#bebeethoven – Tonhalle MAAG 16.10.2020

Die ruhigen und bescheiden erscheinenden Veranstaltungen sind häufig auch die interessantesten. So gab es erneut einen genussvollen Abend im Rahmen des auf 3 Jahre angelegten Projektes #bebeethoven von IÑIGO GINER MIRANDA (Regie und Raumkonzept) und FELIX MILDENBERGER (Musikalische Leitung) gemeinsam mit dem TONHALLE ORCHESTER ZÜRICH in der Tonhalle MAAG in Zürich…

Wie bereits bei #bebeethoven 2019 waren die einzelnen Musiker in verschiedenen Gruppen im Saal und auf den Emporen verteilt, polyphone Klänge vorprogrammiert. Das Programm 2020 stand unter dem Thema „Am Rande des Lichts“ und beschäftigte sich mit Komponistinnen, die viel zu selten gespielt werden und sich am Rande des gängigen Konzertrepertoires „ausserhalb des Lichts“ bewegen – das muss sich unbedingt ändern. Denn es gab in diesem Konzert sehr viel tolle Musik zu entdecken – bis auf Fanny Mendelssohn, Germaine Tailleferre und Lili Boulanger waren mir sämtliche Komponistinnen des Programms unbekannt:

Fanny Mendelssohn – Andante soave aus „Drei Melodien op. 5, Nr. 3 für Klavier / Rebecca Clarke – „Poem“ für Streichquartett (Arr. für Streichorchester) / Elizabeth Maconchy – Allegro molto und Passacaglia aus „Sinfonie für 2 Streichorchester“ / Germaine Tailleferre – Petite suite für Orchester / Germaine Tailleferre – Valse lente (1948) für Klavier / Mel Bonis – „Suite en forme de Valse“ für Orchester / Lili Boulanger – Nocturne für Violine und Klavier / Grazia Bacewicz – Allegretto giocoso und Andante tranquilly aus „Quartett für vier Violinen“ (Arr. für 12 Violinen) / Amy Beach – „Dreaming“ aus „Vier Sketches“ op. 15, Nr. 3 (Arr. für Violoncello, Klavier und Streicher)

Der Abend war wie im letzten Jahr unprätentiös und bescheiden, nun mit coronabedingt ausgedünntem Publikum und etwas melancholisch angehauchter Musikauswahl. Raum- und Lichtkonzept unaufgeregt, ein sichtlich engagiert musizierendes Tonhalle Orchester – sentimentaler Einstieg mit Fanny Mendelssohns Andante soave, am Flügel HENDRIK HEILMANN, der noch in weiteren Stücken solistisch zu hören war. Nach dem „Poem“ von Rebecca Clarke ging es rhythmisch interessant weiter mit Machonchys „Allegro molto“, später dann fast schon orientalische Anklänge in der Petite Suite für Orchester von Germaine Tailleferre. Wunderbar das „Nocturne“ von Lili Boulanger für Violine und Klavier, man versinkt förmlich darin im abgedunkelten Konzertsaal. Und auch wenn es etwas abgedroschen klingen mag: Das letzte Stück „Dreaming“ von Amy Beach (1867-1944) war einfach zum Weinen schön. Einfühlsam und voller Hingabe am Solo-Cello: BENJAMIN NYFFENEGGER. Die letzten Takte verklingen. Black. Stille. Lang anhaltender und wohlverdienter Applaus für einen interessanten Abend mit vielen Neuentdeckungen. Man wünscht sich mehr davon!

Zuletzt besuchte Konzerte:

Järvi/Janke – Pärt/Beethoven – Tonhalle MAAG 23.09.2020

Järvi/Batiashvili – Ibert/Bartók/Poulenc – Tonhalle MAAG 19.08.2020

Blomstedt/Argerich – Beethoven – Lucerne Festival 14.08.2020

Paavo Järvi – Dukas/Strawinsky/Strauss – Tonhalle MAAG 25.06.2020

Noseda/Chamayou – Dvorak/Ravel/Strauss – Tonhalle MAAG 18.12.2019

Weilerstein/Weilerstein – Britten/Schostakowitsch – Tonhalle MAAG 6.12.2019

Holliger/Kopatchinskaja – Holliger/Zimmermann – Tonhalle MAAG 29.11.2019

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