Catalin Dorian Florescu – Matei entdeckt die Freiheit.

Er ist fürwahr ein grosser Erzähler – der Schweizer Autor Catalin Dorian Florescu. Im Frühjahr dieses Jahres ist im Rowohlt Verlag sein neues Werk „Matei entdeckt die Freiheit“ erschienen. Der Roman ist eine große Reflexion über Glück, Rache, Gerechtigkeit und die Frage: Wann ist der Mensch wirklich frei? Lässt sich das auf knapp 300 Seiten beantworten?

Es ist sehr lange her, seit ich einen Roman von Catalin Dorian Florescu gelesen habe. Aber ich habe immer noch „Der Mann, der das Glück bringt“ in bester Erinnerung. Nun also sein neuer Roman. Und hier bin ich etwas hin- und her geworfen, denn den Plot finde ich sehr spannend und bewegend und doch ist manchmal für meinen Geschmack etwas zu dick aufgetragen, zu viele Gefühle werden wie Butter auf das Brot geschmiert.

Ein kurzer Blick im Bus. Matei erkennt in Bukarest seinen früheren Peiniger aus dem Gefängnis wieder. Es sind die befreiten 1990er-Jahre, alles scheint möglich, sogar Gerechtigkeit. Der junge Matei wächst auf im pulsierenden Bukarest der 30er-Jahre, doch in der Diktatur verliert seine Familie alles. Und Matei wird wegen politischer Gedichte verurteilt, zur Lagerarbeit im Donaudelta, wo die Natur faszinierend, aber unbarmherzig ist und das Leben hart, mitunter tödlich. Die Menschlichkeit unter den Häftlingen hält ihn am Leben – und auch der Hass. Nach Jahren wird er begnadigt, erfährt Familienglück, doch nie echten Frieden. Als Matei nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in der neuen, großen Freiheit den «schönen Pană», einen Verhöroffizier, wiedersieht, will er sich den Geistern der Vergangenheit endlich stellen. Und fasst einen Plan. (Rowohlt Verlag)

Es gibt wohl kein Land, dass nicht mit seiner Geschichte, mit seinen Traumata zu kämpfen hat. In diesem handwerklich wirklich sehr geschickt gebauten Roman leuchtet Florescu in die Abgründe der jüngeren rumänischen Geschichte. Der Protagonist Matei verliert alles, findet selbst nach der Revolution 1989 keinen Frieden, das bewegt mich als Leser sehr, denn ich frage mich, was ist das für ein Leben, wann kommt er zur Ruhe, verarbeitet all die ihm zugestossenen, wiederfahrenen Ungerechtigkeiten. Fazit des Romans ist wohl die Tatsache, dass es trotz grossem politischem Umsturz für Einzelschicksale kein Ende der Situation bedeutet, man das Erlebte ein Leben lang mit sich herumträgt, wohl auch noch an die nächsten Generationen weitergibt. In Anbetracht der vielen Konflikte und repressiven Regimes, die wir zur Zeit weltweit im Aufwind erleben, zeichnet das keine guten Aussichten für die Zukunft. Florescus Roman hat trotz des stellenweise dokumentarischen Charakters immer wieder auch sehr hohe literarische Qualitäten, ja stellenweise sogar sehr poetische Momente. Was für mich bleibt ist die Frage, wie hätte ich gehandelt? Würde ich in dieser Situation ähnlich reagieren? Ein Roman, der mich doch sehr nachdenklich stimmt….

„Matei entdeckt die Freiheit“ von Catalin Dorian Florescu, 2026, Rowohlt Verlag Berlin, ISBN: 978-3-7371-0240-7 (Werbung)

Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich sehr herzlich beim Rowohlt Verlag Berlin bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst.

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