Nach „Storchenstolz“ ist dies nun bereits der zweite Gedichtband von Florian Birnmeyer, der bei mir auf dem Schreibtisch liegt und nach einer gewissen sommerlichen Gedicht-Unlust nehme ich ihn also doch zur Hand und beginne darin zu blättern und bleibe hängen – das ist doch bereits ein sehr gutes Zeichen und es könnte durchaus sein, dass auch dieser Band dauerhaft seinen Weg in meinen Lyrik-Bücherschrank findet….
Schon beim ersten Durchblättern weht Melancholie durch die Seiten und ich frage mich, was ist mit Florian Birnmeyer passiert? Es fühlt sich fast so an, als hätte er sich ins Dickicht zurückgezogen, schutzsuchend und von dort aus das Leben befragend.
Was bleibt von einem Sommer, wenn er vergangen ist? Ein leises Nachglühen – eine Bewegung der Zeit, die weiterwirkt.
In Im Dickicht lebt es sich leichter verdichtet Florian Birnmeyer jene leise, präzise Poetik, die bereits Storchenstolz geprägt hat. Die Gedichte kreisen um Nähe und Verlust, Liebe und Trennung, um die Frage, was Sprache bewahren kann, wenn Erfahrung entgleitet. Persönliches verbindet sich mit Mythos, Literatur, Natur- und Stadtbildern; Jahreszeiten werden zu inneren Landschaften, das Dickicht zum Schutzraum des Ungesagten, Paris zu einem Ort zwischen Illusion und Ernüchterung. Im Dickicht lebt es sich leichter ist ein Gedichtband, der nichts erklärt und viel nachklingen lässt – ein Buch zum Wiederlesen, zum Verweilen, zum Offenbleiben. (Geest-Verlag)
Ja, ich denke der letzte Satz des Klappentextes zu diesem schmalen Bändchen, mit dann doch relativ vielen Gedichten, bringt es auf den Punkt: es ist ein Einladung zum Verweilen, zum Offenbleiben. Denn viele der kleinen Preziosen klingen etwas geheimnisvoll für mich, manchmal vielleicht etwas zu gewollt und dennoch ist auch dieser Band, wie bereits „Storchenstolz“ sehr persönlich und ein Spiegel von Florian Birnmeyer Lebenswelten und Gedanken. So schreibt er von den Dursleys (hierzu sollte man Harry Potter kennen…), über Münchner Lyrik und immer wieder über Paris und man hat irgendwann das Gefühl, diesen Autor immer besser kennenzulernen, ihm näher zu kommen. Und trotz dieser eher sanften, stillen, dahinplätschernden Zeilen, erscheint mir diese Ausgabe irgendwie widerspenstiger, ja manchmal fast störrischer, als der Vorgänger. Aber das liegt wohl auch an dieser, unserer heutigen Zeit und natürlich auch daran, dass Birnmeyer ein Mensch ist, älter wird, anders fühlt und denkt und dichtet. Schön und heutig und lesenswert ist es jedenfalls. Sofern man Lyrik mag.
„Im Dickicht lebt es sich leichter“ – Gedichte von Florian Birnmeyer, 2026, Geest-Verlag, ISBN: 978-3-69064-562-1 (Werbung)
Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich sehr herzlich beim Geest-Verlag bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.
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