ŒDIPE – Opéra National de Paris 11.10.2021

Nach vielen vielen Jahren endlich einmal wieder in der Opéra Bastille: es gibt eine Neuinszenierung von Enescus Oper „ŒDIPE“…

Die Uraufführung von George Enescus einziger Oper fand 1936 in Paris im Palais Garnier statt. Heutzutage findet man das Werk sehr selten auf den Spielplänen. Die besuchte Vorstellung an der Opéra Bastille beweist einmal mehr, dass viele Werke zu Recht in der Vergessenheit verschwinden und nur ab und zu eine halbherzige Wiederentdeckung erleben dürfen. „Œdipe“ ist ein langatmig erzähltes Werk und basiert auf den Tragödien von Sophokles. Regisseur WAJDI MOUAWAD (Intendant des Théâtre national de la Colline) inszeniert das Werk statuarisch und in schönen Bildern, die vielen rituellen Momente, wie etwa die grosse Taufzeremonie zu Beginn, kostet er vollends aus und zelebriert diese mit grossem archaischem Gehabe. Das passt zur Musik und ganz ehrlich, wie soll man diesen Plot auch sonst erzählen? Der gesprochene Prolog erzählt die Vorgeschichte, macht Sinn und erleichtert das Verständnis, viele Dinge kennt man nur oberflächlich aus dem Schulunterricht. Und das ist lange her. Mouawads Antike ist sehr lieblich, zumindest ist es die pastellig-florale Kostümschlacht von EMMANUELLE THOMAS mit aufregend schöner Haarpracht und Perücken von CÉCILE KRETSCHMAR. Die Bühne von EMMANUEL CLOLUS ist dunkel, zweckmässig, flexibel, einzig am Schluss belebt etwas Licht und Wasser die Szene – Œdipe ist geläutert und rein, das Schlussbild mit der leise verklingenden Musik, die häufig an Debussy erinnert, ist berückend schön. Ein interessanter Abend, aber eher deshalb, weil die Oper sonst nirgends zu sehen ist. Musikalisch ist sie nicht besonders aufregend, eine Melange aus romantischen Klängen, die sehr an den bereits erwähnten Debussy erinnern, langen Instrumentalpassagen in denen schlichtweg nichts passiert und grossen archaischen Chormomenten (Einstudierung: CHING-LIEN WU). Solistisch am beeindruckendsten – neben dem hervorragenden CHRISTOPHER MALTMAN in der Titelrolle – ist sicherlich die Befragung der Sphinx (grossartig: CLÉMENTINE MARGAINE) sowie der Creon von BRIAN MULLIGAN und der Tiresias von CLIVE BAYLEY. Bei dieser eher männerlastigen Besetzung bleiben – ausser der Sphinx – die Frauenrollen dezent im Hintergrund: ANNE SOFIE VON OTTER als Merope, EKATERINA GUBANOVA als Jocaste, ANNA-SOPHIE NEHER als Antigone. INGO METZMACHER (der sich bereits 2019 in Salzburg intensiv mit dieser Partitur beschäftigen konnte) lässt feinsinnigen Wohlklang aus dem Graben ertönen, auch wenn für meinen Geschmack die Akustik in der Bastille eher bescheiden ist. Der Saal ist zu gross, die Sänger:innen und das Orchester zu weit weg, es berührt mich nicht. Da kann auf der Bühne und im Graben passieren was will. Meine ersten Besuche in der Bastille in den Neunziger Jahren (Zimmermanns „Die Soldaten“, Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“) hatte ich intensiver in Erinnerung, aber klar, das war andere Musik und ist lange her….

Zuletzt besuchte Vorstellungen:

„Tosca“ – Oper Zürich 03.10.2021

„Guerre et paix“ – Grand Théâtre de Genève 19.09.2021

„L’incoronazione di Poppea“ – Oper Zürich (WA) 14.09.2021

„Salome“ – Oper Zürich Premiere (livestream) 12.09.2021

„La Bohème“ – Teatro Comunale di Bologna 05.08.2021

„La vedova allegra“ – Teatro Lirico Giuseppe Verdi Trieste 25.07.2021

Die Geschichte vom Soldaten“ – Oper Zürich 11.06.2021

„Das schlaue Füchslein“ – Luzerner Theater 30.05.2021

„Intermezzo“ – Theater Basel 21.05.2021

3 Kommentare

    1. arcimboldis_world

      Gehts denn nun weiter mit eurem Operntalk, solche Sachen sind ja nun wieder möglich, wohl auch in Frankfurt? Wäre ja schade darum…. – ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es schön fand, das Werk endlich mal gesehen zu haben, aber es ist schon etwas zäh….. ich grüsse Dich herzlichst – nun wieder zurück – aus Zürich! A.

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