La Traviata – Oper Zürich 29.09.2019

Nach dem Saisonauftakt mit einem musikalisch sehr starken „Nabucco“ in der gleichen Woche noch einen zweiten Verdi hinterhergeschoben, ebenfalls mit FABIO LUISI am Pult: DAVID HERMANNs seltsam kühle Inszenierung von „La Traviata“…

Zugegebenermassen hat Ausstatter CHRISTOPH HETZER hierfür einen interessanten mondänen Raum mit grosszügigen bequemen Sitzgruppen geschaffen, hier können die Damen wirklich prima angebaggert werden – aber von einem dekadenten Ambiente in dem sich diese Gesellschaft bewegt, ist es weit entfernt (da nützen auch die grosszügig herumstehenden Pflanzen nichts…). Der Chor und auch die Protagonisten bewegen sich in eher geschmacklosen Klamotten, die man in einigen Läden der Zürcher Langstrasse gut finden kann, billiger Glamour und Glitter. Auf dem Rückprospekt sieht man interessante Projektionen, die mal an Kunst, mal an Röntgenbilder – der kranken Violetta? – erinnern. Die Regie von DAVID HERMANN bleibt allerdings oberflächlich und bemüht sich hauptsächlich darum, den Chor irgendwie anzuordnen, damit er nicht allzu sehr stört (was bei dem ein oder anderen männlichen Choristen in vielen Inszenierung nervt, weil alles gross ausgespielt wird und den Fokus auf sich zieht, der eigentlich bei den Solisten liegen sollte….). Schlimm ist vor allem die Ballszene im Hause von Flora Bervoix nach der Pause (2. Akt/2. Bild) wenn der Chor ausgelassen zur Musik von Verdi tanzt, aber so tut, als sei er bei „Saturday Night Fever“ in der Disco – hier kann man als Zuschauer wirklich nur mit den Augen rollen. Einige wenige starke Momente gibt es, etwa im ersten Akt, wenn der Chor zeitweise im Freeze erstarrt oder wenn Violetta zusammengebrochen am Boden liegt und die Gesellschaft sich oberhalb von ihr an den Buffets bedient und tut, als sei nichts geschehen, das Leben geht weiter. Das ist hart. KRISTINA MKHITARYAN ist eine wundervolle Violetta Valéry, im ersten Akt noch nicht so sehr berührend, aber aufblühend und grossartig im 2. Akt bei der Begegnung mit dem Vater Giorgio Germont, hier hat sie aber auch mit GEORGE PETEAN einen ebenbürtigen Partner, sowohl darstellerisch, als auch mit seinem samtig weichen Bariton. Sein erster Auftritt mit schwarzem Motorradhelm war zunächst ja etwas befremdlich – wo kommt dieser Mann her (Arbeiterklasse? Aus der Kneipe)? Ab dem zweiten Akt macht Mkhitaryan das Beste aus der nicht vorhandenen Personenregie, denn insgesamt hätte man sich auch im Gesang von allen etwas mehr differenzierte Töne, statt lauten und kraftvollen Gesang gewünscht. LIPARIT AVETISYANs Alfredo bleibt eher blass und eindimensional, seine Stimme mir persönlich zu lieblich, während FABIO LUISI am Pult einmal mehr einen herrlich frischen und facettenreichen Verdi aus dem Graben erklingen lässt (leider ein paar kleine Unsauberheiten bei den Bühnenmusiken). Das ist nun wirklich sein Metier, dafür feiert ihn dann auch das Publikum ausgiebig. Nach den irritierend gefühllosen Begegnungen aller Beteiligten endet dann auch das Leben Violettas im unpersönlichen Krankensaal eines Sanatoriums (hier hat zumindest jedes Bett einen eigenen grossen Heizkörper, um die emotionale Kälte zu vertreiben) im Delirium. Alfredo und sein Vater stützen sie ein letztes mal geführt an die Rampe, bevor ihr Leben verlischt und sie alleine zurückbleibt und stirbt. Alles nur ein Traum?

Zuletzt besuchte Vorstellungen:

„Nabucco“ – Oper Zürich 24.09.2019

„Al gran sole carico d’amore“ – Theater Basel 22.09.2019

„Einstein on the Beach“ – Grand Théâtre de Genève 13.09.2019

„Elektra“ – Oper Zürich 15.07.2019

„Last call“ (UA) – Oper Zürich 28.06.2019

„Tristan und Isolde“ – Theater Bern 27.06.2019

 

 

 

 

 

 

 

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