Leopold Tyrmand – Filip.

Bereits 1960 erschienen, liegt der sehr lesenswerte Roman „Filip“ des polnischen Autors Leopold Tyrmand nun auch auf deutsch vor. Zu verdanken ist dies der Frankfurter Verlagsanstalt und dem Übersetzer Peter Oliver Loew…

Tyrmand, der 1939 nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht nach Wilna floh und sich dort dem Widerstand anschloss, wurde zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, konnte jedoch fliehen. Aufgrund gefälschter Papier gelang im 1943 eine Anstellung als Kellner im exklusiven Parkhotel am Wiesenhüttenplatz in Frankfurt/Main – so konnte er in diesem Roman ein wohl sehr authentisches Bild Frankfurts zu jener Zeit entwerfen. Natürlich lebt auch sein Protagonist Filip ständig in Angst vor der Entdeckung und doch bietet der Roman viel Komik und ist stellenweise sehr amüsant.

Sommer 1943: Der dreiundzwanzigjährige Filip, knapp aus sowjetischer Gefangenschaft entkommen und mit falscher Identität nach Deutschland geflohen, taucht als französischer Fremdarbeiter in Frankfurt am Main unter. Frech und von sich eingenommen, verschafft er sich eine Anstellung als Kellner im renommierten Parkhotel, das als Luxusherberge für Nazi-Bonzen gilt – in der Absicht, den Krieg »im Auge des Orkans« zu überleben. (Frankfurter Verlagsanstalt)

Fast liest es sich wie ein klassischer Schelmenroman und man hat wahre Freude an der Lektüre. Und es ist auch mal eine etwas andere, fast schon wohltuende, Sichtweise auf diese Zeit. So schwankt man als Leser immer etwas hin und her zwischen Betroffenheit, grossem Interesse am wohl authentisch geschilderten Zeitgeschehen samt zeitgenössischer Sprache und Redewendungen und unterhaltsamen Lesevergnügen.

„Filip“ von Leopold Tyrmand, 2021, Frankfurter Verlagsanstalt, ISBN 9783627002848 (Werbung)

Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich bei der Frankfurter Verlagsanstalt sehr herzlich bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.

Zuletzt gelesen:

Eduardo Lago – Brooklyn soll mein Name sein

Maxim Biller – Der falsche Gruss

Ocean Vuong – Auf Erden sind wir kurz grandios

William Boyd – Trio

Eva Menasse – Dunkelblum

Hervé Le Tellier – Die Anomalie

Fernanda Melchor – Paradais

Walter Tevis – Das Damengambit

Leila Slimani – Das Land der Anderen

4 Kommentare

Diesen Beitrag von arcimboldis_world kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s