Kurz vor dem Ende der Ausstellung habe ich es doch noch geschafft, die Ausstellung „Glitzer“ im Gewerbemuseum Winterthur zu besuchen. Und es hat sich gelohnt, zum einen, weil die Ausstellung wirklich interessant und gut kuratiert ist und zum anderen ist das Gewerbemuseum, was ich vorher überhaupt nicht kannte, wirklich den Besuch wert…
Man macht sich nicht wirklich Gedanken zu diesem Thema und stellt dann in der Schau fest, wie häufig und zu welchen Gelegenheiten uns Glitzer im Alltag begegnet, eben nicht nur im Showbusiness, auf diversen Schmuckstücken oder Aufklebern im Kinderzimmer. Es glitzert überall! Signifikant wird mir das dann gleich am Abend vor dem Fernseher beim ESC-Finale bewusst. Schwerpunkt dieser sehenswerten Ausstellung liegt auf Glitzer als Symbol für Zugehörigkeit, Empowerment und Selbstbestimmung, zudem beleuchtet die Schau die Verwendung von Glitzer in kollektiven und politischen Bewegungen wie als Alltagsgegenstand.









Auf der Webseite des Gewerbemuseums liest man ziemlich genau, was die Besucher:innen der Schau erwartet: „Rund 40 internationale Positionen aus Kunst und Gestaltung widmen sich Glitzer als Ausdruck der Freude an gesellschaftlicher Vielfalt und kollektiver Ausgelassenheit, als Mittel des Protests, der Performance und Popkultur, als Symbol der Sichtbarmachung marginalisierter Gruppen und des Widerstands gegen Körpernormen.“ Zu sehen gibt es nebst eingereichten Alltagsgegenständen (von den 70er Jahre Badesandalen über Karnevals-Glitterperücken bis hin zu einem mit Stickern übersäten CD-Player) auch Originalperücken von Olivia Jones, ein Bühnen-Outfit von Bill Kaulitz, eine interessante Auswahl an künstlichen Fingernägeln bis hin zu Kunstobjekten – eine interessante Mischung. Wirklich grossartig ist der haptische Zeitrahl von den Ursprüngen bis zur heutigen Zeit, bei dem man die einzelnen Tafeln in die Hand nehmen und etwas darüber lesen kann – gefällt mir sehr! Was mir nicht so gut gefällt, ist die Tatsache, dass die Kurator:innen (ursprünglich von Nina Lucia Groß und Julia Meer für das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg kuratiert, für die Präsentation in Winterthur wurde die Schau vom Team des Gewerbemuseums erweitert) davon ausgehen, dass Glitter wohl nur in Mädchenwelten vorkommt, die Genderfrage finde ich hier etwas fragwürdig geklärt bzw. nicht angesprochen, wo finden sich in dieser Ausstellung Jungs wieder? Alles hier ist etwas sehr rosa und lieblich, vor allem das rosafarbene Mädchenzimmer – nimmt dieses rosa = Mädchen – hellblau = Jungen – Thema denn nie ein Ende? Dies wurde für mich komplett vergessen, bewusst ausgespart oder einfach ignoriert. Das hätte man besser machen können. Ansonsten war die Ausstellung definitiv den Besuch wert.
Die Ausstellung ging am 17. Mai zu Ende. Mehr Informationen zum Museum findet man hier: www.gewerbemuseum.ch
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