La Cage aux Folles – Theater Basel 31.12.2018

Silvester und somit eine letzte Show des Jahres 2018 – „La Cage aux Folles“ am Theater Basel. Ein schöner Jahresausklang mit einer rauschenden Party im Anschluss im Theaterfoyer…

Das Stück „La Cage aux Folles“ von Jean Poiret wurde 1973 in Paris uraufgeführt und in den Achtziger Jahren von Jerry Herman und Harvey Fierstein für den Broadway als Musical adaptiert, wo es äusserst erfolgreich lief und bis heute alleine durch den Welthit „I am what I am“ Kultstatus erreicht hat. Durch mehrere Verfilmungen (u.a. Edouard Molinaris Kinofassung mit Ugo Tognazzi und Michel Serrault von 1978) ist es auch einem breiten Publikum bekannt.

Albin ist als Zaza der Star des Nachtklubs «La Cage Aux Folles».Dessen Besitzer Georges ist seit mehr als zwanzig Jahren sein Lebensgefährte, und das Leben in dieser bunt flirrenden Welt könnte so unbeschwert sein, wenn Albin nicht spüren würde, dass die Zeit auch an ihm nicht spurlos vorüberzieht. Jetzt will auch noch der einzige Sohn, Georges’ Spross aus einer kurzen Affäre, heiraten, und zwar ausgerechnet die Tochter des Vorsitzenden der «Partei für Tradition, Familie und Moral». Georges und Albin versuchen, in den sauren Apfel zu beissen und für ihren Sohn ihr eigenes Leben, ihre Identität, ihre Liebe zu verleugnen. Dass das nicht gut gehen kann, ist absehbar.  (Inhaltsangabe, HP des Theater Basel)

Bereits zu Beginn sitzt Albin ungeschminkt alleine auf der leeren Bühne – man merkt, es geht um mehr als Tingel-Tangel, es geht ums Altwerden und um die Sinnfrage und man sieht eine eher verstörte, zerbrechliche Zaza, bevor die Cagelles und Georges ihn überreden, doch wieder die Bühne zu betreten, das Publikum wartet bereits auf ihn. Schön, hat Regisseur MARTIN G. BERGER auf den sonst üblichen La Cage – Firlefanz mehr oder weniger verzichtet und versucht, hinter die Fassaden einer Glitter-Glamourwelt zu schauen. Das gelingt nicht immer, ist aber ein guter und lobenswerter Ansatz. Und mit STEFAN KURT als Albin/Zaza an vorderster Front hat er auch einen grossartigen und glaubhaften Hauptdarsteller, der zuletzt bereits in Stefan Hubers „Fledermaus“ in Winterthur als Frosch überragend war und den Abend sehr unterhaltsam auch komplett alleine bestreiten könnte. Eine Kostprobe davon gibt es bei einer mehrminütigen solistischen Travestie der alten Schule im Fummel an der Rampe. Als dessen Lebensgefährte Georges darstellerisch sehr präsent ROLAND KOCH, musikalisch leider eher schwach und angestrengt klingend. Auch bei allen anderen Kollegen ist nicht zu überhören, dass es sich hierbei eher um ein Schauspielensemble, als um Musicaldarsteller handelt, vor allem MAX ROTHBART als Jean-Michel ist musikalisch und in seiner Intonation äusserst schwach. NICOLA KIRSCH und MARTIN HUG sind köstlich als konservatives Ehepaar Dindon, ebenso die schnippisch-schlampenhafte Jacqueline von MYRIAM SCHRÖDER, etwas gewöhnungsbedürftig hingegen der Jacob von KARL-HEINZ BRANDT sowie LILIANE AMUAT als Anne. Im Verlauf des Abends gibt es einige Seitenhiebe auf die erstarkenden populistischen Parteien, viel politisches und klischeehaftes und im ersten Teil der Show einen wirklich grossartigen und sehr bewegenden Moment mit Albins „Ich bin was ich bin“. Die neuen Arrangements des musikalischen Leiters THOMAS WISE für seine kleine Bandbesetzung klingen herrlich modern und enthüllen teilweise neue und bisher ungehörte Sounds und schärfen die häufig doch sehr lieblich-schwülstige Musik dieses Stückes (für grosses Orchester), das tut dem Ganzen gut und passt auch zur eher entkernten Inszenierung von Martin G. Berger in der Ausstattung von SARAH-KATHARINA KARL (Bühne) und ESTHER BIALAS (Kostüme). Insgesamt ein netter Abend mit einigen (vor allem musikalischen) Schwächen, aber ein lobenswerter Versuch, aus diesem Stück etwas mehr zu machen als es häufig ist: eine reine Fummelshow mit viel Mascara und glitzernden Kostümen. Standing Ovations!

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