ARCIMBOLDIS COLUMN #46: Grand Théâtre de Genève – Saisonvorschau 2026/27

Die Fahrt an den Lac Léman, an das wunderschöne und grösste Opernhaus der Schweiz, das Grand Théâtre de Genève, ist immer die Reise wert. Hier habe ich in den letzten Jahren wirklich aussergewöhnliche Produktionen gesehen. Aktuell mit dem Weggang Aviel Cahns und dem temporären Umzug ins Bâtimont des Forces Motrices (BFM) aufgrund der Umbau- und Renovierungsarbeiten gibt es eine Zäsur, aber Veränderungen sind auch immer eine grosse Chance. Die Vorschau von ALAIN PERROUXs erster Saison klingt jedenfalls schon mal vielversprechend und spannend…

Die Messlatte nach Aviel Cahns Intendanz ist sehr hoch, das gibt der designierte neue Chef des Hauses ab der Saison 2026/27 Alain Perroux beim Pressegespräch unumwunden zu, aber natürlich muss man auch sagen, ein neues Team bringt immer auch frischen Wind, setzt neue Schwerpunkte, bringt anders gearteten Zeitgeist und viele neue Ideen mit und so blicken wir positiv in diese neue Ära, die mit dem programmatischen Titel „Nouveaux Mondes“ ab Herbst in die erste Saison startet, bei der – so hat es den Anschein – wohl für jeden etwas dabei ist und sich nicht ausschliesslich an das oft so elitäre Opernpublikum richtet. Man will vielfältige Territorien bereisen, angefangen bei utopischen Orten, wie Prosperos Insel (in Frank Martins Oper „La Tempête“) bis hin zur spirituellen Welt der ersten Christen in Händels Oratorium „Theodora“, es gibt das grossartige Musical „Company“ von Stephan Sondheim und wahrscheinlich ein immer ausverkauftes Haus bei einer Neuproduktion von Mozarts „Le Nozze di Figaro“, um nur ein paar der Höhepunkte zu nennen…

„La Tempête“ von Frank Martin (ML: Thierry Fischer/R: Netia Jones) vom 16.-26.9.26 – „Company“ von Stephen Sondheim (ML: Larry Blank/R: James Bonas) vom 9.-16.10.26 – „Le Nozze di Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart (ML: Marta Gardolińska/R: Jetske Mijnssen) vom 13.-31.12.26 – „Theodora“ von Georg Friedrich Händel (ML: Raphaël Pichon/R: Krzysztof Warlikowski) vom 24.1.-1.2.27 – „Il viaggio a Reims“ von Gioachino Rossini (ML: Jader Bignamini/R: Laurent Pelly) vom 6.-14.2.27 – „La Fanciulla del West“ von Giacomo Puccini (ML: Antonio Foglliani/R: Marie-Ève Signeyrole) vom 7.-20.3.27 – „Only the Sound Remains“ von Kaija Saariaho (ML: Ernest Martinez Izquierdo/R: Peter Sellars) vom 18.-25.5.27 – „Die Dreigroschenoper“ von Kurt Weill (ML: Adam Benzwi/R: Barrie Kosky) vom 5.-13.6.27 „Candide“ von Leonard Bernstein (ML: Guillaume Tourniaire/konzertant) am 24./25.6.27

Für mich persönlich wäre das Highlight sicherlich Sondheim „Company“ und ich finde es grossartig, dass erneut Musicals Einzug halten werden in dieses „ehrwürdige“ Haus – war das nicht wunderbar, als im Herbst 2025 „An American in Paris“ dort gastierte?Leider weiss jetzt schon, dass ich im Herbst genau zu den Spieldaten im Ausland bin und keine der Vorstellung sehen werde – damn! Aber Frank Martins Oper zum Saisonbeginn ist sicherlich ein Highlight, ebenso „Theodora“ (Pichon und Warlikowski!!!) und natürlich die Oper der finnischen Komponistin Kaija Saariaho. „Die Dreigroschenoper“ ist ein Gastspiel des Berliner Ensembles und wer Barrie Koskys arbeiten kennt, kann sich freuen, er gibt damit quasi sein Debüt in Genf. Überhaupt darf man sich auf viele grosse Namen freuen, u.a. Lise Davidsen, Sabine Devieilhe, Philippe Jaroussky, Natalie Dessay, Lea Desandre, Stéphane Degout oder Ludovic Tézier. Das wichtigste für mich jedoch: Sidi Larbi Cherkaoui – dessen Arbeiten ich ganz wunderbar finde (vor allem seit „Satyagraha“ in Basel) – bleibt zusammen mit Damien Jalet tragende Säule des Balletts des GTG, hier gibt es auch einige spannende Projekte in der neuen Saison:

Océans „Brise-lames“ (Teil 1) von Damien Jalet vom 19.-24.11.26 – Océans „River without Banks“ (Teil 2) von Kyle Abraham vom 19.-24.11.26 – „Dimokratía“ von Sidi Larbi Cherkaoui vom 13.-18.4.27 – Forces „Busk“ (Teil 1) von Azure Barton vom 9.-11.6.27 – Forces „Strong“ (Teil 2) von Sharon Eyal vom 9.-11.6.27

Ich bin mir nicht sicher, ob ich wegen eines neuen „Figaro“ nach Genf reisen werde, ich bin kein grosser Mozart-Fan, dauert mir alles zu lang und plätschert (bis auf wenige Ausnahmen) einfach nur dahin und da es in Zürich in der nächsten Saison ebenfalls eine neue „Fanciulla“ geben wird, bin ich mir auch da nicht so sicher. „Il viaggio a Reims“ hingegen steht unbedingt auf meiner Agenda, die letzten Produktionen in der Regie von Laurent Pelly, die ich in Lausanne gesehen habe, waren hinreissend! Da es mit der Wiedereröffnung des GTG wohl noch etwas dauern wird, finden die meisten Produktionen in der interimistischen Spielstätte Bâtimont des Forces Motrices (BFM) statt, ich bin sehr gespannt darauf, ich sehe diese Location Ende Juni erstmals von innen bei der Produktion von Frank Zappas „200 Motels“ und damit schliesst sich für mich der Aviel Cahn – Kreis – ich mag mich noch sehr gut an die erste Produktion seiner Ära „Einstein on the Beach“ (September 2019) erinnern und nun also das letzte von ihm programmierte Werk und dann – auf in neue Gefilde! Thrilled! Auf nach Genf!

Das ganze Saisonprogramm findet man hier: www.gtg.ch

Whats next auf meiner Opern-Agenda? Die UA von Salvatore Sciarrinos Oper „L’Agamennone“ in Bern, „Aida“ bei den St. Galler Festspielen und der neue „Tannhäuser“ in Zürich. On verra! 

Zuletzt besuchte Musiktheater-Vorstellungen:

556: La Forza del Destino – Bühnen Bern Premiere 03.05.26

555: La clemenza di Tito – Oper Zürich 29.04.2026

554: Fin de Partie – Theater Basel Premiere 12.04.2026

553: Monster’s Paradise – Oper Zürich 10.04.2026

552: Scylla et Glaucis – Oper Zürich 31.03.2026

551: Giulio Cesare in Egitto – Oper Zürich 17.03.2026

550: Cardillac – Oper Zürich 21.02.2026

549: Cardillac – Oper Zürich 18.02.2026

548: Sillons de Mémoires – Oper Zürich Studiobühne 06.02.2026

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