Tinguelys „Le Cyclop“ in Milly-la-Forêt

Die Skulpturen und Maschinen Jean Tinguelys faszinieren bis heute und sind nicht nur in Museen, sondern auch an den wundersamsten Orten der Welt zu bestaunen…

Fährt man von Fontainebleau in Richtung Chartres, so findet sich ein unaufgeregt kleines Schild am Strassenrand mit dem Hinweis auf dieses wundervolle Kunstwerk Tinguelys mitten im Bois de Pauvres bei Milly-la-Forêt. Da „Le Cyclop“ für mich eine persönliche Bedeutung hat und ich das Werk schon immer sehen wollte, biegen wir also nach rechts ab, parken das Auto, gehen noch 10 Minuten zu Fuss und dann steht er da in voller Grösse, sein Auge leuchtet und das von Niki de Saint Phalle komplett mit Spiegeln verzierte Gesicht ist schon von weitem durch die alten Bäume zu sehen. Was für ein erhabener Moment: LE CYLOP (oder auch „Le Monstre“ oder „La Tête“) steht vor uns in voller Grösse, das sind immerhin imposante 22.5 m. Das grosse Tor öffnet sich um 10.30 Uhr und wir haben sofort die Möglichkeit einer Führung (mit einem jungen und hochmotivierten Mann) durch das Innere der Skulptur. Der Cyclope entstand zwischen 1969 und 1994 unter Beteiligung vieler Beiträge von Freunden aus Tinguelys „Kunstfamilie“ – Daniel Spoerri, Jean-Pierre Raynaud, Eva Aeppli, César, Arman sowie vielen anderen internationalen Künstlern und natürlich Niki de Saint Phalle. Besonders erwähnenswert ist der ebenfalls Schweizer Künstler Bernhard Luginbühl, von dem das riesige Ohr der monumentalen Skulptur stammt. Seit 1987 ist die Skulptur im Besitz des Staates, der sich nun auch um den Erhalt kümmert. Nach zwei Jahren Schliessung aufgrund Restaurierung und Corona ist er nun wieder zugänglich, dieser wunderbare Cyclope inmitten des Waldes.

Die rund 300 Tonnen schwere Skulptur wirkt trotz ihrer Masse erstaunlich filigran, windet sich um einen alten massiven Eichenbaum und besteht überwiegend aus Eisen und Beton sowie unzähligen Spiegelscherben, mit denen das Gesicht gestaltet wurde, samt seiner riesigen Wasserrutschbahnzunge. Das Material reflektiert den Wald und verankert die Skulptur in seiner Umwelt. Begeht man das Innere, so begegnet man dem imposanten Gehirn, einem typischen Tinguely-Räderwerk, laut, krachend und beeindruckend, sobald es in Bewegung kommt, Kugeln schiessen wie Gedankenblitze an uns vorbei. Desweiteren gibt es ein kleines Theater im dritten Stock, einen Eisenbahnwagon, verschiedene Klanginstallationen und im ersten Stock den Fliessenboden (ebenfalls von Niki de Saint Phalle), der an die Schachbrettflaggen der Autorennen erinnert, die Tinguely so liebte. Am höchsten Punkt der Skulptur, quasi über dem Gehirn wurde eine kleine Wasserfläche installiert, in der sich der Himmel, die Sterne oder auch – je nach Jahreszeit – die Blätter der umliegenden Baumkronen spiegeln. Schwindelfrei sollte man sein. Aber letztendlich ist man einfach hingerissen von der Schönheit in Tinguelys Kunst, da wird alles andere nebensächlich.

Zuletzt besuchte Museen und Ausstellungen:

Yoko Ono: The room moves st the same speed as the clouds – Kunsthaus Zürich

Georgia O’Keeffe – Fondation Beyeler Riehen

Charles Ray – Centre Pompidou/Bourse de Commerce Paris

Geometrische Opulenz – Haus Konstruktiv Zürich

Walter de Maria: The 2000 Sculpture – Kunsthaus Zürich

Francis Alÿs: As Long as I’m Walking – MCBA Lausanne

Écrits d’Art Brut – Museum Tinguely Basel

5 Kommentare

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