Noseda/Chamayou – Dvorak/Ravel/Strauss – Tonhalle MAAG 18.12.2019

Der designierte GMD der Oper Zürich ab 2020/2021 gab sein Debüt beim Tonhalle Orchester. Er selbst sagt dazu, dass er den künstlerischen Leiter der Tonhalle Paavo Järvi nicht als Konkurrenten sieht, sondern einen freundlichen Wettstreit um die beste Qualität anstrebt – für das Zürcher Publikum kann dies nur von Vorteil sein…

Zwei erstklassige Dirigenten in einer Stadt, das wird spannend. Zum Debüt von GIANANDREA NOSEDA in der Tonhalle MAAG gab es als Einstand mit Dvorak, Ravel und Strauss jedoch ein eher gefälliges Programm zu hören. Dvoráks sinfonische Dichtung „Die Waldtaube“, selten gespielt, interessanter Stoff, sorgte bei der Uraufführung 1898 (unter Leoš  Janácek) für Empörung. Heute plätschert es etwas müde dahin, passt aber konzeptionell gut als Einstimmung und Opener für das Highlight dieses Konzertes: Ravels wunderbar beschwingtes Klavierkonzert mit BERTRAND CHAMAYOU am Flügel. Die virtuosen und teils schwierigen Läufe des ersten und dritten Satzes spielt Chamayou präzise und mit viel Gefühl, den zweiten – eher sanften – Satz hingebungsvoll und melancholisch, völlig losgelöst gibt man sich als Zuhörer seinem Spiel hin – wunderbar ist das!  Als Zugabe schenkt er dem Auditorium eine Pavane von Ravel, bevor es in die Pause geht…

Antonin Dvorák (1841 – 1904) – „Die Waldtaube“ op. 110, Sinfonische Dichtung

Maurice Ravel (1875 – 1937) – Klavierkonzert G-Dur

Richard Strauss (1864 – 1949) – „Also sprach Zarathustra“ op. 30, Tondichtung (frei nach Friedrich Nietzsche) für grosses Orchester

Beim zweiten Teil des Abends mit „Also sprach Zarathustra“ dann ein Werk, von dem jeder zumindest die Einleitungsfanfare aus Kubricks „2001: A space Odyssee“ kennt. Noseda lässt wenig Strauss’schen Streicherpathos erklingen, sein „Zarathustra“ kommt eher kühl und analytisch daher. Insgesamt eine etwas trockene Interpretation, aber für meinen Geschmack mit gut gewählten Tempi. Im finalen Satz etwas unentschieden, es gibt keine Ruhe, keinen finalen Ausklang. etwas wackelige Flötentöne. Normalerweise liebe und wähle ich Plätze im Saal, von denen man frontal oder zumindest seitlich auf den Dirigenten blicken kann. Bei Gianandrea Noseda ist das leider der totale Abtörner, mit grosser Mimik und teils ausladenden Gesten wirkt er häufig wie eine Dirigenten-Karikatur. Es tut mir leid dies sagen zu müssen, aber es war für mich stellenweise unerträglich. Vor allem „Also sprach Zarathustra“ habe ich deshalb überwiegend mit geschlossenen Augen genossen. Ein Konzert ist eben nicht nur ein akustisches, sondern auch ein visuelles Erlebnis. Für mich zumindest. Ich bin mir sicher, dass er ein hervorragender Opern-Dirigent ist und mit den Sängern atmet, ich erinnere mich noch sehr gut an die wundervolle Produktion von Prokofjews „Der feurige Engel“ in Zürich mit ihm am Pult. Dann sieht man ihn als Besucher (in der Regel) auch nur von hinten. Und das ist gut so.

Zuletzt besuchte Konzerte:

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Urbanski/Thibaudet: Bernstein/Gershwin/Lutoslawski – Tonhalle MAAG 21.06.2019

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