Arcimboldis Column #37: Unklares Thema. Jedenfalls Reduktion. Goodbye 2022.

Und plötzlich taucht zum Jahresende diese Kolumne wieder auf. Wiederbelebung. Finde ich gut. Dieser ungesteuerte Textfluss, der plötzlich zu fliessen beginnt. Während ich schreibe ist das Thema (zumeist noch) nicht ganz klar, aber im Kopf schon umrissen: Social media und mein zukünftiger Umgang damit – dieses permanente Posten und Reposten und Liken und Taggen und Deleten. Den damit verbundenen Freuden und Ärgernissen. Dem Zeitaufwand. Und dem ganzen anderen Scheiss. Ich habe es so satt. Ich muss das reduzieren, abstellen, neu für mich definieren. Reduktion…

Ein erster Anfang ist getan. Warum macht man das? Warum mache ich das? Weil (fast) alle es tun? Weil es mir gefällt zu sehen, wer welchen Beitrag liked – warum auch immer? Weil mich interessiert, wer das alles gesehen und für gut befunden hat? Einen Hate-Button gibt es ja nicht. Das wäre fast noch interessanter zu wissen. Warum Essen? Warum leere Theatersäle? Bücher. Kunst. Museen. Food. Food. Food. Warum überhaupt? Weil ich meinen Blog „Arcimboldis_World“ seit über fünf Jahren betreibe und damit ein wenig promote? Nein. Es geht um Aufmerksamkeit. Man soll mich sehen. Mein Leben Liken. Meine Existenz berechtigen. Mich für gut befinden. Wo sind wir gelandet? Den Blog schreibe ich aus Leidenschaft, ich berichte über Dinge die ich liebe, die mir wichtig sind, die mich berühren und bewegen – Kunst, Theater, Bücher, Literatur und natürlich: Essen. Food. Kochbücher. Meine bevorzugten (Alltags)Rezepte. Dies aber immer seltener. Klar ist: die meisten Likes erhalten Food-Posts. Für Bücher, Oper, Ballett, Kunst, Performance scheint es weniger Interesse zu geben. Bei meinen Followern zumindest. Seit geraumer Zeit habe ich damit aufgehört. Ich poste auf meinen social media Kanälen nur noch die neuen Blogbeiträge. Keine Einblicke mehr in mise en place und privaten Speiseplan. Keine „Waiting For“ – Postings mehr kurz vor der Vorstellung im noch leeren Saal. Es ist ungewohnt und wohltuend zugleich. Ich fühle mich zu nichts mehr verpflichtet. War ich vorher auch nicht. Habe mich aber so gefühlt. Was macht social media mit uns? Was macht social media mit mir? Von Facebook habe ich mich vor vielen Jahren bereits verabschiedet, bin nur noch auf Instagram und Twitter vertreten. Die grosse Zeit der Influencer:innen geht vorbei. Das spüre ich. Das ist meine Prognose.

Meinen Blog liebe ich immer noch. Für 2023 habe ich keine Vorsätze – come what may. (Noch) mehr gut genutzte Zeit für mich, meine grosse Liebe und meine Leidenschaften. Das wäre schön. GOODBYE 2022. Du warst sehr gut zu mir.

Meine letzten Kolumnen (zur Pandemie):

