Arnold Stadler – Am siebten Tag flog ich zurück.

Der Roman „Am siebten Tag flog ich zurück – Meine Reise zum Kilimandscharo“ ist keine klassische Reisereportage, es ist ein buntes Sammelsurium an grotesken typisch Arnold Stadlerschen Erlebnissen und Begebenheiten und für den Leser eine pure Freude….

Das der Kilimandscharo für den Ich-Erzähler (also für Arnold Stadler himself) schon immer ein Sehnsuchtsort war, ist ziemlich schnell klar – das er nun eine Reisereportage darüber schreibt, schreiben soll, ein Glückstreffer, denn einmal mehr erzählt er hinreisend und voller Witz, Ironie und stellenweise grotesken Begebenheiten von diesem Trip und seinen überbordend abschweifenden Anekdoten. Das ist herrlich, interessant und absolutes Lesevergnügen. Das Reiseziel wird zur Nebensache, vielmehr erfahren wir (wieder) einiges über Stadlers Gegenwart und abermals die katholische Herkunft. Die Bandbreite an Themen ist immens und so ist es auch ein lesenswerter „Kessel Buntes“ auf literarischem Niveau.

Zum Kilimandscharo reist in diesem wundersamen Buch der Ich-Erzähler, hinter dem sein Autor Arnold Stadler gut zu erkennen ist. Eine Reportage soll er schreiben, aber er will weder auf den Gipfel noch auf Safari gehen. Im Gegenteil: Er hat Angst vor wilden Tieren und einen Smoking und Lackschuhe im Gepäck, weil er ja anschließend eine Einladung nach Bremen hat … Und es genügt ihm völlig, einfach den wunderbaren Berg anzuschauen, der als Ölgemälde in der elterlichen Wohnstube hing und seither sein Sehnsuchtsziel ist. 
Die Reise nach Afrika wird für den Erzähler zu einer tragikomischen Tour de Force durch deutsche Gegenwart, koloniale Vergangenheit und touristische Träume. Und, wie könnte es anders sein bei diesem Autor, zu einer kurvenreichen Erkundung des eigenen Inneren und des ganzen menschlichen Lebens. »Am siebten Tag flog ich zurück« ist ein poetisches Plädoyer, in einer sich wandelnden Welt das eigene Ich zu erhalten, die eigenen Wege zu gehen – und auf dem Glück zu bestehen. (S. Fischer Verlage)

Zuletzt hat mich Stadlers Roman „Komm gehen wir“ (2017) begeistert, es ist seine eigene Ich-bezogene Sprache, seine doch aussergewöhnlichen Plots die mir gut gefallen. Arnold Stadlers Werkliste ist lang und vielfach ausgezeichnet. Stadler steht nicht so sehr im Rampenlicht (wie manch anderer Autor seines Kalibers), dabei ist er sehr engagiert und Mitglied der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste sowie im Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Aber das hat vielleicht auch sein Gutes, denn so hat er genug Ruhe und Muse für neue Werke.

„Am siebten Tag flog ich zurück – Meine Reise zum Kilimandscharo“ von Arnold Stadler, 2021, S. Fischer Verlage, ISBN: 978-3-10-397250-4 (Werbung)

Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich beim S. Fischer Verlag sehr herzlich bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.

Zuletzt gelesen:

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