Der junge PICASSO: Blaue und Rosa Periode – Fondation Beyeler Riehen

Die aktuelle Schau in der Fondation Beyeler in Riehen ist sicherlich eine der ambitioniertesten und hochkarätigsten Ausstellungen, die dort je gezeigt wurde. Menschenmassen strömen tagtäglich in den wunderschönen Bau von Renzo Piano…

Das nervt etwas und man gehört zu den Glücklichen, wenn man sich im Vorfeld online Tickets bestellt hat und etwas hämisch grinsend an der langen Warteschlange zur Ticketkasse vorbeimarschiert. Allerdings bleibt einem das Warten an der Garderobe dann dummerweise nicht erspart. Ist man dann endlich mal in die heilige Halle vorgedrungen, so erwarten den Besucher Picassos frühe Meisterwerke der rosa und blauen Periode, die im Zeitraum zwischen 1901 und 1906 entstanden sind.

Im Alter von gerade einmal 20 Jahren begibt sich das aufstrebende Künstlergenie Picasso (1881–1973) auf die Suche nach immer neuen Bildthemen und Ausdrucksformen, die er zugleich zur Vollendung führt. In rascher Folge wechseln die Stile und Bildwelten – eine künstlerische „Revolution“ löst die andere ab. Die Ausstellung richtet den Fokus auf die Blaue und Rosa Periode und damit auf eine zentrale Phase in Picassos Werk. Zudem eröffnet sie die Perspektive auf die epochale Entstehung des Kubismus um 1907, der sich aus dem vorangegangenen Schaffen entwickelt und hier in ein neues Licht gerückt wird. (Fondation Beyeler, Ausstellungstext)

Daneben erwarten den Besucher allerdings auch viele Trauben mit Kindern und ihren professionellen Kulturvermittlern, zahllose Führungen mit kunstinteressierten Erwachsenen und die übliche Kunst- und Kultur-Posse. Das ist mühsam, anstrengend und macht keine grosse Freude, man schlängelt sich durch die Massen, ergattert ab und zu einen Blick auf ein Gemälde (der sich dann immer lohnt) und ist froh, wenn man den Ausgang erreicht hat und dem Trubel wieder entflohen ist. Selbst zu sonst eher ruhigen Zeiten in der Fondation – wie an einem Montagmorgen – herrscht hier ein Andrang, den ich in Riehen noch nie so erlebt habe. Das turnt total ab. Schade, denn auch wenn man kein grosser Picasso-Fan ist, die zu sehenden Bilder sind eine Wucht. Betrachtet man die ausdrucksstarken Bilder aus diesen jungen Jahren Picassos, so hat man überhaupt keine Lust mehr auf den ganzen Kubismus-Krempel der späteren Jahre. Gemälde wie „La vie“ (1903), „Femme en bleu“ (1901), „Le Repas de l’aveugle“ (1903), „Le Deux Frères“ (1906), „Femme de l’île de Majorque“ (1905) oder der wundervolle Harlekin aus der rosa Periode „Arlequin assis sur fond rouge“ von 1905 bleiben haften und brennen sich ein. Dafür lohnt sich der Besuch dann schon, auch wenn man ziemlich schnell vom Trubel genervt ist. Am schönsten ist es in Riehen eben doch, wenn man fast alleine durch die schönen Räume schlendern und gedankenverloren durch die grossen Fensterfronten in den wunderbaren Skulpturengarten oder die angrenzenden Felder blicken kann…

 

Zuletzt besuchte Ausstellungen:

„Balthus“ – Fondation Beyeler Riehen

„Franz West“ – Centre G. Pompidou Paris

„Oïphorie: atelier oï“ – Museum für Gestaltung Zürich

„Zürich schwarz auf weiss“ – Photobastei Zürich

 

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