Stephen King – Fairy Tale.

Stephen King, der Grossmeister der Horror/Mystery/Fantasy-Literatur begleitet mich seit Jugendtagen. Von Zeit zu Zeit lese ich eine Neuerscheinung und bin immer wieder erstaunt über das von ihm erschaffene Universum. Sein letzter Roman „Fairy Tale“ jedoch ist – gelinde gesagt – ziemlich schlecht…

Wie kann das sein? Naja, eigentlich hätte bereits der Klappentext stutzig machen müssen:

Der siebzehnjährige Charlie Reade hat kein leichtes Leben. Seine Mutter starb, als er sieben war, und sein Vater ist dem Alkohol verfallen. Eines Tages offenbart ihm der von allen gemiedene mysteriöse Nachbar auf dem Sterbebett ein Geheimnis, das Charlie schließlich auf eine abenteuerliche Reise in eine andere, fremde Welt führt. Dort treiben mächtige Kreaturen ihr Unwesen. Die unterdrückten Einwohner sehen in Charlie ihren Retter. Aber dazu muss er erst die Prinzessin, die rechtmäßige Gebieterin des fantastischen Märchenreichs, von ihrem grausamen Leiden befreien. (Heyne Verlag)

King steht für fantastischen, mal plakativen, mal subtilen Horror, für tiefliegende Ängste, immer jedoch für spannenden Lesestoff, oftmals wirkliche Pageturner – ich erinnere mich noch sehr gut an die „Klassiker“ von ihm: „Das letzte Gefecht“, „Es“, „Friedhof der Kuscheltiere“, „Misery“, „Shining“ und natürlich zuletzt die lesenswerte „Bill Hodges“ – Trilogie („Mr. Mercedes“, „Finderlohn“ und „Mind Control“). Doch was ist das nun mit „Fairy Tale“? Während des ersten ganz lesbaren Drittels erzählt King in epischer Breite die Geschichte und Herkunft von Charlie Reade, seiner Familie und dessen Freundschaft zum alten und hilfsbedürftigen Mr. Bowditch, dann geht alles Schlag auf Schlag und man befindet sich in dieser Fantasy-Märchenwelt namens Empis, deren Eingang sich in einem alten Holz-Schuppen auf Bowditchs Grundstück befindet. Es folgt ein absehbarer Kampf zwischen Gut und Böse mit vielen Zitaten und Anleihen u.a. aus „Wizard of Oz“, es gibt das ominöse „Grau“, was die Welt verschlingt. Das erinnert ein wenig an Michael Endes „Nichts“ aus „Die unendliche Geschichte“. Bei der furzenden hässlichen Riesin, an der Charlie vorbei muss, um seinen sterbenskranken Hund auf die lebensverlängernde Sonnenuhr zu setzen, ist dann bei mir Schluss mit „Fairy Tale“, ich breche nach der Hälfte des Romans ab, alles andere wäre langweilige Zeitverschwendung. Das Problem von „Fairy Tale“ ist diese Genre-Unentschiedenheit. Ist es ein Märchen? Horror? Fantasy? Oder doch ein kreativer Coming of age – Roman? Von allem etwas, aber nichts davon wirklich konsequent – sicher und vorhersehbar ist jedoch das typisch US-amerikanische Happy Ending, das mir nun erspart bleibt. Aber es ist gut zu wissen, dass der mittlerweile 75jährige King immer noch fleissig schreibt und man wohl noch einiges Lesenswertes von ihm erwarten kann. „Fairy Tale“ vergisst man besser, auch wenn bereits die Filmrechte vergeben sind und dieser Plot ziemlich sicher in die Kinos kommt.

„Fairy Tale“ von Stephen King, 2022, Heyne Verlag, ISBN: 978-3-453-27399-3 (Werbung)

Zuletzt von Stephen King gelesen: „Die Arena“ / „Der Outsider“

Zuletzt gelesen:

Mónica Subietas – Waldinneres

Giulia Caminito – Das Wasser des Sees ist niemals süss

Thomas Hürlimann – Der rote Diamant

Torrey Peters – Detransition, Baby

Yvonne Spauschus/Moussa Mbarek – Das Warten auf Leben

Walter Tevis – Der Mann, der vom Himmel fiel

Fatma Aydemir – Dschinns

Zora del Buono – Die Marschallin

Hilmar Klute – Die schweigsamen Affen der Dinge

10 Kommentare

  1. Alexander Carmele

    Ich wollte „Fairy Tale“ auch eigentlich lesen, aber dann kann offenbar glücklicherweise immer etwas dazwischen 🙂 … ich muss aber eine Lanze für den alternden King brechen „Später“, im letzten Jahr erschienen, ist wirklich ein tolles Buch. Große Leseempfehlung! Guten Start in die Woche! Und ja, die furzende Riesin muss nicht sein.

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    1. arcimboldis_world

      Glück gehabt, denn „Fairy Tale“ ist wirklich eines der schlechtesten Bücher von ihm. Hat mich total aufgeregt. „Später“ ist mir noch nie untergekommen, muss ich gleich mal checken……. danke für den Tipp. Grüsse aus dem dunklen Zürich. A.

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    1. arcimboldis_world

      Ja, Du hast Recht. Viele sind mittlerweile moderne Klassiker, aber „Fairy Tale“ ist kein grosser Wurf und während ich früher immer bis zum Schluss gelesen habe, weil ich dachte, ich gebe dem Buch eine Chance, mache ich das heute nicht mehr, irgendwann ist dann einfach Schluss – Zeitverschwendung. Herzlichst aus Zürich, A.

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