Lieder ohne Worte – Theaterhaus Gessnerallee 20.06.2021

Er hat wieder gezaubert! Der Regisseur THOM LUZ war mit seinem Ensemble und der neuen Produktion „Lieder ohne Worte“ in der Zürcher Gessnerallee zu Gast und lullte – einmal mehr – die Zuschauer:innen mit einer Klang-Crash-Raum-Installation/Rekonstruktion ein – das ist grosses Theater…

Zwar liegt zum Schluss ein totes Reh am Boden und lärmende Dunkelheit macht sich breit, aber dafür sind dann auch sämtliche Fragen des Abends geklärt. Naja, nicht ganz. Macht aber nichts, wenn Fragen bleiben. Denn schön war es trotzdem. Nach 90 Minuten Konstruktion/Dekonstruktion eines Unfallherganges infolge Wildwechsels ist der Vorgang abgeschlossen, jedes einzelne Detail erwähnt, zur Sprache gebracht, analysiert und diskutiert, musikalisch be-/verarbeitet und man kann Luz-selig nach Hause gehen. Das Schlussbild brennt sich ein, wenn sich FHUNYUE GAO, MARA MIRIBUNG, DANIELE PINTAUDI, SAMUEL STREIFF und MATTHIAS WEIBEL (der auch die musikalische Leitung hat) nach dem Blackout zur Applausordnung einfinden und noch die letzten Nebelschwaden sich davonschleichen – eine Reminiszenz an das wundervolle Stück „Girl from the fog machine factory“ von 2018? Thom Luz ist ein Theaterzauberer. Die Bilder bleiben haften. Die titelgebenden „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn begleiten den Abend, nie wirklich zu hören, immer zu erahnen, verfremdet, zerstückelt, dazwischen immer wieder sphärische Klänge aus dem wundersamen Theremin – für mich eines der Highlights des Abends. Das einzige Musikinstrument, dass ohne Berührung gespielt wird – toll! Und dann gibt es als weiteren Protagonisten das Auto, das auch nach dem Unfall noch weiterzuleben scheint, es blinkt und raucht, das Rad dreht sich unendlich, aus dem Radio hört man Rauschen und Musik-Fragmente und für einen Moment spielt der Scheibenwischer sogar Geige. Und was ist die Essenz? Es gibt das Leben, es gibt den Tod. Und dazwischen kann vieles passieren. Jedes Ereignis dieser Welt kann bis in kleinste Scherben zerteilt und wieder zusammengesetzt werden. Ein wundersamer Abend zwischen Melancholie und Heiterkeit, zwischen Ruhe und Rast, zwischen Licht und Dunkelheit. Sehr schön!

Zuletzt besuchte Theaterproduktionen:

Das Weinen (Das Wähnen) – Schauspielhaus Zürich 18.10.2020

Der Mensch erscheint im Holozän – Schauspielhaus Zürich 01.03.2020

Orest in Mossul – Schauspielhaus Zürich 05.10.2019

10 x 10 Abschlussfest Intendanz Barbara Frey – Schauspielhaus Zürich 29.06.201

„Die grosse Gereiztheit“ – Premiere/Schiffbau 15.05.2019

„Totart Tatort“ – Schauspielhaus Zürich 28.04.2019

„Dorian Gray“ – Theater Winterthur (Gastspiel Burgtheater Wien) 29.03.2019

„Henosode“ – Schiffbau Zürich 20.02.2019

Ein Kommentar

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