Die Zauberflöte – Oper Zürich 30.10.2026

Saisoneröffnung an der Oper Zürich mit Mozarts „Zauberflöte“, hier geht man auf Nummer sicher. Ich schaffe es noch in die letzte Vorstellung der herbstlichen Aufführungsserie, bevor zur Wiederaufnahme im Frühjahr 27 eine fast komplett andere Besetzung übernimmt. Mit DANIELE FINZI PASCA als Regisseur weiss man, was man zu sehen bekommt, seine Arbeiten tun niemandem weh und sind gefällig – die eigentliche Sensation der Produktion ist das junge und grossartige Ensemble sowie das absolut erfrischende Dirigat von TARMO PELTOKOSKI…

Zugegeben, „Die Zauberflöte“ ist nicht mein liebstes Werk von Mozart, dauert viel zu lange, hat jedoch einige schöne Musiken zu bieten, ich kann jedoch nie verstehen, warum dermassen viele Eltern ihre Kinder in ausgerechnet dieses Werk schleppen, Natürlich hat das Werk dieses märchenhafte, verspielte, in Finzi Pascas Inszenierung sowieso, es gibt jedoch weitaus besser geeignete Werke für Kinder. Die Zürcher Neuproduktion hat keinerlei politische Dimensionen, Interpretationsansprüche oder gar eigene Lesarten, stattdessen erwarten die Zuschauerschaft knapp dreieinhalb bunte und sehr gefällige Stunden. Langeweile kommt in dieser Inszenierung jedoch nicht auf, nicht für einen Moment, das muss man bei der „Zauberflöte“ mit den vielen Zwischentexten erst einmal schaffen, nie ein szenischer Durchhänger, immer pointierten Witz und die Regie hat offensichtlich ganz hervorragend mit den Sänger:innen am Text gearbeitet, das ist eine beachtliche Leistung, liegt aber sicherlich auch an dieser jungen, grossenteils (noch) relativ unbekannten Besetzung. Einzig mit REGULA MÜHLEMANN als Pamina setzt man auf einen „grossen“ Namen (das kann man bei ihr mittlerweile schon so sagen…). Wunderbar zart, einfühlsam, jugendlich, stellenweise fast schon betörend empfinde ich in dieser besuchten Vorstellung ihr Spiel und ihre Stimme, absolut glaubhaft ihre Unbekümmertheit, ihre Natürlichkeit in dieser (fremdbestimmten, irgendwie auch naiven) Liebe zu Tamino. Dieser – und das finde ich eine ganz bezaubernde Idee – ist Orchestermusiker, der sich während der Ouvertüre samt seinem Instrument quasi in diese weltfremde Handlung verirrt, hineingezogen wird in diese weit auseinander klaffenden Lebenrealitäten Sarastros und dem Schattenreich der Königin der Nacht. Er ist ein positiv denkender Mensch, nimmt diese Aufgabe an, fügt sich quasi dem Leben und erledigt seine Pflichten, denn nur so erhält er Paminens Hand. MAGNUS DIETRICH (als Pamino) ist in seiner Rolle glaubwürdig und ein absoluter Sympathieträger (der üblicherweise immer etwas gegen den Publikumsliebling Papageno anzukämpfen hat…), ich mag diese Besetzung mit diesem kernigen, robusten Tenor sehr, viel lieber als die häufig gehörten, eher süsslich-zart klingenden Taminos – da ist doch Magnus Dietrich (der am Zürcher Haus debütiert) für mich eine Idealbesetzung und zusammen mit YANNICK DEBUS (so witzig, mit schöner Stimme und ebenso wie die drei Knaben auf einem Vogelrücken unterwegs) als Papageno ein Dreamteam in diesem Abenteuer. Überhaupt dominieren Vögel die Szenerie, sind omnipräsent und überbrücken das manchmal – aus heutiger Sicht – tröge Libretto, denn es gibt immer etwas zu sehen (dank der – bei Finzi Pasca zu erwartenden – Akrobat:innen ELISA BITSCHNAU, JESS GARDOLIN, JUANA GARGIULO, JOSH GOLASZEWSKI, CLOÉ MATTER, RICARDO MIGUEL SERRAO MENDES). Es wird geflattert und getanzt, es ist immer etwas los, das macht diese neue „Zauberflöte“ kurzweilig und sehenswert. Wunderbar auch JASMIN DELFS als Königin der Nacht, mit herrlichen, unangestrengt klingenden Koloraturen und absolut intonationssicher und für mich der absolute Favorit in diesem wunderbaren Ensemble ist der Sarastro von TOBIAS KEHRER, was für ein schön klingender profunder Bass, nicht nur bei seinen Arien, auch seine Sprechstimme ist einfach toll, sonor, wohlklingend, vertrauenserweckend, für mich eine Idealbesetzung! MARIAM SULEIMANS Papagena ist zauberhaft, nach ihrer Verwandlung wird sie vom „hässlichen Entlein“ zum buchstäblichen Schwan – eine sehr schöne Idee, ebenso die Figur des Monostatos von NATHAN HALLER, der energiegeladen im Glühbirnenrock die Bühne rockt oder die köstlichen drei Damen von HANNAH MCKAY, KARIMA EL DEMERDASCH und DOMINIKA STEFAŃSKA). Unbedingt erwähnen muss man die witzigen Drei Knaben des Tölzer Knabenchores (JAKOB DISTLER, BENEDIKT EBERL und EDGAR WINKLER), musikalisch absolut auf dem Punkt (und natürlich immer Publikumsliebling!) und ANDREW MOORE (als Sprecher), SALVADOR VILLANUEVA (als zweiter Priester) und ein Bravo für die beiden Geharnischten RAFAEL ROJAS und THEODORE MCALINDON und ihrem „Der, welcher wandert diese Straße voll Beschwerden“ – ich liebe diesen Moment in der Musik.

