Demian Lienhard – Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat.

Mein erster Roman im neuen Jahr 2020: „Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat“ von Demian Lienhard. Von vielen Seiten voll des Lobes und gute Berichterstattung seitens der einschlägigen Presse. Das macht natürlich grosse Lust und setzt die Messlatte relativ hoch – auf ins neue Lesejahr…

Einer meiner wenigen Vorsätze (nicht für das neue Jahr, sondern generell für die nahe Zukunft): keine Zeit vergeuden mit Büchern, die mich nicht sofort packen, mich fesseln, mich nicht mehr loslassen. Keine Zeit vergeuden mit Büchern, bei denen man hofft, das nach Seite 100 doch noch der Lesekick kommt – denn dafür gibt es zu viele Bücher, die man in der knapp bemessenen Lebenszeit nicht zu lesen vermag. Stattdessen: weg damit, wenn man sich „irgendwie quält“. Und so frisch und spritzig die Sprache Demian Lienhards beim ersten Eindruck auch daher kommt, es war mir von Anfang an zu gewollt, zu manieriert, zu sehr auf jugendlich getrimmte Coming-of-Age – Thematik, die mich nicht gepackt hat.

Außer der Hochbrücke ist nichts besonders an der kleinen Stadt, in der Alba lebt – die 25 Meter fällt man bei Windstille in 2,28 Sekunden, die Straße darunter ist statistisch gesehen die tödlichste der Schweiz. Das Schuljahr ist noch nicht vorbei, und schon hat Alba auf diese Weise drei Mitschüler verloren. In Zürich gehen die Jugendlichen auf die Barrikaden, sie kämpfen für kulturellen Freiraum, gegen Wohnungsnot, Drogenelend, Überwachung. »Macht aus dem Staat Gurkensalat!«, lautet die Parole. Alba ist mittendrin und hat dazu noch ihre ganz eigenen Probleme. Eines davon: Jack. Eigentlich heißt er René, aber Jack ist einfach passender. Kurz nach Albas ›Unfall‹ werden sie ein Paar. Für einmal ist Alba glücklich, aber keiner weiß besser als sie, dass alles einen Haken hat – gerade das Glück. Und wenn man erst auf die schiefe Bahn gerät, geht es rasant bergab … oder?

Mit frappierender Originalität, intelligentem Witz und einer kompromisslosen Tragik folgt Demian Lienhard seiner jungen, erfrischend widerborstigen und einnehmenden Ich-Erzählerin Alba bei ihren Höhenflügen und Tiefschlägen durch die knisternde Atmosphäre der 1980er und frühen 1990er in der Schweiz, geprägt von wachsenden sozialen Problemen und einer aufrührerischen Jugendbewegung. Der glühende Kern des sprachsicheren und virtuosen Romans aber ist die rebellische Erzählstimme selbst, eine funkensprühende Verbindung aus ›Smells Like Teen Spirit‹, ›La Boum‹ und einer unwiderstehlichen Warmherzigkeit, schelmischen Humor und Sprachwitz – Alba würde man überallhin folgen, sogar auf diesen Höllentrip (Frankfurter Verlagsanstalt)

Ich habe mich gelangweilt. Dabei interessierte mich die Handlung sehr, aber auch das Zürich der 1980er Jahre und das Geschehen auf und um den Platzspitz. Aber soweit kam ich nicht, denn nach zwei motivierten Anläufen, habe ich auf Seite 52 das Buch zugeklappt, weggelegt und aufgegeben. Und bin meinem Vorsatz treu geblieben. Das tut mir leid für das Buch, für den Verlag und vor allem für den Autor, denn man merkt das investierte Herzblut in den gut recherchierten Beschreibungen dieser Zeit. Der Autor Demian Lienhard kann das aufgrund seines Jahrgangs noch nicht selbst erlebt haben. Schade, aber manchmal ist das eben so. Das sagt nichts über die Qualität des Buches. Jedes Buch zu seiner Zeit. Für mich hat das gerade nicht gepasst (das schliesst nicht aus, dass ich den Roman zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zur Hand nehme….). Am meisten gestört hat mich tatsächlich die überstrapazierte Jugendsprache und -denke, ein angenehmer und packender Lesefluss wollte sich für mich nicht einstellen. Oftmals ist das Sperrige von Vorteil, man bleibt hängen und es beschäftigt – hier ist das nicht passiert. Und: Die Lese-Uhr tickt. Also beiseite gelegt. Abgehakt. Und auf zum nächsten Roman: „Kein Teil der Welt“ von Stefanie de Velasco…

Demian Lienhard – „Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat“, 2019, Frankfurter Verlagsanstalt, ISBN: 9783627002602 (Werbung)

Dieser Blog-Beitrag ist ohne eine vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden. Ich habe ein Rezensionsexemplar auf Anfrage kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich bei der Frankfurter Verlagsanstalt sehr herzlich bedanken möchte. Meine Meinung blieb davon in jeglicher Art und Weise unbeeinflusst. 

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