Schon lange auf meinem Lesestapel, nun, nach dem SRF Kulturplatz mit einem Special zur Autorin, nehme ich endlich diesen Roman zur Hand, noch immer etwas zögerlich, weil von einigen Freund:innen als schwere Kost angekündigt und bin sogleich gefesselt von diesem lesbaren, aber auch fordernden Text, für den Elmiger 2025 den Deutschen Buchpreis, den Schweizer Buchpreis und noch den Bayrischen Buchpreis (klar, die Bayern brauchen auch einen eigenen Buchpreis…) erhielt…
Es ist ja nicht so, dass aufgrund all dieser Auszeichnungen der Text automatisch grandios lesbar ist, oftmals eher das Gegenteil, bei den meisten Preisträger:innen des Nobelpreis für Literatur bin ich regelmässig gescheitert, bis auf ein paar Ausnahmen, klar (natürlich Thomas Mann! Den liebe ich ja heiss und innig!). Booker, Pulitzer oder Prix Goncourt Preisträger:innen finde ich in der Regel viel lesbarer, viel nahbarer. Nun also „Die Holländerinnen“.
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter Theatermacher, der sie für sein neuestes Vorhaben zu gewinnen versucht – ein in den Tropen angesiedeltes Stück, die Rekonstruktion eines Falls. Wenige Wochen später bricht sie auf, um sich der Theatergruppe auf ihrem Gang ins tiefe Innere des Urwalds anzuschließen. Dorothee Elmiger erzählt eine beunruhigende Geschichte von Menschen und Monstren, von Furcht und Gewalt, von der Verlorenheit im Universum und vom Versagen der Erzählungen. (Hanser Verlag)
Es gefällt mir ausnehmend gut, wie mich dieser Text sofort gefangen nimmt, eine Sogwirkung entfaltet und auch latentes Unbehagen auslöst und die permanente Frage, was das ist, was das soll, wo das hinführt. Das ist mir beim Lesen wichtig, eine Klarheit, die mir hilft, mich auf diesen Text einzulassen, ich will wissen, wohin die Reise geht. Das weiss man bei diesem Roman nicht und doch mag man nicht aufhören, lässt sich ein auf dieses ungewöhnliche Leseerlebnis, überbordend an Zitaten und Anlehnungen und einzelnen kleinen ziemlich schönen und interessanten Erzählsträngen und -sprüngen. Man kann diese feuchtwarme Luft der Region förmlich spüren, der Text nimmt mich mit, wenn sich die Truppe auf den Weg macht und durch die Dunkelheit, durch die Nacht des Regenwaldes wandert und doch kein Ziel erreicht, vielleicht auch gar keines erreichen will. Ich weiss nicht, ob es eine Metaebene gibt, die ich nicht sehe, brauche ich auch nicht, mir gefällt das genau so, wie ich das lese und empfinde. Und bis ich mich versehe, bin ich fertig mit dem Roman und froh, dass ich mich nicht habe beirren lassen, sondern zielstrebig Seite für Seite angenommen und mich in diesen Text vertieft habe. Ja, dieser Text hat etwas hypnotisches, unheimliches, ein Gefühl des Unbehagens, undefinierbar, ein Gefühl, das sich eingräbt und nicht mehr loslässt. Toll!
„Die Holländerinnen“ von Dorothee Elmiger, 2025, Hanser Verlag, ISBN: 978-3-446-28298-8 (Werbung)
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Ich habe in der Regel auch Berührungsängste zu den Preisträgern des Deutschen Buchpreises, aber wenn sie auch den Bayerischen Buchpreis bekommen hat, schaut die Sache schon ganz anders aus 😉 Nein im Ernst, da Du nun die zweite vertrauenswürdige Quelle bist, die mir das Buch ans Herz legt, ziehe ich die Lektüre in Erwägung.
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Also man muss sich schon etwas darauf einlassen, aber ich finde, dass es sich lohnt. Ein sehr schöner und intensiver Text ist das. Frohes Lesen und Grüsse aus Zürich. A.
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