Stephen King – Der Outsider.

Stephen King – das war der Romanautor meiner Jugend. Lange habe ich nichts mehr von ihm gelesen, erinnere mich aber noch sehr intensiv an die grossen Erfolge „Es“, „Friedhof der Kuscheltiere“, „Das letzte Gefecht“, „Misery“, „Shining“ und viele andere mehr – ich glaube niemand konnte sich in den Achtziger/Neunziger Jahren der Faszination dieses Genres und den Romanen von King entziehen. Nun habe ich ihn mit der Krimi-Trilogie um den Detektive Bill Hodges (beginnend mit „Mr. Mercedes“) und seinem neuen Roman „Der Outsider“ wiederentdeckt…

„Der Outsider“ beginnt anfänglich über viele Kapitel hinweg als Kriminalroman und erst nach vielen Seiten taucht man in die typischen King-Themen ein: subtiler Horror und Übersinnliches – alles realitätsnah beschrieben und in diesem Fall sehr speziell, denn der Roman spielt im Hier und Jetzt. Die Handlung spielt im von Trump dominierten Amerika. Und sicherlich ist der Roman auch eine Momentaufnahme, eine Metapher der heutigen USA. Stephen King macht in der Öffentlichkeit und auf social media keinen Hehl daraus, was er von Trump und seiner Politik hält. Sehr schnell wird dem Leser klar, dass die Gesellschaft in dieser (fiktiven) Stadt Flint City gespalten ist und man möglichst alles medienwirksam inszeniert – so auch die Verhaftung des hauptverdächtigen Trainers während eines laufenden Football-Spieles. Schnell stellt sich heraus, dass dieser Verdächtige während der Tat zeitgleich an 2 Orten war, dann beginnt der Kriminalfall sich zu einem typischen King-Roman zu entwickeln, wie man es von vielen früheren Romanen her kennt…

Im Stadtpark von Flint City wird die geschändete Leiche eines elfjährigen Jungen gefunden. Augenzeugenberichte und Tatortspuren deuten unmissverständlich auf einen unbescholtenen Bürger: Terry Maitland, ein allseits beliebter Englischlehrer, zudem Coach der Jugendbaseballmannschaft, verheiratet, zwei kleine Töchter. Detective Ralph Anderson, dessen Sohn von Maitland trainiert wurde, ordnet eine sofortige Festnahme an, die in aller Öffentlichkeit stattfindet. Der Verdächtige kann zwar ein Alibi vorweisen, aber Anderson und der Staatsanwalt verfügen nach der Obduktion über eindeutige DNA-Beweise für das Verbrechen – ein wasserdichter Fall also?

Bei den andauernden Ermittlungen kommen weitere schreckliche Einzelheiten zutage, aber auch immer mehr Ungereimtheiten. Hat der nette Maitland wirklich zwei Gesichter und ist zu solch unmenschlichen Schandtaten fähig? Wie erklärt es sich, dass er an zwei Orten zugleich war? Mit der wahren, schrecklichen Antwort rechnet schließlich niemand.

(Verlagsgruppe Random House)

Stephen King zitiert unter anderem eine Geschichte von Edgar Allen Poe, bei der es auch ähnliche Begebnisse gab, immer wieder gibt es Querverweise und Bezüge auf das aktuelle Leben in „Trump-Land“, das hat mir sehr gut gefallen – mich hat die Geschichte relativ schnell in den Bann gezogen. Hierfür habe ich sogar den grossartigen Schmöker „Das achte Leben (für Brilka)“ von Nino Haratischwili – was ich parallel lese – vorerst beiseite gelegt, damit ich ausschliesslich beim King-Horror bleiben konnte…

Wunderbarerweise taucht Holly Gibney (aus der Bill Hodges – Trilogie) in der Geschichte auf und trägt wesentlich zum Handlungsverlauf bei, eine absolute Sympathieträgerin und man hofft sehr, dass es weitere Romane von Stephen King mit ihr als Protagonistin geben wird. Sie ist auch diejenige, der es zu verdanken ist, dass die anderen in diesen Fall involvierten Personen sich für unerklärliche Dinge öffnen und nicht nur das glauben, was sie sehen.

Wenn man alles, was nicht im Bereich des Möglichen liegt, eliminiert hat, dann muss der verbleibende Rest – wie unwahrscheinlich er immer sei – unbedingt die Wahrheit sein.

Arthur Conan Doyle

Der Roman ist klug konzipiert und fundiert recherchiert – hier sei nicht zu viel verraten, aber natürlich basiert die Handlung auf alten mexikanischen Sagen und es bleibt spannend bis zum Schluss (wo es logischerweise zum grossen Showdown kommt). Alles wird gut, dennoch bleibt – wie immer bei Stephen Kings Romanen – ein leichtes Unbehagen zurück. Und genau das macht den Erfolg seiner Bücher aus. Nach der Trilogie und nun „Der Outsider“ habe ich wieder grosse Lust bekommen, ab und zu in die sehr eigenen Welten von Stephen King einzutauchen. Und nachdem King mittlerweile mit Auszeichnungen für sein Werk überhäuft wurde, kann man sich offiziell als Fan outen und auch dazu stehen – hahahaha, Kulturclash.

„Der Outsider“ von Stephen King, Random House/Heyne Verlag, 2018

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