Nicolas Mathieu – Rose Royal.

In seinem neuen Roman „Rose Royal“ erzählt Nicolas Mathieu die Geschichte einer Frau, die das Leben selbst in die Hand nimmt, um sich aus der permanenten Opferrolle zu befreien.

Sie will nicht viel, nichts unmögliches – Rose mit ihren fast 50 Jahren, Einfach ein Stück vom Glück, Einen gewaltfreien Mann und nicht eine weitere Enttäuschung. Aber so einfach ist das nicht. Autor Nicolas Mathieu, der für seinen grossartigen Roman „Wie später ihre Kinder“ 2018 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde, erzählt unprätentiös und mit klaren, aber doch auch ein wenig resignierten Worten die Geschichte dieser Frau, die sich in einem Provinznest selbstbewusst behauptet und sich vom Leben abgehärtet – aber noch nicht ganz abgehalftert – durch das Leben schlägt.

Rose ist fast fünfzig, als sie Luc kennenlernt. Sie hat eine Ehe überstanden und zwei Kinder zur Welt gebracht, hat Liebschaften erlebt, Jobwechsel, Schicksalsschläge und Trauerfälle. Das Leben hat sie stark gemacht. In ihrer Handtasche steckt ein Revolver, der sie gegen die vielen Dreckskerle dieser Welt beschützen soll. Doch Luc ist anders, das spürt sie sofort. So charmant und zurückhaltend. Seit sie ihn kennt, liegt in ihren Augen ein neuer Glanz. Bis er sich eines Tages in seinem männlichen Stolz gekränkt fühlt und zuschlägt.
In seinem neuen Roman erzählt Nicolas Mathieu von einer Frau, die sich eine Waffe beschafft, damit die Angst endlich die Seiten wechselt. (Hanser Verlag)

Die nur 96 Seiten umfassende Geschichte als Roman zu bezeichnen, ist etwas hochgegriffen, „Rose Royal“ ist eine schnörkellose Geschichte, eine Shortstory, dafür aber umso geschliffener und intensiver in vielen Momenten, gleichzeitig aber auch der Beweis, wie sehr unsere Welt immer noch aus den gelernten weiblichen und männlichen Stereotypen besteht. Man merkt sehr schnell, dass diese Geschichte nur auf ein ganz bestimmtes Ziel hinauslaufen kann, das tut der Spannung aber keinen Abbruch und so liest man sich stellenweise sogar ein wenig atemlos durch das schmale Bändchen. „Rose Royal“ ist für den Leser etwas komplett anderes als „Wie später ihre Kinder“, obwohl es ebenfalls überwiegend im Milieu kleiner Leute spielt. Dennoch hat das Buch seinen Reiz und bleibt vor allem wegen seiner starken und selbstbewussten Protagonistin Rose im Gedächtnis haften.

„Rose Royal“ von Nicolas Mathieu, 2020, Hanser Verlag, ISBN 978-3-446-26785-5 (Werbung)

Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar auf Anfrage kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich beim Hanser Verlag Berlin sehr herzlich bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.

Zuletzt gelesen:

Nicolas Mathieu – Wie später ihre Kinder

Ray Bradbury – Fahrenheit 451

Téa Obreht – Herzland

Dana von Suffrin – Otto

Elizabeth Strout – Die langen Abende

Ann Petry – The Street

Anne Enright – Die Schauspielerin 

Rebecca Makkai – Die Optimisten

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