Mona Horncastle – Josephine Baker.

Wer kennt sie nicht? – Josephine Baker. Tänzerin, Diva, Gesamtkunstwerk, Muse, Ikone, Superstar. Im österreichischen Molden-Verlag erschien im Herbst 2020 eine schön gestaltete und sehr lesenswerte Biographie dieser aussergewöhnlichen Künstlerin…

Der sehr gut recherchierte Band der Publizistin Mona Horncastle bietet interessante Einblicke in die frühen Hardcore-Tingeltangel-Jahre von Josephine Baker, ihren fulminanten Aufstieg zum schillernden Star und zur Muse zeitgenössischer Künstler und ihren Kampf für Freiheit, Emanzipation und Anerkennung sowie ihr privates Leben und ihr politisches Engagement. Man erfährt interessante Details, etwa zu ihrer „Regenbogen-Familie“, zu ihren vielen Affären mit Männern und Frauen, aber auch zu ihrem Engagement in der französischen Résistance während des zweiten Weltkriegs. Eine schillernde Figur, eine Vorreitern für Frauenrechte und die Anti-Rassismus-Debatte – dankenswerterweise niedergeschrieben ohne grossen Pathos. Hardcastle betrachtet eher analytisch und fachlich dieses turbulente Leben. Das ist wohltuend.

Als Freda McDonald 1906 in einem Armenviertel in Saint Louis zur Welt kommt, deutet nichts darauf hin, dass sie als Josephine Baker als erster afroamerikanischer Superstar die Welt erobern wird. Die Chancen stehen denkbar schlecht, für die uneheliche Tochter einer Wäscherin, die Gesetze der Rassentrennung ins Gegenteil zu verkehren, doch Josephine Baker hält sich an keine Regeln, sie macht ihre eigenen. Für sie gibt es immer noch eine weitere Rolle, in der sie sich neu verwirklichen kann und Erfolge feiert. Ob auf der Bühne, als Truppenunterhalterin und Kriegsheldin – oder im Leben, Josephine kennt nur den Superlativ. (Molden Verlag)

Der Weg der Josephine Baker von der Tänzerin im Bananenröckchen zur politischen Figur war lang – doch ihre zahlreichen Anti-Rassismus-Projekte waren mutig, richtig und konsequent an einer wesentlichen Einsicht orientiert: „Letzten Endes gibt es nur eine Rasse: die menschliche Rasse“ (Josephine Baker). Nicht nur für ihre künstlerischen Leistungen, auch und vor allem für ihr politisches Engagement erhielt die grosse Künstlern, die 1975 mit nur 68 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls starb, in Frankreich ein Staatsbegräbnis. Rund 20000 Menschen standen an den Strassen, als ihr Sarg durch Paris gefahren wurde. Horncastles Biographie zeigt nicht nur das Leben von Josephine Baker, sie ist ein wichtiges Zeitdokument und ein absolutes Muss, wenn man sich für Themen wie LGBTQI+, Gleichstellung, Entertainment, Tanz oder auch einfach nur Showbiz und Glamour interessiert und/oder begeistern kann.

„Josephine Baker“ von Mona Horncastle, 2020, Molden Verlag, ISBN 978-3-222-15046-3 (Werbung)

Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich beim Molden Verlag (Verlagsgruppe Styria) sehr herzlich bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.

Zuletzt gelesen:

Peter Beer – Meditation

Ewald Arenz – Alte Sorten

Lukas Hartmann – Schattentanz

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Joël Dicker – Das Geheimnis von Zimmer 622

Dana Grigorcea – Die nicht sterben

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17 Kommentare

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