Naoshima – Architektur, Kunst und Natur.

Eine ganze Insel randvoll mit Kunst und Architektur, eingebettet und im Einklang mit der Natur – mitten im Seto-Binnenmeer Japans liegt die Insel Naoshima. Und natürlich leben hier Menschen auch ein ganz normales und alltägliches Leben, aber die Touristenströme kommen und pilgern zu den fantastischen Museumsbauten von Tadeo Andō….

Bereits beim Betreten der verschiedenen Museen ist die Handschrift von Tadeo Andō ersichtlich, jeder einzelne Raum, jeder Zugang, Korridor, ja selbst die Toiletten (die in Japan sowieso immer ganz speziell sind…) sind künstlerisch gestaltet und alles fügt sich harmonisch in das Gesamtkonzept ein – eine Harmonie von Natur, Architektur und Kunst. Fast kommt es mir vor, als wäre die Kunst nebensächlich und dient nur als Berechtigung dafür, diese wundervollen Gebäude zu bauen. Wenn man ganz ehrlich ist, so viel Kunst gibt es dann auch gar nicht zu sehen, wir erleben eine sehr grosszügige Hängung bzw. Ausstellungsfläche, teils sogar nur ein Kunstwerk pro Saal. Das würde man sich manchmal auch bei uns wünschen – weniger ist eben doch mehr und den einzelnen Werken mehr als dienlich. Was sich unbedingt lohnt, ist im Vorfeld Tickets zu buchen, denn sonst steht man bei dem ein oder anderen Museum davor und hat keine Chance auf einen Eintritt. Das Personal macht keine Ausnahmen. Entweder man hat ein Ticket oder nicht. Teilweise sind Zeitslots zu buchen (was ich sinnvoll finde). Die Besucherzahlen sind limitiert und das ist wohl auch einer der grossen Pluspunkte, denn anders als an vielen Orten in Japan befindet man sich dann eben nicht in einer grossen Masse, sondern hat – selten genug – das Gefühl von Privatsphäre, von Platz für sich, von Leere und Stille.

Am strengsten reglementiert sind die Besucherzahlen im Chichu Art Museum – hier gibt es auch nur wenige Werke von drei Künstlern zu sehen: Claude Monet, James Turrell und Walter de Maria. Dafür steht die unglaubliche Ästhetik von Andō im Vordergrund, die Kunstwerke sind schöner Beigeschmack. Dasselbe gilt für das Lee Ufan Museum, ein sehr minimalistischer Museumsbau mit Werken des koreanischen Minimal-Art-Künstlers Lee Ufan, eingebettet in die Landschaft mit einigen Skulpturen im Freien mit Blick auf das Wasser. Direkt oberhalb befindet sich die Valley Gallery (mit dem Narcissus Garden von Yayoi Kusama – wundervoll, wie sich die Kugeln im Wind auf dem kleinen See bewegen und tönen – erst kürzlich als Installation in der grossen Kusama-Retrospektive in der Fondation Beyeler in Riehen zu erleben) des Benesse House Museum (u. a. Basquiat, Twombly, Rauschenberg, Giacometti…). Auf der anderen Inselseite liegt das Naoshima New Museum of Art mit der spektakulären Installation Head On (2006) von Cat Guo-Qiang, eine monumentale Installation aus 99 lebensgroßen Wolfs-Nachbildungen, die in geschlossener Formation auf eine unsichtbare Glaswand zustürmen ein Symbol blinden Gehorsams und sehr beeindruckend (nebst vielen weiteren spannenden Künstlern, deren Arbeiten in diesem Museum zu sehen sind). Zudem gibt es noch eine Vielzahl an Art-Houses im Ort verstreut (auch hierfür muss man im Vorfeld Tickets buchen!) und natürlich Skulpturen, denen man im Alltag begegnet, wie etwa die beiden Kürbisse in rot und gelb mit den Polka-Dots von Kusama oder die strahlend weisse Netz-Skulptur im Hafen von Miyanoura, der Naoshima Pavilion (Sou Fujimoto).

Idealerweise bleibt man 2 Nächte vor Ort, denn abends, wenn die Tagestouristen die Insel verlassen, spürt man auch die Ruhe von Naoshima und kann bei einem Drink die schönen Sonnenuntergänge geniessen. Zu erreichen ist Naoshima mit der Fähre ab dem Hafen von Uno (Okayama / Honshu) oder dem Hafen von Takamatsu (Kagawa / Shikoku). Der Besuch lohnt sich, auch um dem Trubel vom Festland zu entfliehen – dennoch, alleine ist man auch hier nie, aber umgeben von wunderbarer Kunst und Architektur.

Mehr Infos zu den Museen und zur Insel findet man hier: Benesse-Artsite

Zuletzt besuchte Museen und Ausstellungen:

Marisol – Kunsthaus Zürich

Museum Haus Dix – Gaienhofen-Hemmenhofen

The First Homosexuals – Kunstmuseum Basel

Glitzer – Gewerbemuseum Winterthur

Kévin Germanier: Les Monstrueuses – MUDAC Lausanne

Am Webstuhl der Zeit/GOSHKA MACUGA X GRAYSON PERRY X MARY TOMS – MUDAC Lausanne

Yayoi Kusama – Fondation Beyeler Riehen

Susanne Bartsch: Transformation! – Museum für Gestaltung

Monster Chetwynd/Roman Signer – Kunsthaus Zürich

Konzepte des All-Over – Haus Konstruktiv

Maya Dunietz: SWARM – Kunstmuseum Luzern

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