Franz West – Centre G. Pompidou Paris

Der 2012 verstorbene österreichische Künstler Franz West ist der erste österreichische Künstler der Gegenwart, den das Centre Pompidou in Paris mit einer grossen Retrospektive ehrt. Bevor die Ausstellung 2019 in der Tate Modern in London zu sehen ist, kann man über den Dächern von Paris eine interessante Auswahl an Kunstwerken von ihm besichtigen, benutzen, anfassen…

Obwohl Franz West 1992 und 1997 an der Documenta Kassel teilnahm und gleichwohl auch an der Venedig-Biennale und in diversen internationalen Gallerien und Ausstellungshallen immer wieder präsent war, kann man nicht behaupten, dass er und sein Werk einer breiten Masse bekannt ist – dennoch sind nahezu 6000 Werke mit seinem Namen verbunden. Neben vielen Skulpturen finden sich auch Plakate, Performances und Grafiken in seinem wirklich sehenswerten Œuvre. Eine spannende Auswahl von 200 Werken war nun eben in Paris zu sehen – unter anderem auch seine „Passstücke mit Box und Video“ (vom deutschen Wort „anpassen“) die er erstmals 1973/1974 produzierte. Hier kann der Besucher ungeniert Kopien der Originale mit in die Box nehmen, den Vorhang zuziehen (oder für andere Besuch offen lassen…), an seinen Körper „anpassen“ und mit Selfies dokumentieren. Das macht Spass. West hat bis 2010 mehr als 650 derartige Skulpturen erschaffen. Unter anderem wollte West mit einem Teil seiner Arbeiten „Neurosen“ abbilden: „Ich behaupte, wenn man Neurosen sehen könnte, sähen sie so aus“. Spannend auch die „Labstücke“, mehrere leere Alkoholflaschen, die von Franz West ausgetrunken wurden – somit war er nach dem „Leeren“ Träger des Wertes, die leere Hülse führte er dann in die Kunst über. Während seine ersten Arbeiten noch kleine Zeichnungen und später dann an den Jugendstil angelehnte Gouachen sind (inspiriert von Klimt und Hundertwasser), schuf er in den späteren Jahren grosse Skulpturen wie zum Beispiel die „Gruppe mit Kabinett“ oder die „outdoor sculptures“ (2000-2010), von denen einige während der Pompidou-Ausstellung im Marais zu sehen sind.

Man muss nicht unbedingt etwas in die Werke von Franz West hineininterpretieren oder den Ausstellungstext dazu lesen – es macht einfach Spass, durch die einzelnen Räume mit den Kunstwerken zu spazieren, die grossen „Lemurenköpfe“ von 1992 zu bestaunen, sich auf die Sofas im Eingangsbereich zu fläzen („Auditorium“ auf der Documenta Kassel 1992) oder auf die rosafarben angemalten Arschlöcher aus Metall zu setzen („Cool Book“ von 2007, ein phonetisches Wortspiel mit dem italienischen Wort „buco di culo“ = dt. Arschloch).  Alleine an diesen Sitzmöbeln zeigt sich der unkomplizierte Umgang von Franz West mit der Kunst. Für mich eine absolute Entdeckung!

Franz West (1947 – 2012)

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