Edward Hopper – Fondation Beyeler Riehen.

Die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel hat sich in den letzten 20 Jahren zu einem der beliebtesten Museen der Schweiz entwickelt – schade, muss fast schon sagen, denn trotz Corona und begrenzten Besucherzahlen ist es einfach immer noch viel zu voll und nach jedem Besuch denke ich, ich will da nicht mehr hin, da mich dieses Gewusel ziemlich nervt…

So dachte ich auch zuletzt nach der Picasso-Ausstellung (blaue und rosa Periode) im Frühjahr 2019 und doch bin ich zu Edward Hopper „gepilgert“, allerdings wurden  virusbedingt Slots nur im online-Verkauf angeboten, was sich vor Ort als Finte erwiesen hat, da man regulär an der Kasse noch für eben diesen lange vorab gebuchten Zeitraum Tickets erwerben konnte und die Ausstellungsräume proppenvoll waren, als hätte es Corona nie gegeben. Das ist absolut ärgerlich und hinterlässt einen negativen Beigeschmack, vor allem da die Ausstellung nicht allzu aufregend ist. Die überwiegend kleinformatigen Bilder Hoppers die in dieser Schau gezeigt werden, umfassen die Zeitspanne 1910 – 1960, aber letztendlich nur einen sehr begrenzten Überblick seines Schaffens, von den bekannten späten Werken ist nichts zu sehen. Highlight ist sicherlich der Raum mit einer Auswahl seiner Skizzen, die alles in allem viel lebendiger wirken, als der Rest der ausgestellten Werke. Hoppers Bilder strahlen immer viel Ruhe und eine unendliche Einsamkeit und Entfremdung aus und beim wandeln durch die Räume fragt man sich, was den Erfolg dieses Malers ausmacht, dessen Bilder eher klar strukturierte Grafiken sind, als an Malerei denken lassen. Aber das ist auch das Faszinierende an Hoppers Gemälden – bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, selbst die wie Puppen wirkenden seltenen Menschen wirken wie millimetergenaue Studien und erinnern eher an Plastikfiguren in einer Modelleisenbahn statt an lebende Wesen. Natürlich ist Hopper der zentrale Maler der Moderne in Amerika und wird im Whitney Museum of American Art in New York gehyped, immerhin verwalten sie seinen Nachlass. Auf seinen Bildern ist von den Kriegswirren in Europa nichts zu sehen, als wäre das in den amerikanischen Alltag nie vorgedrungen. Es ist eine nüchterne Betrachtung des Lebensgefühls der „Lost Generation“, inszeniert mit grossartigem Licht in grossartigen Landschaften und menschenleeren Strassenfluchten. Für diese Ausstellung wurde von Wim Wenders (dessen Arbeit man auch mögen muss) der 3D-Film „Two or three things I Know about Edward Hopper“ kreiert, der am Ende des Rundgangs zu sehen ist  – aber auch hier war die anstehende Menschenmasse eher abtörnend und man wird es überleben, die eher karge Ausstellung nicht damit zu beenden. Wohltuend entschleunigend hingegen sind die menschenleeren Räume der Sammlungspräsentation – bis November kuriert unter dem Titel „Stilles Sehen – Bilder der Ruhe“, dabei ist der grosse Saal mit grosszügig gehängten Monets bestückt – nach dem vorangegangenen Hopper-Hype eine Wohltat.

Die Fondation Beyeler tut sich keinen Gefallen mit diesen von Menschen überfüllten Ausstellungen, das stösst ab und lässt keinen Raum zum Betrachten – darum sollte es aber gehen. Der wunderschöne Bau von Renzo Piano liegt natürlich herrlich und ein Besuch lohnt sich immer, alleine wegen der Aussichten auf den Park, auf die grünen Weiden, die Obstbäume, die Seerosenteiche. Aber konzeptionell orientiert sich die Fondation fast ausschliesslich am Kommerz und das nervt schon sehr. Als nächstes lockt ab Oktober 2020 die Goya-Ausstellung, also wohl doch eine erneute Fahrt nach Riehen…

Zuletzt besuchte Museen und Ausstellungen:

Parkin Not Vital – Sent/Graubünden

Otto Piene / Brigitte Kowanz – Haus Konstruktiv Zürich

Kunstmuseum Thurgau/Ittinger Museum – Kartause Ittingen

Gilbert & George – THE GREAT EXHIBITION (1971-2016) – Kunsthalle/LUMA Westbau Zürich

Olafur Eliasson: «Symbiotic Seeing» – Kunsthaus Zürich

Indiennes – Landesmuseum Zürich

100 Jahre Hamburgische Sezession – Hamburger Kunsthalle

 

5 Comments

  1. Ola

    Das ist leider inzwischen in fast allen Museen so. Ich habe für mich die Besuche eingestellt. Nachdem ich beim letzten Mal nicht mal genug Abstand finden konnte, um etwas zu betrachten, habe ich mir dann beim nächsten Anlass und Alarmrufen von Freunden, die es versucht hatten, einen Bildband spendiert.

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  2. Roland Risch

    Wenn ich dazu in der Lage bin, ein Kunstwerk zu „erleben“, so zwingt mich dies zu meiner eigenen Interpretation. Ich habe in den Bildern Edward Hoppers stets das zweite Gesicht der „roaring twenties“ gesehen, der Realität hinter der Glitzerkulisse, siehe „Nighthawks“. Für die Interpretation sollte gelten, dass es weder falsch noch richtig gibt, sondern nur das individuelle Erleben von Kunst. Übrigens sprach Hopper über seine Sichtweise, indem er seine Bilder als äusserer Ausdruck seines inneren Lebens empfand.

    Ausstellungsbesuche hatten für mich stets den Beigeschmack von Konsum. Sie gewinnen erst an Wert, wenn man auf ein Bild trifft, das gefangen nimmt. Dann sollte man seinen Campingstuhl von der Schulter nehmen, sich vor das Bild setzen und geniessen, und auch die anderen Besucher und ihre Reaktionen einbeziehen, bis das Ganze zum Happening degeneriert. Das ist Kunstgenuss von besonderer Art!
    Herzlichen Gruss! Roland

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    1. arcimboldis_world

      Lieber Roland – ich stimme Dir vollends zu. Und finde das interessant Gedanken. Heutzutage gibt es jedoch fast keine Austellungen mehr, in die man sich einfach mal so in Ruhe setzen kann, dafür fehlt schon der Platz bei den vielen Menschen. Mich macht das wahnsinnig und ich habe immer weniger Lust. Aber nur zu Hause den Katalog dann zu betrachten ist mir dann doch zu wenig. Ab und zu bei kleineren Ausstellungen oder Museen finde man diese Möglichkeit noch dann geniesse ich das sehr. VIele Grüsse A.

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  3. meereskindblog

    Danke dir für deinen Beitrag. Ich laufe als zum Museum nach Riehen runter und kann dir bestätigen das täglich viele Menschen die Ausstellung besuchen. Ich hoffe das die Grenze nicht wieder geschlossen wird, denn alleine der Museumspark ist schon sehr schön. Liebe Grüße Maria

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