David Foenkinos – Charlotte.

Weitestgehend unbekannt und bewegend ihr Schicksal: die jüdische Malerin Charlotte Salomon. 1947 mit nur 26 Jahren wurde sie schwanger von den Nazis im KZ ermordet, eine sehr erschütternde Biografie, die der französische Schriftsteller David Foenkinos versucht hat in Romanform wiederzugeben… – leider absolut misslungen!

Gleich vorneweg, einerseits absolut lobenswert uns diese interessante Biografie näher zu bringen, andererseits finde ich diesen Roman stilistisch absolut misslungen, ja fast schon ärgerlich.

»Das ist mein ganzes Leben« – mit diesen Worten übergibt Charlotte Salomon einem Vertrauten 1942 einen Koffer voller Bilder. Sie erzählen ihre Geschichte: von der Kindheit im Berlin der Zwanzigerjahre, dem frühen Tod der Mutter, dem Zugang zu Berlins Künstlerkreisen durch die neue Frau des Vaters, dem Studium an der Kunstakademie, dem Leben als Malerin. Und dann: Flucht vor den Nationalsozialisten nach Südfrankreich, Leben im Exil, aber auch Liebe und Hochzeit. Nur ihre Bilder überleben – und damit ihre Geschichte, die David Foenkinos anrührend erzählt.  Mit Leichtigkeit und Tiefgang, setzt David Foenkinos in diesem ergreifenden Roman über Leben, Liebe und Tod der jüdischen Künstlerin Charlotte Salomon ein Denkmal.  Zeile für Zeile, in einer fast schon poetischen, reduzierten Sprache schreibt er über sie in seiner ganz eigenen Weise.  »Charlotte« ist das Porträt eines verheißungsvollen Lebens, das viel zu früh beendet wurde. (Penguin Verlag/folio)

Ich habe den Roman parallel im französischen Original und in der deutschen Übersetzung gelesen und finde beide Version furchtbar kitschig und stellenweise schon geschmacklos. Zunächst dachte ich noch, ah, was für eine interessante Art des Schreibens, aber diese Reflexion über das Leben Charlotte Salomons, verknüpft mit seinen Erfahrungen der Recherche, die seltsam reduzierte Form des Schreibens ist grossenteils unsäglich oberflächlich und im Hinblick auf das tragische Ende, ja das tragische Leben der ganzen Familie mit all diesen Selbstmorden und der Verfolgung durch die Nazis, einfach – für meine Begriffe – geschmacklos. Die Biografie, zumindest was man im Netz über sie findet, ist sehr interessant, das Werk, seine Entstehung etc. ebenso, aber diesen Roman kann man keineswegs empfehlen. Wenn ich das nicht in meiner französischen Lesegruppe gemeinsam mit den anderen gelesen hätte, hätte ich das keinesfalls bis zuletzt durchgezogen, zu viele Momente gab es, in denen ich mit den Augen rollen und fast etwas stöhnen musste. Nein, ich hätte das ziemlich zu Beginn abgebrochen, eigentlich bereits bei den ersten schwülstigen Ergüssen zu ihrer Leidenschaft zu ihrer grossen Liebe Alfred. Leichtigkeit hat dieser Roman, Tiefgang keineswegs. Wie kann man über dieses tragische Leben, das so furchtbar in der Gaskammer endet, so blumig, so schwülstig schreiben. Entsetzlich finde ich das. Ah, Hilfe!

„Charlotte“ von David Foenkinos, 2016 (penguin Verlag / französisch bei Folio, 2014 bei Editions Gallimard, Paris), ISBN: 978-3-328-10022-5 (Werbung)

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