ARCIMBOLDIS COLUMN #24: DIE UNGEPLANTE C-ENTSCHLEUNIGUNG – PART 1

ARCIMBOLDIS COLUMN #25: DIE UNGEPLANTE C-ENTSCHLEUNIGUNG – PART 2

ARCIMBOLDIS COLUMN #26: DIE UNGEPLANTE C-ENTSCHLEUNIGUNG – PART 3 – Travelling

ARCIMBOLDIS COLUMN #27: DIE UNGEPLANTE C-ENTSCHLEUNIGUNG – PART 4

ARCIMBOLDIS COLUMN #28: DIE UNGEPLANTE C-ENTSCHLEUNIGUNG  PART 5 – Restart 

ARCIMBOLDIS COLUMN #31: DIE UNGEPLANTE C-ENTSCHLEUNIGUNG PART 6 – MASQUERADE…

ARCIMBOLDIS COLUMN #32: DIE UNGEPLANTE C-ENTSCHLEUNIGUNG PART 7 – Die zweite Welle…

ARCIMBOLDIS COLUMN #33: DIE UNGEPLANTE C-ENTSCHLEUNIGUNG PART 8 – Das Warten…

ARCIMBOLDIS COLUMN #34: DIE UNGEPLANTE C-ENTSCHLEUNIGUNG – PART 9: IT’S CHRISTMAS TIME…

11 Kommentare

  1. FEL!X

    Habe mich schon vor Jahren von fast allen sozialen Medien verabschiedet. Nur noch ein bisschen Blog-Promotion.
    Mein Blog ist aber eigentlich mein persönliches Kochbuch, in welchem auch ich nachschlage: «wie habe ich das damals zubereitet, dass es so lecker war?».
    Und entschleunigen war auch der Grund, wo und wie ich heute lebe.
    Felix

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    1. arcimboldis_world

      Das hast Du ganz richtig gemacht, lieber Felix! Für mich ist es auch so ein bisschen Dokumentation, nebst meinem Tagebuch, was ich seit meinem 12. Lebensjahr führe, nur eben noch in digitaler Form. Wünsche Dir alles Liebe und Gute für das neue Jahr und vor allem weiterhin genussreiche Stunden! Herzlichst aus Zürich, A.

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  2. arnoldnuremberg

    Lieber Arcimboldo,
    vielen Dank für Deine Beiträge über fünf Jahre und hier im letzten Jahr. Die Opern-Revisionen und Lektüren sind immer lesenswert. Nicht so oft weiß ich etwas dazu beizusteuern.
    Das Reduktions-Bedürfnis kann ich nachvollziehen. Hab‘ auch im vergangenen Jahr ein bissel weniger geschrieben und kommentiert als zuvor. Da gibt es einigen Stoff zum Gespräch und zur gelegentlichen Diskussion,
    Meinerseits vielen Dank und erstmal gute Wünsche zum neuen Jahr und herzliche Grüße aus Nüri nach Züri
    Bernd

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    1. arcimboldis_world

      Lieber Bernd – ich freue mich immer sehr über Feedback und Reflexion. Nur so kommt man voran und hat auch Freude, wenn man weiss, dass auch jemand diese Ergüsse liest… 🙂 Danke Dir sehr und grüsse herzlichst und wünsche Dir alles Gute für das neue Jahr! von Züri nach Nüri (meine alte Heimat….), A.

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  3. Alexander Carmele

    Lieber Adrian, dein Blog zeichnet sich vor allem durch seine Begeisterung, seine Intensität, seine Lebensfreude aus, die zwischen allen Zeilen hindurch schimmert und tanzt und mich mitreißt! Ich bin im Grunde kein Opern-Fan, aber deine Erlebnisse öffnen mich mehr und mehr wieder diesem Genre und genau hierin sehe ich die große Stärke von Social Media, zumindest für mich, mich selbst aus meinem eigenen Gedankentrott und auch -schrott zu reißen. Ja, die Likes, die Reblogs etc … aber das Kommentieren, Interagieren, das Impulse gibt, das einen freut, das hat mich dazu bewogen hat, einen Blog zu erstellen, und gerne habe ich dann deinen gefunden und lese ihn nun regelmäßig voller Freude, auch über Opern, denn das Wie entscheidet viel mehr als das Was. Auf diese Weise wollte ich mich bedanken, dir ein frohes neues Jahr wünschen, voller Hoffnung mehr von dir aus Zürich zu hören, wie du fröhlich eine Stimme der Begeisterung bleibst, der schieren Lebensfreude 🙂 Viele Grüße aus Berlin, Alexander.

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    1. arcimboldis_world

      Mein Lieber – as you know, immer eine Freude von Dir zu lesen, zu hören. Ich wünsche Dir ein wundervolles 2023! Und danke Dir – wie immer – vielmals für Deine Rückmeldungen, für mich startet heute der erste Arbeitstag des neuen Jahres, ich hoffe die Emailflut hält sich in Grenzen, uuuh, herzlichst und mit vielen Grüssen, aus dem noch dunklen Zürich. A.

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