Diese Wiederentdeckung ist ein Tik-Tok-Phänomen, ein BookTok-Hit und nun also auch bei mir gelandet und ich bin hellauf begeistert. Was für ein starkes Stück Literatur, zu Recht verglichen mit Romanen wie Marlen Haushofers „Die Wand“ oder Margaret Atwoods „Der Report der Magd“ und was nach der Lektüre zurückbleibt ist ein irgendwie ungutes Gefühl, dass noch tagelang nachhallt…
Bereits vor über 30 Jahren ist dieser Roman erschienen und liegt nun in neuer Übersetzung vor, dank diesem Hype auf Tik-Tok (wohl doch für etwas gut?) – gut so, denn wie hätte man wohl sonst zu diesem Roman finden können? Die Autorin in Vergessenheit geraten und (bisher) keine Verfilmung des Stoffes. Direkt ab der ersten Seite nimmt dieser Roman gefangen und zieht mich in seinen Bann und ja, die Vergleiche mit Atwoods „Der Report der Magd“ und Haushofers „Die Wand“ liegen nahe (Und mir fällt ein, ich will unbedingt „Die Wand“ nochmals lesen…). Wobei natürlich viele Fragen offene bleiben und man – Achtung Spoiler – gar nicht herausfinden wird, warum all das passiert und es nicht klar ist, ob es sich um eine Unterdrückung handelt, wie bei Atwood und man liest, dass Männer sich in der selben Situation befunden haben. Was für eine verstörende Lektüre!
In einem unterirdischen Gefängnis sitzen neununddreißig Frauen. Was übertage geschehen ist, wissen sie nicht: Wurde die Welt verlassen, von einem Virus verwüstet? Die Frauen können sich nicht erinnern, wie sie in den Käfig gelangt sind, haben jegliches Zeitgefühl verloren und nur eine vage Ahnung von ihrem alten Leben. Ihre Aufseher, sechs schweigsame Männer in Uniform, sprechen nicht mit ihnen und berühren sie nur, um sicherzustellen, dass keine von ihnen versucht, sich das Leben zu nehmen. Eines Tages ertönt ein Alarm, und die Wachen verschwinden; die Tür steht offen. Als erste wagt jene vierzigste Gefangene den ersten Schritt, die nichts als das Gefängnis kannte. Doch anders als erhofft, finden die Frauen draußen nicht die Freiheit, sondern eine Welt, die sie nicht wiedererkennen und in der sie lernen müssen, sich gemeinsam zurechtzufinden. (Klett-Cotta Verlag)
Um was geht es der Autorin, was ist das grosse Thema? Um die grundsätzliche Frage, was Mensch sein bedeutet, lese ich irgendwo, aber auch, wie das Leben nach einer Katastrophe weitergehen kann, weitergehen wird, man weiss es nicht und genau das ist das absolut Verstörende an dieser Lektüre, man bleibt in einem etwas unbefriedigenden Zustand zurück, anzunehmen ist wohl das Ende der Menschheit. Klar ist, mit „Ich, die ich Männer nicht kannte“ ist der Autorin wohl einer der grossen dystopischen Romane gelungen und obschon über 30 Jahre alt, ist dieser Text so heutig, so modern, so erschreckend und beunruhigend, so absolut lesenswert.
„Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman, 2026 (im Original 1995), Klett-Cotta Verlag, ISBN: 978-3-608-96670-1 (Werbung)
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Das klingt gut – und anders, als ich es bei dem Titel vermutet hätte. Und der Vergleich mit „Die Wand“ ist ja auch ein vielversprechender. Den Roman habe ich mir nun mal vorgemerkt.
(Woran merkt man, dass man älter wird? Ich nehme Buch-Empfehlungen erst war, wenn sie von Tik Tok auf klassische Blogs überspringen!)
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