Basso Continuum/7 Danses Grecques – Béjart-Ballet – Opéra de Lausanne 11.10.2020

Die Opéra de Lausanne startete in die neue Saison 2020/2021 nicht mit einer Opernpremiere, sondern mit einer Vorstellungsserie des Béjart-Ballet: Neben der neuen Kreation „Basso Continuum“ gab es im zweiten Teil mit den „7 Danses Grecques“ einen Klassiker von 1983 zu sehen – endlich wieder Live-Performances!

GIL ROMAN, der seit dem Tod Maurice Béjarts 2007 das künstlerische Erbe der Kompanie weiterführt, hat sich in seiner neuen Arbeit von Gemälden des französischen Malers Pierre Soulages inspirieren lassen, sowohl die Farbgebung der Ausstattung, als auch der Wechsel von Licht und Schatten sind massgeblich die Quelle dieser lustvollen Choreografie für die achtköpfige Besetzung (Alanna Archibald/Jasmine Cammarota/Mattia Galotti/Leroy Mokgatle/Federico Matetich/Vito Pansini/Paolo Randon/Denovane Victoire). Roman erschafft einen tänzerischen Reigen durch unterschiedliche Zeiten, durch unterschiedliche Musiken und Stilistiken, erschafft starke Bilder mit kraftvollen Bewegungen – sind es zwei Welten, die aufeinanderprallen? Das leidenschaftlich rotflammende Leben und der düster-schwarze Gegenpart? In stilisierten Rüstungen (Kostüme: HENRI DAVILA) dringt die Düsternis, das Dunkle ins Leben und findet zum Ende hin einen Weg zur Gemeinsamkeit im Licht der Sonne. Die für dieses Ballett geschaffene Musik von RICHARD DUBUGNON, der auch während der Perfomance auf der Bühne live am Violoncello zu erleben ist, schafft es, diese beiden Welten zu illustrieren, sei es mit lebensfrohen Rhythmen (von Flamenco über Jazz, bis hin zu fast schon funky Beats…) oder düster-barocken Klängen gleich zu Beginn, die für die „dunkle Seite“ stehen. Zum Finale dann die Vereinigung beide Seiten, das gestellte Familienportät brennt sich dem Zuschauer ein, bevor Paarungen beider Welten gemeinsam zum Chanson „Le soleil“ von J. M. Rivière und G. Bourgeois mit der sonnig-hellen Stimme von Brigitte Bardot tanzen. Vorbei ist die Düsternis – das Stück endet ganz in der Tradition der Kompanie – ein eigenständiges Werk Gil Romans, der Geist von Maurice Béjart dennoch spürbar. Obwohl eigentlich ein Ensemble-Stück, ist der kraftvolle und alles beherrschende tänzerische und physische Ausdruck von LEROY MOKGATLE unübersehbar und allgegenwärtig spürbar.

Ohne Pause geht es im Anschluss weiter zur sommerlich-hellen und vermeintlich leichtfüssigen Arbeit „7 danses greques“, die MAURICE BÉJART 1983 zur Musik von MIKIS THEODORAKIS schuf. Das Stück war mir noch gut von einem Gastspiel des Tokyo Ballett 2006 in Kopenhagen in Erinnerung und ist – wie alle Stücke Béjarts – über die vielen Jahre sehr gut gealtert und immer noch ein absoluter Hingucker, auch wenn man dem aktuellen Cast ein paar kleine technische Schwächen verzeihen muss. Die unterschiedlichen Niveaus der einzelnen Tänzer*innen sind leider nicht zu übersehen, werden jedoch überstrahlt von den kraftvollen Solos WICTOR HUGO PEDROSOs. Die wärmende Sonne Griechenlands ist nach dem eher düsteren Licht- und Schattenspiel von „Basso Continuum“ in den griechischen Tänzen deutlich spürbar und wohltuend.

Zuletzt besuchte Ballett/Tanz-Produktionen:

Forsythe – Ballett Zürich 07.02.2020

„Grand Finale/Hofesh Shechter Company – Theater Winterthur 20.12.2019 (H. Shechter)

„Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ – Ballett Zürich 10.11.2019 (Christian Spuck)

„Romeo und Julia“ – Ballett Zürich 22.06.2019 (Christian Spuck)

„Kreationen“ – Juniorballett Zürich 21.05.2019 (Portugal/Stiens/Montero)

„b.39“ – Ballett am Rhein Düsseldorf 02.05.2019 (H. van Manen/M. Chaix/M. Schläpfer)

„Don Quixote“ – The Royal Ballet London 30.03.2019 (Carlos Acosta nach Petipa)

„Nijinski“ – Ballett Zürich 17.03.2019 (Marco Goecke)

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