7 Deaths of Maria Callas – Marina Abramović / Bayerische Staatsoper München 05.09.2020

Der Mythos Maria Callas und die unzähligen Aufnahmen mit dieser grossartigen Stimme begeistern Opernliebhaber bis heute, Mitschnitte und Aufzeichnungen ihrer Interpretation etwa einer Tosca, Medea oder Traviata sind Klassiker und immer wieder wunderbar anzusehen oder zu hören. Das Projekt „7 Deaths of Maria Callas“ von MARINA ABRAMOVIĆ zur Eröffnung der Saison an der Bayerischen Staatsoper in München stand deshalb zwingend auf meiner Watchlist, aufgrund der coronabedingt geringen Platzanzahl jedoch war klar, dass ich auf die Reise nach Bayern verzichten werde – und das war letztendlich auch gut so.

Denn wie sich jetzt im Live-Stream zeigt, ist diese Produktion ein absolut unnötiges Spektakel und man kann froh sein, für diese Reise nach München kein Geld ausgegeben zu haben. Oper ist und bleibt ein Live-Erlebnis und daran kann auch die aktuelle Situation nichts ändern. Auf das Live-Erlebnis dieses Egotrips von Abramović kann man jedoch getrost verzichten. Abramović inszeniert sieben grosse Bühnentode, mit der Callas hat das wenig zu tun. Sieben hervorragende Sopranistinnen geben jeweils eine Arie zum Besten, verschwinden aber in den egozentrischen Projektionen, die Abramović in teils sehr schönen Bildern sterbend zeigen, mal als Desdemona im Würgegriff einer Schlange, mal als Cio-Cio-San im knallgelben Schutzanzug mit entblössten Brüsten, immer mit WILLEM DAFOE als Spiel-Partner – Namedropping und Marketing at it’s best.

Arie der Violetta aus La traviata, 3. Akt: „Addio, del passato“ (Hera Hyesang Park) – Arie der Tosca aus Tosca, 2. Akt: „Vissi d’arte“ (SELENE ZANETTI) – Arie der Desdemona aus Otello, 4. Akt: „Ave Maria“ (LEAH HAWKINS) – Arie der Cio-Cio-San aus Madama Butterfly, 2. Akt: „Un bel dì, vedremo“ (KIANDRA HOWARTH) – Arie (Habanera) der Carmen aus Carmen, 1. Akt: „L’amour est un oiseau rebelle“ (NADEZHDA KARYAZINA) – Arie der Lucia aus Lucia di Lammermoor, 3. Akt: „Il dolce suono“ (ADELA ZAHARIA) – Arie der Norma aus Norma, 1. Akt: „Casta Diva“ (LAUREN FAGAN)

Während all dieser sieben einzelnen Szenenabfolgen steht die jeweilige Sängerin an der Rampe, während die Filmsequenz auf die Gaze projeziert wird und Marina Abramović live und schlafend im Bett liegt. Die Musik und die Sängerinnen bleiben Nebensache (aufhorchen lässt nur ADELA ZAHARIA als Lucia di Lammermoor). Dazwischen sind jeweils von ihr eingesprochene, sehr schwülstige Texte zur jeweiligen Arie aus dem Off zu hören. Zum Schluss – nach geisterhaft stöhnender Musik von MARKO NIKODIJEVIĆ – öffnet sich der Vorhang und gibt den Blick auf das Schlafzimmer der Callas in Paris frei, in dem sie am 16. September 1977 im Alter von nur 53 Jahren verstarb. Abramović erhebt sich, wandelt im weissen Nachthemd durch das Zimmer, berührt voller Pathos diverse Gegenstände und lässt final mit grosser Geste eine Blumenvase auf dem Fussboden zerspringen, bevor die sieben singenden Kolleginnen als Putzfrauen auftreten, aufräumen und die Möbel der toten Callas mit schwarzem Tüll verhängen. Was für eine ärgerliche und plakative Aktion. Das Stück endet mit Marina Abramović in goldfarbener Abendrobe und grosser Callas-Geste an der Rampe, endlich ist auch mal die Callas selbst vom Band zu hören als Norma. Eigentlich der schönste (und leider viel zu kurze) Moment des Abends – ansonsten reine und absolut ärgerliche Zeitverschwendung. Die unbestritten grosse Performancekünstlerin Marina Abramović hat sich und uns mit diesem Abend keinen Gefallen getan…

„7 Deaths of Maria Callas“ ist eine Koproduktion der Bayerischen Staatsoper München mit Deutsche Oper Berlin, Maggie Musicale Fiorentino, Greek National Opera, Opéra National de Paris…

No Live-Stream anymore! – Zuletzt live gesehen:

„Operettengala Camilla Nylund & Piotr Beczala“ – Oper Zürich 12.07.2020

„Iphigénie en Tauride“ – Oper Zürich 16.02.2020

„Wozzeck“ – Oper Zürich 09.02.2020

„Salome“ – Luzerner Theater 17.01.2020

„Martha oder der Markt zu Richmond“ – Oper Frankfurt 31.12.2019

„Belshazzar“ – Oper Zürich 17.11.2019

„Cosi fan tutte“ – Oper Zürich 8.11.2019

„Die Sache Makropulos“ – Oper Zürich 6.10.2019

„La Traviata“ – Oper Zürich 29.09.2019

2 Comments

    1. arcimboldis_world

      Interessant ist es auf alle Fälle, aber Abramović hat sich keinen Gefallen getan damit. Ich finde Sie wirklich eine tolle Künstlerin, aber von der Oper soll sie die Finger lassen. Und die Callas begleitet mich mein ganzes Leben, da gibt es so viele tolle Aufnahmen, diesen Abend braucht kein Mensch. Schade für den Aufwand. Ich habe beim Live-Stream wirklich mehrfach die Augen verdreht, weil ich dachte, so ein grässlicher Pathos, vor allem bei den eingesprochenen schwülstigen Texten von ihr. Uh. Wenn Du auf die HP von der BOS gehst, kannst Du ab 7.9. die Produktion bis Oktober on demand sehen….. – viele Grüsse! A.

      Gefällt 1 Person

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