Les Miserables – Premiere Theater 11 – 23.01.2020

Mittlerweile kann man „Les Miserables“ zu den Musical-Klassikern zählen und nach Sit-Down-Produktionen weltweit und einer Verfilmung, war es nur noch eine Frage Zeit, bis eine neue tourneefähige Version entsteht, um die Kassen auch weiterhin klingeln zu lassen…

Die neue Inszenierung am frisch renovierten Sondheim-Theater (ehemals Queen’s Theatre) im Londoner West-End – von den Machern selbst als „Les Mis for the 21st Century“ betitelt – bildet nun auch die Basis für die Tour durch das vereinigte Königreich, mit Ausflug ins Zürcher Theater 11. Die neue Produktion verzichtet auf die Drehbühne und setzt verstärkt auf Videoprojektionen, ohne die es heutzutage offenbar nicht mehr geht. Die Stärke und Qualität, welche die Originalversion (siehe auch Vorstellungsbesuch von „Les Miserables“ am West-End April 2019) ausmachte, das Düstere und teilweise Abstrakte, bei dem die Emotionen und die Musik im Vordergrund standen, geht vollends verloren – Ergebnis ist ein bebildertes, etwas verstaubt wirkendes Historienspiel, was man an jeder Freilichtbühne in alten Gemäuern ebenso sehen kann. Das ist sehr schade. Hinzu kommt, dass der Cast dieser Tour teilweise grosse Schwächen aufweist und nicht wirklich überzeugt. NIC GREENSHIELDS Javert bleibt seltsam opernhaft steif und eine eher blasse Erscheinung, selbst sein grosser Song „Stars“ überzeugt musikalisch nicht wirklich. FELIX MOSSE als Marius ist im ersten Teil überzeugender und verblasst zum Schluss hin, was sehr schade ist, auch sein „Empty chairs and empty tables“ kurz vor dem Finale – sonst eines der Showhighlights – berührt nicht wirklich (liegt aber auch an der szenischen Umsetzung). Die Rolle des Jean Valjean ist für jeden Darsteller eine grosse und interessante Herausforderung, DEAN CHISNALL überzeugt in dieser Produktion und ist im Cast die stärkste Figur neben dem Thénardier von IAN HUGHES und seiner Partnerin HELEN WALSH. Die beiden sind natürlich immer ein Garant für Szenen- und Schlussapplaus. Dazu eine solide KATIE HALL als Fantine und FRANCES MAYLI MCCCANN as Eponine (die man sich gerne etwas kantiger gewünscht hätte), die Cosette der CHARLIE BURN dagegen ist musikalisch ziemlich schwach und klingt in der Kopfstimme nach einer Bandbreite von schrill bis schmerzhaft – schade. Durch die Neuinszenierung gehen – für meinen Geschmack – viele starke Momente verloren und verlieren sich in einer disneyhaften Beliebigkeit. Das Licht-Design der Barrikaden-Kämpfe erinnert eher an choreografierte Suchscheinwerfer eines US-Science-Fiction-Filmes, als an schmutzige Kämpfe mit Blut, Rauch und geladene Gewehre. Dabei hat Victor Hugos Stück eine derartig plakative Bebilderung nicht nötig, es ist eine starke Geschichte die erzählt wird und die Musik Schönbergs ist grossenteils packend und mit starker Sogwirkung. Schade hat man darauf nicht vertraut, sondern ist eher einem Mainstream-Geschmack gefolgt, offensichtlich ist das die visionäre Stossrichtung für das 21. Jahrhundert aus Sicht von Cameron-Mackintosh. Dem Zürcher Premieren-Publikum hat es sehr gut gefallen – standing ovations! Mir persönlich hat dieser Abend jedenfalls grosse Lust gemacht, den Roman erneut zu lesen…

Zuletzt besuchte Musicals:

„The Book of Mormon“ – Premiere Theater 11 Zürich am 13.12.2019

„Everybody’s talking about Jamie“ – Apollo Theatre London am 03.04.2019

„Les Miserables“ – Queens Theatre London am 02.04.2019

„Follies“ – National Theatre London am 01.04.2019

„La Cage aux Folles“ – Theater Basel am 31.12.2018

„Sweeny Todd“ – Opernhaus Zürich am 21.12.2018

„Miss Saigon“ – Theater 11 Zürich am 30.11.2018

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