Herbert Blomstedt/Martha Argerich – Beethoven. Lucerne Festival 14.08.2020

Endlich wieder Live-Musik, endlich wieder grosse Emotionen im Konzertsaal und zumindest noch ein Hauch des Beethovenjahres, welches letztendlich bisher krisenbedingt auf der Strecke blieb. Zunächst aufgrund Corona abgesagt, gab es nun doch eine „kleine“ zehntägige Ausgabe des Lucerne Festival. Zur Eröffnung der kurzfristig anberaumten Konzerte mit dem Titel „LIFE IS LIVE“ gab es einen wunderbaren Auftakt mit MARTHA ARGERICH (79) und HERBERT BLOMSTEDT, der vor kurzem seinen 93. Geburtstag feierte…

Nach der Begrüssung durch den Stiftungsratspräsidenten des Lucerne Festivals MARKUS HONGLER, anschliessendem Grusswort von Bundesrat ALAIN BERSET und einer gefühlt endlos dauernden Aufräum- und Umbauaktion konnte das Konzert dann um 18.30 Uhr auch endlich beginnen. Tatsächlich benötigten mehrere Menschen für das Beiseiteschieben des Rednerpultes 15 Minuten – Loriot hätte seine Freude daran gehabt! Geschuldet war dies offenbar der Tatsache, dass das Livestreaming auf ARTE zum angekündigten Zeitpunkt stattfinden musste und die Redezeit zu lange angesetzt war, Berset und Hongler mit ihren Ausführungen zu Corona und Kultur aber fix alles gesagt hatten. Das Konzert lies dann diese bizarre Einlage aber schnell vergessen, denn gemeinsam musizierten über 172 Jahre – frisch und agil, jedoch mit der langjährigen und spürbaren Erfahrung zweier Musikerleben. Martha Argerich ist eine der wenigen grossen Pianistinnen unserer Zeit, die ich live noch nie erleben durfte, umso grösser die Freude, dies nun zusammen mit dem grossen Jahrhundertdirigenten Herbert Blomstedt und Beethoven, auch wenn das Programm nicht mein Favorit war,

Ludwig van Beethoven – Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15

Ludwig van Beethoven – Sinfonie Nr. 2 d-Dur op. 35

So schleppend die Beiden – dem Alter geschuldet – den Saal betreten, so frisch und agil geht es dann auch gleich los mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 in C-Dur. Martha Argerich muss nichts mehr beweisen und so lässig und leicht ihre immer noch vollen langen grauen Haare umherfliegen, so leicht und tänzelnd klingen ihre Durchführungspassagen im Kopfsatz. Das klingt alles sehr entspannt, gleichzeitig natürlich hochkonzentriert, weiss man doch, wie schwer man sich dies erspielen muss. Schon ein Ereignis, Martha Argerich mit dieser sehr virtuosen Solokadenz und zusammen mit Blomstedt erleben zu dürfen. Im Anschluss dann Beethovens zweite Sinfonie, die immer ein wenig an dahinplätschernde Werke von Haydn oder Mozart erinnert und vor allem der zweite Satz erscheint mir einmal mehr sehr nah am Kitsch, bevor dann im Schlusssatz endlich die drängende Beethoven-Rhythmik mitreisst – von Maestro Blomstedt natürlich auswendig dirigiert. Wer hätte gedacht, dass nach dieser Corona-bedingten Stille das Beethoven-Jahr 2020 doch noch Fahrt aufnimmt. Nach diesem fulminanten Start in das „geschrumpfte“ Lucerne Festival geht es kommenden Monat in der Tonhalle Zürich mit Paavo Järvi und Beethoven zur Saisoneröffnung weiter…

Zuletzt besuchte Konzerte:

Paavo Järvi – Dukas/Strawinsky/Strauss – Tonhalle MAAG 25.06.2020

Noseda/Chamayou – Dvorak/Ravel/Strauss – Tonhalle MAAG 18.12.2019

Weilerstein/Weilerstein – Britten/Schostakowitsch – Tonhalle MAAG 6.12.2019

Holliger/Kopatchinskaja – Holliger/Zimmermann – Tonhalle MAAG 29.11.2019

Järvi/Kuusisto – Sibelius/Tschaikowsky/Tüür – Tonhalle MAAG 30.10.2019

Järvi/Fröst: Tschaikowsky/Copland – Tonhalle MAAG 27.10.2019

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