Manon – Oper Zürich 22.04.2019

Jules Massenets dreieinhalb Stunden dauernde Opern-Schmonzette „Manon“ hatte in der Regie von FLORIS VISSER am Opernhaus Zürich Premiere – mit ELSA DREISIG als Manon Lescaut und PIOTR BECZALA als Chevalier des Grieux sind die beiden Hauptfiguren prominent besetzt…

Trotz des stimmgewaltigen und bis in die kleinsten Rollen hervorragend besetzten Ensembles und einem emphatisch-opulent spielenden Orchester zieht sich der Abend in die Länge und hinterlässt einen eher langweiligen Gesamteindruck. Die Manon von Elsa Dreisig ist keine zerbrechliche Person, sie strotzt vor Leben und ist süchtig nach Geld, Vergnügen und Liebe – im Grunde genommen, ist es ihr auch egal mit welchem Mann sie das Leben verbringt, Hauptsache er kann ihr alles bieten. Bereits bei der offenen Ouvertüre sieht man Manon als Kind, das heimlich die Vergnügungen der Erwachsenen beobachtet, ihr ganzes (kurzes) Leben lang will sie frei sein und ist doch eingeengt in Konventionen. Schon bei der Abreise ins Kloster im grauen Reisekostüm am Bahnhof  wird klar: diese Frau (eigentlich dieses Mädchen, sie ist 16 Jahre alt) will das pralle Leben – und zwar um jeden Preis. Erst zum Schluss, wenn sie die letzten Worte haucht und stirbt, öffnen sich die Seitenwände und der Plafond – dann endlich ist sie frei. Doch bis dahin wechselt sie hungrig nach Glück und Liebe die Männer, um dann doch wieder bei Des Grieux zu landen, der kurz vor seiner Priesterweihe steht. Die Stimmen von Elsa Dreisig und Piotr Beczala harmonieren perfekt, Dreisigs Manon klingt frisch, kraftvoll und voller Lebensfreude, Beczalas tenoraler Operettenschmelz passt dazu ganz wunderbar. Man kann sich fast nicht vorstellen, dass er letzten Sommer in Bayreuth den „Lohengrin“ gesungen hat. Und dennoch hat man dann irgendwann nach der Pause genug von den gefühlt unzähligen schwülstigen Duetten im dekorativ arrangierten Ambiente. Aus dem Graben trägt Maestro MARCO ARMILIATO mit der Philharmonia Zürich sehr dick auf, etwas mehr filigranere Töne hätten der eh schon sehr buttrigen Musik Massenets gut getan. Man hat sich entschieden, das fünfaktige Werk ungekürzt zu spielen, sogar die Balletteinlage auf dem Cours-la-Reine wird gezeigt, als Zuschauer quält man sich damit gut dreieinhalb Stunden durch die absehbare endlose Handlung. Die etwas belanglos-bodenständige Regie von Floris Visser ist dabei auch keine grosse Hilfe, dass dies ein spannender Abend werden könnte. Das einzig wirklich berührende Bild, wenn sich die Schiebetüren in Saint Sulpice öffnen und statt der Marienstatue ein Manon-Double auf dem Altar steht und sich zum Aktschluss sogar entblösst – Manon, die heilige Hure? In Bühnennebel gehüllt, etwas plakativ, aber schön! Ansonsten wird die Geschichte bodenständig bis stellenweise sogar amüsant erzählt, DIEUWEKE VAN REIJ hat hierfür einen praktikablen Guckkasten gebaut, der (relativ) schnell auf die einzelnen Akte und Bilder umgebaut werden kann, dazu hat sie den Chor und die Solisten überwiegend in dekorative schwarz-weisse Kostüme und operettige Uniformen gehüllt. Stark dann doch das letzte Bild, in dem das Leben mit seinen Figuren nochmals an Manon vorbeizieht und sich als Scherbenhaufen ihres Daseins präsentiert, bevor sie ihre letzten Worte «Et c’est là… l’histoire de Manon… Lescaut…» haucht und sich der Vorhang schliesst. Puh. Endlich Geschafft.

Zuletzt besuchte Musiktheater-Vorstellungen:

„humanoid“ – Theater Winterthur 03.03.2019

„Lucia di Lammermoor“ – Oper Zürich 28.02.2019

„Der Rosenkavalier“ – Oper Zürich 27.02.2019

„Le grand macabre“ – Oper Zürich 16.02.2019

„Ball im Savoy“ – Staatstheater Nürnberg 27.01.2019

 

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