David Vajda – Diamanten.

Es ist für mich wohl eines der stärksten Debüts in letzter Zeit – David Vajdas Roman „Diamanten“, schon lange habe ich nichts mehr mit derartigem Genuss gelesen, in mich aufgesogen. Grosse Begeisterung über diese tragikomische Geschichte von vier Geschwistern mit ihrem exzentrischen Vater. Gleichzeitig etwas Geschichte im Schnelldurchlauf. Von tieftraurig bis köstlich schräg und amüsant. Lesevergnügen pur!

David Vajda lebt als freier Autor und Regisseur in Berlin und Wien und ist wohl – wie man so schön sagt – ein Tausendsassa, sein erster Spielfilm in Ko-Regie mit seinem Bruder feierte auf der 71. Berlinale Premiere. Und so schöpft er erzählerisch aus dem Vollen. Dicht und stringent erzählt er diese jüdisch-jugoslawisch-deutsche Familiengeschichte, komprimiert auf 173 Seiten, als wäre es ein epochaler Roman – für mich das Highlight des Lesefrühjahrs 2026…

Er nennt sie Mačak – Kater – oder seine Diamanten. Hin und wieder auch Trottel, wenn sie seine Witze nicht verstehen. Doch egal, wie viele Namen ihr ex-jugoslawischer Vater ihnen gibt, wie viel Lammkeule und Wein er serviert, die Lücke, die der Tod der Mutter hinterlassen hat, vermag er nicht zu füllen. In seinem tragikomischen Debüt erzählt David Vajda von vier erwachsenen Geschwistern und ihrer exzentrischen, über die Welt verteilten Familie zwischen Boheme und deutschem Großbürgertum, zwischen Berlin und Hollywood. Sie treffen sich in Griechenland zur opulenten Hochzeit des Onkels, in Belgrad am Grab von Tito, in der Provence mit ihrer esoterischen Tante – nur trauern können sie nicht. Lieber flüchten sie sich in Sarkasmus oder ins Groteske und frönen dem leichten Verweilen. (Hanser Berlin)

Das Grundthema ist ganz einfach – wie geht man mit Tragödien um, soll man sie permanent thematisieren oder einfach darüber hinwegsehen und weitermachen, als wäre nichts gewesen? Ja, alles kreist sich um den Tod der Mutter und doch hat dieser Roman eine derartige Leichtigkeit und Zartheit, dass man nur hingerissen sein kann bei der Lektüre. Die abwesende Mutter ist dennoch der Mittelpunkt der Familie und anhand verschiedener Familienzusammenkünfte im Jahresverlauf erzählt Vajda uns das Leben, aktuell und in Rückblenden, wunderbar gezeichnete Figuren und zwischen all der Härte des Lebens immer auch ein wenig Poesie. Und dann auch immer noch diese kleine Portion Sarkasmus, ich liebe das, gleichzeitig weiss man auch, das ist bestes Material, um verfilmt zu werden. Absolut grosse Leseempfehlung!

„Diamanten“ von David Vajda, 2026, Hanser Berlin Verlag, ISBN: 978-3-446-28584-2 (Werbung)

Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich bei sehr herzlich beim Hanser Berlin Verlag bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.

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