Karls Kühne Gassenschau: Reception – Dietikon 29.07.2026

Die Erwartungshaltung und Lust auf ein weiteres hochsommerliches KKG – Spektakel an einem heissen Sommerabend gemeinsam mit Freunden war sehr gross, die Enttäuschung über diesen langweiligen, äusserst banalen und dramaturgisch katastrophalen Abend namens „Reception“ war leider noch viel grösser…

Ein Phänomen sind die „Kühnen“ ja schon, immerhin haben sie seit ihrer Gründung 1984 zweiundzwanzig verschiedene Produktionen in über 3500 Vorstellungen vor über drei Million Zuschauer:innen gezeigt und auch in dieser Saison 2026 sind sämtliche Vorstellungen mit ihren ca. 1300 Sitzplätzen pro Abend so gut wie immer ausverkauft. Waren die Produktionen „FABRIKK“ (2011 – 2014 in Winterthur und in Olten sowie 2015 Adaption française à St-Triphon) und „SILO 8“ (2006 – 2009 in Winterthur und Olten, 2010 Adaption française à St-Triphon, 2022 WA in Olten, 2023 Reprise de SILO 8 à St-Triphon) nicht nur Spektakel, sondern thematisierten auch gesellschaftspolitisch relevante Themen, ist die aktuelle Produktion leider nur auf Technik und Effekte ausgerichtet und langweilt ab der ersten Minute. Die Show beginnt poetisch, die Band taucht spielend aus dem Wasser auf, aber ab dann jagt eine Plattitüde die nächste und ich neige mehrmals dazu auf die Uhr zu sehen, das ist kein gutes Zeichen. Es passiert viel, aber die Dialoge und Witze sind äusserst platt, die Übergänge von einer Szene zur nächsten sind holprig und manche Momente ziehen sich zäh wie Kaugummi – wo bleibt das Tempo? – stellenweise fühlt man sich an eine Amateuraufführung erinnert, viele Dinge machen dramaturgisch überhaupt keinen Sinn und man fragt sich, wie es sein kann, dass diese wunderbare, in der Schweiz seit langer Zeit kultige KKG-Truppe mittlerweile derartig plakatives, nichtssagendes Theater macht. Man zeigt einen Kessel Buntes, ein paar Tanzeinlagen hier, etwas langweilige Akrobatik da und der Cast war – bis auf wenige Ausnahmen – auch schon prickelnder und interessanter. Stellenweise frage ich mich sogar, wie eine derartige Besetzung zustande kommen kann. Man braucht eben Tausendsassas, die keine Höhenangst haben, auch gerne mal durch den künstlich angelegten See unter Wasser abtreten. Das ist dermassen ärgerlich, dass wir – meine Begleitpersonen empfinden das ebenso – den kompletten Heimweg uns darüber auslassen, was für eine grosse Enttäuschung „Reception“ ist. Einzig MARIA REBECCA SAUTTER als Sängerin Gabriela Rossi ist ganz wunderbar mit ihrer übertriebenen Tristezza und CHRISTOPH WETTSTEIN wie immer handwerklich solide. Sicherlich, auch für diese Produktion hat die Technikcrew Famoses erfunden, ertüftelt, geleistet und man bekommt das Spektakel, dass man bei KKG erwartet – Wasserfontänen, Feuer, im Wasser versinkende Bühnenteile, selbst der obligatorische Kran wird bespielt (in diesem Jahr mit einer eher langweiligen Nummer in einem Kleinflugzeug, zuletzt der Cast im Mobile entschwebend…), aber eine sinnvolle Handlung, eine handfeste Dramaturgie die Sinn macht, sucht man vergebens – was bleibt ist Ratlosigkeit, ausschliesslich angerissene und selten zu Ende erzählte Themen und zuletzt die Feststellung, dass dies wohl mein letzter Besuch bei Karls Kühne Gassenschau war. Manchmal haben sich Dinge einfach zu sehr kommerzialisiert, verselbständigt und lohnen sich nicht mehr für einen sommerlichen Besuch (auf dem zugegebenermassen schönen Gelände…). Schade. Sehr schade!

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