmen nun fast besser als in der besuchten Premiere vom 13. Februar – meine Premiereneindrücke sind übrigens hier nachzulesen: Dialogues des Carmélites – Premiere Oper Zürich.

Wie lange wird Homoki bzw. die Oper Zürich noch an Netrebko als Lady Macbeth festhalten? Der Druck wird grösser, nicht nur gegen Netrebko, auch gegen andere Putin-Vasallen wie Gergiev, der immer mehr Absagen der Häuser hinnehmen muss. Gut so. Kunst ist politisch. Hier kann man sich nicht auf Neutralität berufen, hier muss man Farbe bekennen, da nützt auch ein seichtes Anti-Kriegs-Statement von Netrebko auf social media nichts, das im Wortlaut ähnlich dem ihres Mannes war und wohl als Schadensbegrenzung von ihrer Agentur verfasst wurde…

Zuletzt besuchte Musiktheater-Vorstellungen:

Dialogues des Carmélites – Premiere Oper Zürich 13.02.2022

Cavalleria Rusticana/Pagliacci – Oper Zürich 26.01.2022

Don Giovanni – Oper Zürich 25.01.2022

Das Rheingold – Bühnen Bern 06.01.2022

„L’Auberge du Cheval blanc“ – Opéra de Lausanne 31.12.2021

„Anna Bolena“ Premiere – Oper Zürich 05.12.2021

„Il Trovatore“ – Oper Zürich 28.10.2021

„Salome“ – Oper Zürich 17.10.2021

„Œdipe“ – Opéra National de Paris 11.10.2021

„Tosca“ – Oper Zürich 03.10.2021

„Guerre et paix“ – Grand Théâtre de Genève 19.09.2021

12 Kommentare

Diesen Beitrag von arcimboldis_world kommentieren

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