Die Walküre – Oper Zürich Premiere 18.09.2022

Nach dem wundervollen „Rheingold“ als Auftakt zum neuen Ring an der Oper Zürich war die Erwartungshaltung zur Premiere von „Die Walküre“ riesig – man wurde nicht enttäuscht, auch wenn die Regie von ANDREAS HOMOKI doch ziemlich konventionell bleibt, in sich jedoch absolut stimmig und sehr sehens- aber vor allem hörenswert ist….

Mit Zürich besteht natürlich eine ganz besondere Verbindung zu diesem zweiten Abend der „Ring“-Tetralogie, wurde „Die Walküre“ doch hier von Richard Wagner geschrieben. 1856 gab es sogar eine erste Aufführung des 1. Aktes im allseits bekannten Hotel Baur au Lac. Die bereits aus dem Rheingold bekannten weissen Räume einer Gründerzeitvilla sind leer, als Siegmund Hundings Haus betritt und auf seine Zwillingsschwester Sieglinde trifft. Die beiden Wälsungen sind stimmlich in Hochform: DANIELA KÖHLER und ERIC CUTLER – ein triumphales Hausdebüt an Zürichs Oper. Dagegen verblasst leider der sonst so prächtige CHRISTOF FISCHESSER als Hunding und bleibt ganz im Schatten der beiden Geschwister. Überhaupt ist es eine gelungene Besetzung, die komplette Walkürenschar erklingt zu Beginn des 3. Aufzuges stimmlich bestens disponiert, CAMILLA NYLUND mit ihren ersten „Hojotohos“ ist noch nicht ganz in Form, steigert sich bis zum Walkürenfelsen immens und zeigt nach ihrem Debüt als Isolde (ebenfalls in Zürich) in der letzten Spielzeit, nun auch, dass sie durchaus eine (noch steigerungsfähige) Brünnhilde mit Format ist. Darstellerisch wirkt sie leider ein wenig blass, klebt oft am Dirigenten und wirkt von der Szene manchmal fast losgelöst. Die Intensität vieler Szenen kommt nicht nur von der hervorragenden Personenregie Homokis, er kann sich auf tolle Sängerdarsteller verlassen – nichts wirkt einfach nur einstudiert, sondern organisch und echt, allen voran der Star des Abends, der alles überstrahlende Göttervater Wotan: TOMASZ KONIECZNY. Gar selten hat man so einen gebrochenen Wotan, einen derart am Boden zerstörten Gott gesehen – grandios darstellerisch wie stimmlich: wie er mit feinsten Nuancen in seiner tiefen Traurigkeit über den Verlust seiner Wunschmaid die Stimme fast brechen lässt, kurz darauf jedoch kraftvoll und als starke Gottheit diesen 5-stündigen Abend beendet – das ist wundervoll und sehr bewegend. Nachdem er Brünnhilde auf dem Felsen zum Schlaf gebettet und das Feuer entfacht hat, kehrt Wotan zurück in die Grosse Halle in Walhall, nimmt Hut und Mantel, um sich als Wanderer für „Siegfried“ auf den Weg zu machen. Fast hat man das Gefühl, dass der Walkürenfelsen sich in einem der vielen Zimmer auf Walhall befindet, eine schöne Idee. Andreas Homoki erzählt die Geschichte am Libretto entlang – das ist wohltuend und gibt dem Abend eine ungewohnte Ruhe – (eigenwillige und hochinteressante!) Neudeutungen und Interpretationen hatte man ja nun schon weltweit zur Genüge. Und die Regie hat offensichtlich grosse Freude an mächtig viel Blitz und Donner, wann immer Wotans Speer zum Einsatz kommt (diesen Wumms hätte man manchmal auch gerne aus dem Graben gehört…). Homokis Ausstatter CHRISTIAN SCHMIDT schafft gemeinsam mit FRANCK EVIN (Licht) dafür schöne Bilder, etwa den verschneiten Wald, in dem die Todesverkündung stattfindet oder auch der witzige Walkürenritt mit den Helden, die alle ein wenig als auferstandene Jesus-Christ-Doubles daherkommen in ihren weissen Leichenhemden, langem Haar und hölzernen Spielzeugschwertern. Wie Vieh werden sie von den Walküren zusammengetrieben, denen das Ganze sichtlich viel Spass bereitet. Einzig die Pferdeköpfe als Teil der Rüstung wirken etwas albern, bemüht und hinderlich. Was aus dem Graben kommt, klingt wunderbar, für meinen persönlichen Geschmack fast ein wenig zu lieblich, ich hätte gerne mehr rauhere Töne gehört, hätte es gerne kantiger, wuchtiger, dynamischer. Aber so war es absolut sängerfreundlich und das muss man ebenfalls unbedingt erwähnen, die Übertitelung war fast unnötig (die ersten Minuten hat sie sowieso nicht funktioniert…), schon lange nicht mehr so hervorragende Textverständlichkeit in einer Wagneroper erlebt. Bravi! Hier wurde exzellent an der Diktion gearbeitet. Verdienter jubelnder Applaus für das ganze Ensemble, die Haus- und Rollendebütant:innen, die leuchtend aufspielenden Musiker:innen der PHILHARMONIA ZÜRICH unter Gianandrea Noseda und das Regie-Team. Im Frühjahr 2023 folgt dann der mir persönlich liebste Abend der Tetralogie: „Siegfried“…

Zuletzt besuchte Musiktheater-Vorstellungen:

Tristan und Isolde – Oper Zürich 29.06.2022

Giovanna d’Arco – St. Galler Festspiele 25.06.2022

Lucia di Lammermoor – Oper Zürich 22.05.2022

Arabella – Oper Zürich 15.05.2022

The Rape of Lucretia – Luzerner Theater 13.05.2022

Girl with a pear earring – Oper Zürich 08.05.2022

Das Rheingold – Oper Zürich 03.05.2022

Rigoletto – Oper Zürich 18.04.2022

Macbeth – Oper Zürich 29.03.2022

A quiet place – Opéra National de Paris 24.03.2022

L’Olimpiade – Oper Zürich 16.03.2022

Die Mühle von Saint Pain – Theater Basel 06.03.2022

Ein Kommentar

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