Und ganz ehrlich – Shootingstar (ich bin bei derartigen Bezeichnungen immer skeptisch) hin oder her – TARMO PELTOKOSKI am Pult ist der absolute Knaller, so viel Pep und differenzierten Mozartklang habe ich schon lange nicht mehr gehört, fast könnte man diese musikalische Interpretation als poppig bezeichnen, als frisch und jung und dem tollen Cast auf der Bühne entsprechend, es fehlt völlig diese manchmal so nervige künstliche Feierlichkeit, die bei der „Zauberflöte“ oftmals mitschwingt (vor allem im zweiten Teil). Das ist so wohltuend, fast könnte man diesen Abend (musikalisch) als entstaubt bezeichnen. Ja, das hat mich doch sehr begeistert und so kann ich letztendlich doch auch die Standing Ovations verstehen (die ich häufig als inflationär empfinde…). Finzi Pasccas neue „Zauberflöte“ an der Oper Zürich hat etwas zauberhaftes und ist unbedingt sehenswert, egal ob man nun ein regelmässiger Operngänger oder ein Neueinsteiger ist, der zumindest einmal im Leben den Opern-Gassenhauer schlechthin – „Der Hölle Rachen kocht in meinem Herzen“ – live und in Farbe erleben möchte…

Whats next? – Die Drei Opern von Rachmaninov „Aleko“, „Skupoi Rytsar“ & „Francesca da Rimini“ in der Inszenierung von Dmitri Tcherniakov, am Pult steht Gianandrea Noseda…

Zuletzt besuchte Musiktheater-Vorstellungen:

562: La Tempête – Bâtiment des Forces Motrices / Grand Théâtre de Genève 20.09.2026

561: Tannhäuser – Oper Zürich 08.07.2026

560: Aida – Theater St. Gallen 02.07.2026

559: 200 Motels – Grand Théâtre de Genève / Bâtiment des Forces Motrices 25.06.2026

558: Jesus Christ Superstar – Bühnen Bern 17.06.2026

557: L‘Agamennone – Bühnen Bern12.06.2026

556: La forza del destino – Bühnen Bern Premiere 03.05.2026

555: La clemenza di Tito – Oper Zürich 29.04.2026

554: Fin de Partie – Theater Basel Premiere 12.04.2026

553: Monster’s Paradise – Oper Zürich 10.04.2026

552: Scylla et Glaucis – Oper Zürich 31.03.2026

551: Giulio Cesare in Egitto – Oper Zürich 17.03.2026

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