COW/Alexander Ekman – Theater Basel 21.11.2021

Für einige wenige Vorstellungen hat das Theater Basel die Erfolgsproduktion des schwedischen Choreographen ALEXANDER EKMAN wieder in den Spielplan genommen – glücklich, wer die Möglichkeit hat, „COW“ live zu erleben…

2016 an der Semperoper Dresden uraufgeführt und mit dem deutschen Theaterpreis „Faust“ ausgezeichnet, hatte „COW“ am Theater Basel 2019 seine Schweizer Erstaufführung. Wer selbst in der Theaterblase tätig ist, wird seinen Alltag in dem absurden Abend von „COW“ wiederfinden, denn hier wird der Theaterbetrieb etwas aufs Korn genommen, köstlich der Filmeinspieler von T. M. RIVES über den Entstehungsprozess, hier wird ernsthaft hinterfragt, untersucht und ausgeleuchtet, was es an Feld- und Milieustudien zum Thema „Kuh“ braucht, immer wieder (herrlich) FRANK FANNAR PEDERSEN als blöd glotzende und /oder bequem auf der Weide liegende Kuh, die sich auch mal langsam durch die Flure, die Kantine und Werkstätten des Theaters Basel bewegt oder gemeinsam mit dem Ensemble durch Basels Altstadtgassen marschiert, wenn der Herdentrieb (des Ensembles) analysiert wird. Und am Ende endloser, aber äusserst wichtiger Schwafelei bleibt dann eben doch der kurze Satz „äh, was war eigentlich die Frage“ im Raum stehen. Das ist für alle Theaterschaffenden herrlich und selbstironisch, für alle anderen Zuschauer einfach ein witziger, absurder und assoziativer Abend. Grosse archaische Ensembles, die stellenweise an tanzende Derwische erinnern, wechseln sich ab mit minimalistischen Duos – auch hier wieder mit der herrlichen Selbstironie und eingeblendeten Fragen, die sich der Choreograph stellt: „ist das ausdrucksstark genug?“, „sind zwei Tänzer ausreichend oder braucht es noch einen Dritten?“ oder „Ist das Ganze einprägsam und nachhaltig?“. Und immer wieder überrascht Ekman mit witzigen Details und Ideen, wie etwas das Ensemble mit an Hufe erinnernden Schuhen und den entsprechenden Geräuschen auszustatten. Überhaupt sind die Kostüme von HENRIK VIBSKOV auf den Punkt, ebenso die grossartige Musik von MIKAEL KARLSSON. Zu viel muss man aber gar nicht in diese Produktion interpretieren – Ekman selbst sagt über seinen abendfüllenden Abend: „Anstelle einer Story gibt es ein Motiv: die Kuh. Zunächst war ich einfach nur gefesselt von der Symbolkraft der Kuh. Sie kann als Metapher für so vieles gelten. Meiner Meinung nach ist die Kuh nicht einfach nur ein interessantes Tier, nein, sie repräsentiert die Möglichkeit des reinen Seins. Und damit ist sie genau das Gegenteil von Ballett, in das wir oft so angeblich Wichtiges hineininterpretieren. Ich habe die Kuh deshalb neben den Tanz gestellt – und auf diese Weise wurde sie zu so etwas wie einer Erinnerung. Sie erinnert uns daran, dass auch wir Menschen eigentlich ganz einfache Lebewesen sind.» Und so kann man den Abend in seiner ganzen Absurdität einfach auf sich wirken lassen und sich an den vielen lauten und archaischen Momenten erfreuen, „Cow“ bietet aber ebenso viele Momente der Ruhe und stellenweise sogar wohltuende Langsamkeit. Man muss sich darauf einlassen. Der Genuss kommt dann von ganz alleine. Viele Details wird man in seiner neueren wundervollen Arbeit „PLAY“ wieder finden, die in Paris 2017 ihre Uraufführung hatte und Zuschauer und Kritik begeisterte. Die ganz eigene Tanzsprache Alexander Ekmans ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art.

Zuletzt besuchte Ballett/Tanz-Produktionen:

Double Murder/Hofesh Shechter Company – Théâtre du Châtelet Paris 13.10.2021

PLAY/Alexander Ekman/Ballet d’opéra de Paris – Palais Garnier 10.10.2021

Marina Otero: FUCK ME – Zürcher Theater Spektakel 28.08.2021

Walking Mad – Ballett Zürich 22.05.2021 (Clug/Inger)

Impulse – Juniorballett Zürich Premiere (livestream) 27.02.2021 (Davidson/Arias/Nunes)

Gala d’ouverture/Ballet – Opéra national de paris (livestream) 30.01.2021

Sadler’s Wells Global Gala – (Stream) 05.12.2020

Basso Continuum/7 Danses Greques – Béjart-Ballett – Opéra de Lausanne 11.10.2020

Forsythe – Ballett Zürich 07.02.2020

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