Adès / Ólafsson: Ligeti / Ravel / Kurtág / Pärt / Adès – Lucerne Festival KKL 14.05.2026

VÍKINGUR ÓLAFSSON kuratiert von 2026 – 2028 das Lucerne Festival Pulse. In der diesjährigen Ausgabe interessiert mich vor allem das Konzert „Poème Symphonique“ im KKL zusammen mit dem MAHLER CHAMBER ORCHESTRA und THOMAS ADÈS am Pult, es gibt Werke von Ligeti, Ravel, Kurtág, Pärt und Adès – was für ein spannendes Programm, was für ein tolles Konzert!

In dem Medien wurde natürlich bereits viel über die Auftaktkonzerte in der Piuskirche in Meggen an mehreren Abenden berichtet. Es gab Bachs Goldberg-Variationen mit Ólafsson und einem Lichtspektakel von Olafur Eliasson, das war sicherlich mal etwas anderes, aber wohl auch sehr nahe am Geschmäcklerischen. Viel interessanter finde ich die Programmatik des von mir besuchten Konzerts, alleine schon wegen des namensgebenden Openers „Poème Symphonique“ für 100 Metronome von György Ligeti, die zu Beginn des Konzert erklingen und nach und nach verstummen, bis letztendlich nur noch ein Metronom zu hören ist und dann folgt Stille, eine omnipräsente Stille, das ist sehr bewegend und irgendwie essentiell. Was für ein wunderbarer Auftakt zu den drei folgenden Klavierkonzerten, allen voran natürlich Ravels Klavierkonzert in G-Dur, hier stechen vor allem die jazzigen Momente hervor und der absolut verinnerlichte zweite Satz, das Adagio assai, man wagt fast nicht zu atmen, wie Ólafsson sich in dieses Werk fallen lässt, das ist ganz wunderbar, ebenso beeindruckend ist das nachfolgende Stück von György Kurtàg, der eben erst seinen 100. Geburtstag feierte und dessen einzige Oper „Fin de Partie“ gerade in einer tollen Inszenierung am Theater Basel zu sehen ist. Bei „…quasi una fantasia…“ sind neben Ólafsson noch zusätzlich im Raum verteilte Instrumentalgruppen zu hören. Voller Poesie und interessanten Versatzstücken lauscht man den einzelnen Miniaturen, man folgt zarten Klängen von Schlüsselbunden und Mundharmonikas, lauscht den im Saal verteilten Streichern und dem Schlagwerk, das ist teilweise sehr subtil, dann wieder äusserst kraftvoll energetisch und wundervoll in seiner polyphonen Wirkung im Konzertsaal.

György Ligeti: Poème Symphonique (für 100 Metronome) – Maurice Ravel: Klavierkonzert G-Dur – György Kurtág: …quasi Duna fantasia… op. 27 Nr. 1 – Arvo Pärt: Credo für Klavier, gemischten Chor und Orchester – Thomas Adès: America – A Prophecy op. 19 (SEA der erweiterten Fassung von 2024)

Nach der Pause dann direkt der wuchtige Auftakt von Arvo Pärts „Credo“ für Klavier, gemischtem Chor und Orchester, es singt der MDR-RUNDFUNKCHOR. Was zunächst harmonisch mit einem Bach-Zitat beginnt, mündet in stellenweise wildes Geschrei und lautem Flüstern, zuletzt endet das Werk wieder harmonisch in einer Vision des Friedens und Glaubens. Bei Arvo Pärts Musik erfahre ich zumeist eine tiefe Ergriffenheit, so auch in diesem Konzert. Schlusspunkt des Konzerts bildet „America – A Prophecy“ von Thomas Adès, dessen Werke aktuell häufig in der Tonhalle Zürich gespielt werden, da er in dieser Saison 25/26 Creative Chair des Tonhalle Orchester ist. Seine Musik gefällt mir sehr, doch dramaturgisch hätte ich „America – A Prophecy“ in diesem Konzert nicht als Schlusspunkt gesetzt, Pärts Credo ist energetisch einfach nicht mehr zu toppen und so fällt leider das letzte Stück etwas ab, auch wenn es vor allem durch die wunderbare Stimme der Sopranistin ANNA DENNIS sehr beglückt. Die Uraufführung dieses Auftragswerkes zum Millennium fand 1999 statt, wir hören in Luzern die Schweizer Erstaufführung der erweiterten Fassung von 2024. Interessant und sehr markant sind die vibratolosen Alarmton Weissagungen aus den Chilam Balam Büchern, die mich musikalisch ein wenig an den Soundtrack von Michael Nyman für den Greenaway Film „The Cook, the thief, his wife and her lover“ erinnern, sehr aussergewöhnlich, spannend, bewegend vor allem der Schluss, der sich leise davon haucht.

Eher ungewöhnlich für das sonst sehr stark besuchte Lucerne Festival, dass es noch sehr viele freie Plätze hatte, aber konzeptionell natürlich auch kein Gassenhauer-Konzert, hörens- und erlebenswert aber unbedingt. Bravi für Orchester, Chor, Anna Dennis, Thomas Adès am Pult und natürlich Víkingur Ólafsson, der den Abend nicht nur kuratiert hat, sondern auch der Solist des Abends bei den drei Klavierkonzerten war.

Whats next auf meiner Konzert-Agenda? Sol Gabetta und das Celloensemble des Tonhalle-Orchesters präsentieren zusammen mit Thomas Sarbacher ein „Theaterkonzert“ mit Texten von Robert Walser und Werken von Fauré, Mozart, Schumann, Schubert, Paganini, Verdi, Wagner und Debussy. Das kann spannend werden, aber auch sehr geschmäcklerisch. Wir werden sehen…

Zuletzt besuchte Konzerte:

Jacqot/Hadelich: Adès / Beethoven / Mussorgsky– Tonhalle Zürich 24.04.2026

Nagano/Favorin/Forget: Messiaens „Turangalîla“-Sinfonie – Tonhalle Zürich 17.4.2026

Järvi/Janssen: Adès/Brahms/Mendelssohn-Bartholdy – Tonhalle Zürich 11.3.2026

Sonic Matter Festival: Valade / Josefowicz: Kendall / Adès / Chin – Tonhalle Zürich 20.2.2026

Guggeis/Trpčeski: Ravel/Liszt – Tonhalle Zürich 11.12.2025

Rezital Víkingur Ólafsson: Bach/Beethoven/Schubert – Tonhalle Zürich 05.12.2025

Järvi: Mahler 2 – Tonhalle Zürich 12.11.2025

Mācelaru/Fröst: Clyne/Prokofiew – Tonhalle Zürich 24.10.2025

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