Christine Wunnicke – Wachs.

Wenn ich in einer Rezension von Dennis Scheck zu diesem Buch lese, dass er es als „feministisches Manifest“ feiert, macht mich das leider zunächst mehr als stutzig, man weiss ja, was von ihm und seiner Literaturkritik zu halten ist. Also lese ich diesen hochgelobten Roman der frisch mit dem Büchner-Preis 2026 ausgezeichneten Autorin und bilde mir selbst mein Urteil…

Als „feministisches Manifest“ würde ich „Wachs“ nicht bezeichnen, aber lesenswert und hochinteressant ist diese sehr spezielle Story allemal.

Zwei Frauen in Paris, wie sie verschiedener nicht sein könnten: Marie Biheron, die schon im Mädchenalter nach Leichen sucht, um das Innenleben menschlicher Körper zu studieren und zu verstehen; und Madeleine Basseporte, die sich ganz der Anatomie von Blumen verschrieben hat, weil Menschen einen nur von der Arbeit abhalten und meist keine Ahnung haben, was vermehrt auf Männer zutrifft. Auch sie kommen vor, in teils erheiternden Nebenrollen – ein nervöser Bestseller-Autor, ein junger Nichtsnutz und Diderot, der Kaffee trinkt und viel redet. (Diogenes Verlag)

Bei der Lektüre kommt mir sogleich – warum auch immer – Patrick Süskinds Roman „Das Parfüm“ in den Sinn, aber das liegt wohl an Paris und dieser Leidenschaft Marie Biherons und an dieser bildhaften Sprache, die alles so lebendig und plastisch erscheinen lässt. Sofort sieht man die Bilder und es würde mich nicht wundern, wenn eine Verfilmung geplant wäre. Ein toller Plot und wenn man etwas recherchiert, so stellt man fest, dass Madeleine Basseporte und Marie Biheron sich tatsächlich begegnet sind, ob sie eine Liebesbeziehung hatten ist unklar, however, ein schöner Twist ist es allemal und genau das hat mir an dieser doch sehr ungewöhnlichen Lektüre sehr gefallen. Und trotz des Inhalts erscheint mir nichts davon gruselig oder absonderlich, vielmehr kann man auch als Leser die Schönheit der Anatomie (von Pflanzen und Menschen…) entdecken. „Wachs“ macht jedenfalls ziemlich Lust auf weitere Romane dieser Autorin.

„Wachs“ von Christine Wunnicke, 2026 als Taschenbuch im Diogenes Verlag erschienen, ISBN: 978-3-257-24854-8 (Werbung)

Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich sehr herzlich beim Diogenes Verlag bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.

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