Hervé Le Tellier – Die Anomalie.

Das ist doch mal ein richtig spannender Plot, ungewöhnlich, kreativ gedacht, interessant für die Leserschaft – der neue Roman des französischen Schriftstellers Hervé Le Tellier, der für dieses Werk 2020 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde: „Die Anomalie“…

Le Tellier, der eher für kleinere Formate bekannt ist, hat seit den 90er Jahren bereits mehr als 30 Werke veröffentlich, darunter auch Gedichte oder erotische Literatur. Eigentlich ist der Autor studierter Mathematiker und das merkt man dem Roman auch an, der teilweise bis ins kleinste Detail die Handlung dokumentiert und erklärt, das schmälert aber nicht das Lesevergnügen, macht es eher umso authentischer und glaubwürdiger, auch wenn die Handlung ziemlich unglaubwürdig klingt:

Im März 2021 fliegt eine Boeing 787 auf dem Weg von Paris nach New York durch einen elektromagnetischen Wirbelsturm. Die Turbulenzen sind heftig, doch die Landung glückt. Allerdings: Im Juni landet dieselbe Boeing mit denselben Passagieren ein zweites Mal. Im Flieger sitzen der Architekt André und seine Geliebte Lucie, der Auftragskiller Blake, der nigerianische Afro-Pop-Sänger Slimboy, der französische Schriftsteller Victor Miesel, eine amerikanische Schauspielerin. Sie alle führen auf unterschiedliche Weise ein Doppelleben. Und nun gibt es sie tatsächlich doppelt − sie sind mit sich selbst konfrontiert, in der Anomalie einer verrückt gewordenen Welt. (Rowohlt Verlag)

„Die Anomalie“ bietet äusserst unterhaltsames Lesevergnügen, interessante Protagonisten und Ähnlichkeiten mit dem letzten amerikanischen Präsidenten sind gewollt und amüsant. Stellenweise fragt man sich, ob es das wirklich geben könnte oder ob es reine Fiktion ist. Natürlich beschäftigt das die Leser:innen mit ihrer Wissbegierigkeit und dem unguten Gefühl, wenn Fragen offen bleiben und nicht alles restlos geklärt werden kann. Interessant sind die psychologischen Aspekte der einzelnen Figuren in dieser doch sehr aussergewöhnlichen Situation. Man fragt sich, wie man selbst reagieren würde. Der Roman ist eine gelungene Mischung aus Thriller, Unterhaltung, stellenweise sogar etwas Mystery. Es lohnt sich jedenfalls immer, einen Blick auf die Gewinner des Prix Goncourt zu werfen, sehr zu empfehlen: Leila Slimanis „Dann schlaf auch Du“ (2016) oder Nicolas Mathieus „Wie später ihre Kinder“ (2018).

„Die Anomalie“ von Hervé Le Tellier, 2021, Rowohlt Verlag, ISBN: 978-3-498-00258-9 (Werbung)

Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich beim Rowohlt Verlag sehr herzlich bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.

Zuletzt gelesen:

Fernanda Melchor – Paradais

Walter Tevis – Das Damengambit

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