Cavalleria Rusticana/Pagliacci – Oper Zürich 26.01.2022

Verismo at it’s best! Begeisterungsstürme des Publikums an Zürichs Oper für die beiden Repertoire-Gassenhauer um Liebe, Leidenschaft und Mord – wiederaufgenommen in hervorragender Besetzung: „Cavalleria Rusticana“ und „Pagliacci“…

Manchmal braucht man das einfach – grosse Gefühle, unbändige Leidenschaft und wenn dazu noch grosse Stimmen zu hören sind: was will man mehr? Der Sogwirkung dieser beiden veristischen Kurzopern kann man sich auch nicht entziehen. Die eher konventionelle, aber absolut zeitlose und für die Wiederaufnahme sehr gut geprobte Inszenierung von GRISCHA ASAGAROFF (von 2009) bietet alles, was es braucht – hier muss man wirklich explizit erwähnen, dass der Regisseur selbst nochmals drei Wochen mit der neuen Besetzung intensiv geprobt und die Regie auf den neuen Cast angepasst hat. Zwar gab es mehrere Besetzungswechsel in der Spielserie aufgrund von positiven Corona-Testungen – das ist wohl aktuell der Alltag – die Qualität hatte jedoch nicht zu leiden. Nach einer mindblowing „Cavalleria Rusticana“, die den Doppelabend eröffnete, war es natürlich für „Pagliacci“ nicht so einfach, an diese Fallhöhe anzuknöpfen. Kein Wunder: ELĪNA GARANČA begeistert als Santuzza mit ihrem ebenbürtigen Spielpartner MARCELO ALVAREZ (Turiddu), perfekt nimmt man ihr diese Rolle einer von der Dorfgemeinschaft Ausgegrenzten ab, voller Leidenschaft und Intensität nimmt Garanča gefangen und rührt den Zuschauer bei ihrem Gebet fast zu Tränen – Sternstunde!!! LUCIO GALLO (Alfio) und SVETLINA STOYANOVA (Lola) singen und spielen auf gleichem Level, besonders erwähnenswert jedoch die wunderbare IRÈNE FRIEDLY als Mamma Lucia, wie kalt und abweisend sie zu Beginn Santuzza wegweist, um sie dann doch zuletzt ins Herz zu schliessen, das ist glaubwürdig und ergreifend. Nach Ertönen des Rufes, dass Turiddu getötet wurde, sind beide Frauen vereint, es bleibt das ergreifende Schlussbild mit Santuzza samt Witwenschleier, bevor sich der erlösende tosende Applaus erhebt. Grossartig!

Nach der Pause startet „Pagliacci“ mit einem hervorragenden Prolog des Tonio (LUCIO GALLO), sein eher dunkler Bariton passt ganz wunderbar zu dieser Rolle. ALVAREZ (auch mit der zweiten Tenorpartie des Abends besetzt) überzeugt glaubwürdig als eifersüchtig aufbrausender Tonio, EKATERINA BAKANOVA debütiert als seine untreue Frau Nedda mit ihrem hellen wohlklingenden Sopran, an ihrer Seite SAMUEL DALE JOHNSON als Silvio. Die allgegenwärtigen Artisten liefern das nötige Zirkusflair, lenken aber oftmals etwas von der Szenerie ab. Der Chor (samt Extra- und Kinderchor) tönt in beiden Werken prächtig (Einstudierung: ERNST RAFFELSBERGER) und nimmt sich dieses mal szenisch wohltuend zurück. PAOLO CARIGNANI und die PHILHARMONIA ZÜRICH bieten musikalischen Hochgenuss voller Sinnlichkeit, liefern aber auch den entsprechenden emotionalen Pathos in den vielen aufbrausenden Momenten, einzig die Hörner hatten (einmal mehr) ein paar schwache Momente. Nach dem musikalisch eher durchschnittlichen „Don Giovanni“ am Vorabend (25.1.22) hatte dieser veristische Doppelabend alles, was das Opern-Herz höher schlagen lässt!

Zuletzt besuchte Musiktheater-Vorstellungen:

Don Giovanni – Oper Zürich 25.01.2022

Das Rheingold – Bühnen Bern 06.01.2022

„L’Auberge du Cheval blanc“ – Opéra de Lausanne 31.12.2021

„Anna Bolena“ Premiere – Oper Zürich 05.12.2021

„Il Trovatore“ – Oper Zürich 28.10.2021

„Salome“ – Oper Zürich 17.10.2021

„Œdipe“ – Opéra National de Paris 11.10.2021

„Tosca“ – Oper Zürich 03.10.2021

„Guerre et paix“ – Grand Théâtre de Genève 19.09.2021

„L’incoronazione di Poppea“ – Oper Zürich (WA) 14.09.2021

„Salome“ – Oper Zürich Premiere (livestream) 12.09.2021

„La Bohème“ – Teatro Comunale di Bologna 05.08.2021

„La vedova allegra“ – Teatro Lirico Giuseppe Verdi Trieste 

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