Tannhäuser – Oper Zürich 08.07.2026

Besser hätte für mich das Saisonende 2025/26 nicht sein können – was für ein fulminanter „Tannhäuser“ an der Oper Zürich! Man ist förmlich „blown away“ von dieser exzellenten Sänger:innen-Riege und dem hervorragenden ORCHESTER DER OPER ZÜRICH unter der Leitung von TUGAN SOKHIEV, während visuell in der Inszenierung von THORLEIFUR ÖRN ARNARSSON eine ganz spezielle Ästhetik und überbordender Symbolismus vorherrschen. Tief beglückt gehts nach dieser Vorstellung nun also in die kulturelle Sommerpause…

Es ist dies mein dritter „Tannhäuser“ in den letzten 2 Jahren und ganz ehrlich, der letzte Bayreuther „Tannhäuser“ von Tobias Kratzer ist konzeptionell einfach nicht zu toppen, zu stark waren diese Bilder und überbordenden Ideen. Hier in Zürich – als letzte Premiere der Spielzeit – nun also eine Umsetzung des isländischen Regisseurs THORLEIFUR ÖRN ARNARSSON der diesen deutschen Mythos als existenzielles Identitätsdrama und surreale Reise ins Innere eines Menschen inszeniert, das klingt in der Theorie des Programmheftes und auf der Webseite zunächst sehr interessant, löst sich jedoch nicht wirklich ein. Zu viel Symbolik, zu viel Fragezeichen (habe ich auch nicht anders erwartet, nach seiner Bayreuther „Tristan und Isolde“ Inszenierung im Sommer 2024, die ich auch rätselhaft bis belanglos fand…). Aber das ist absolut egal, denn es sind sehr schöne Bilder der bildenden Künstlerin ERNA MIST, die für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet. Diese vielen eindrucksvollen Momente sagen wohl jedem etwas, Intention des Regisseurs hin oder her. Im Venusberg herrscht kühles Dunkel, die lange Tafel mit den vielen Gläsern, zeugt von vergangenen Zechgelagen und Orgien (?), sexuell aufgeladen ist es da allerdings nicht. Witzig wird es dann, als die koksende Meute der Sänger eintrifft und gemeinsam mit Tannhäuser zurück an den Hof zum nächsten Sängerwettstreit fährt. Schönes Bild von Elisabeth, die erst beim Eintreffen Tannhäusers wieder zum Leben erwacht, nachdem sie – wer weiss wie lange – ein Dasein als Statue fristen musste (ohne Liebe, verlassen, ohne Hoffnung, kalt, erstarrt), der Sängerwettstreit dann ein heiteres buntes Fest, der Liebe (ah – rote Herzenballons!) gewidmet und dann erwartungsgemäss durch Tannhäusers Lied ausufernd. Schönes Bild auch, wie sich langsam der Raum verengt, es bleibt nur die Flucht nach Rom. Klar und absehbar, dass Elisabeth sich nun wieder zurückverwandelt in kalten Stein, wo bleibt in diesen vier Stunden die Erotik und die körperliche Liebe, die so sehr zum Streitpunkt wird? Man sucht sie vergebens, man lebt in einer emotionalen Eiszeit, doch halt, wenn man genau aufgepasst hat, ein Küsschen Tannhäusers gibts zu Beginn dann doch für Elisabeth. Das war es aber dann. Und während draussen auf dem Sechseläutenplatz noch immer über 30 Grad herrschen, öffnet sich der Vorhang zum dritten Aufzug – es herrscht Winter mit (emotionaler) Eiseskälte und es schneit. Das mag ich ja sehr, vor allem, als sich dann später nach der Romerzählung der schwarze Backdrop öffnet und die Bühne lichtdurchflutet changierend zur Musik erstrahlt. Sämtliche Doubles Tannhäusers sind auch hier zugegen – wie schon zu Beginn – professionell choreografiert und arrangiert, (tolle Bewegungschoreografien von SEBASTIAN ZUBER) während die langsam sich bewegende Drehbühne mit den grossen Glasscherben (Oder ist es Eis?) immer wieder neue Stimmungen erzeugt. Langweilig wird es also nie, auch wenn sich all diese vielen Dinge nicht wirklich erschliessen. Schön sind sie und stark, auch wenn ganz zuletzt Tannhäuser die Statue Elisabeths mit einem grossen Vorschlaghammer zerstört. Was bleibt also? Versöhnung, Reue, Vergebung? Ich glaube nichts davon. Niemand hat das bekommen, was er gesucht hat. In jedem Fall bleibt der fantastische musikalische Eindruck, selten habe ich so einen feinsinnigen, filigran ausgeloteten „Tannhäuser“ gehört, Wolframs „Lied vom Abendstern“ fast schon dahingehaucht, was für ein intimer Moment, voller Zärtlichkeit, voller Zartheit, wundervoll, was für ein grosser Moment an diesem Abend, auch wenn ich Wolframs Rollen-Profil in einigen Momenten befremdlich und etwas unausgegoren fand, stellenweise zu Beginn des 3. Aufzugs wirkte er fast lüstern, nach Elisabeth lechzend, ein alter Lüstling, so habe ich Wolfram noch nie gesehen, irgendwie aber auch stimmig. Und CHRISTIAN GERHAHER ist als Wolfram eine Wucht, CHRISTOF FISCHESSER ist erstaunlich milde und liebenswert als Hermann, Landgraf von Thüringen, JOHAN KROGIUS ist ein toller Walther von der Vogelweide, ANDREW MOORE gibt den Biterolf, NATHAN HALLER gibt Heinrich der Schreiber und BRENT MICHALE SMITH ist Reinmar von Zweter – sie alle ein wenig Wikinger-like gewandet, eine interessante Mischung aus Businesslook und Fell-Trophäe (Kostüme: TERESA VERGHO). Und einmal mehr lässt als junger Hirt YEWON HAN aufhorchen. Ich mag ihre Stimme sehr! ERIC CUTLER debütiert als Tannhäuser und man hat den Eindruck, dass er diese doch recht strapaziöse Partie mühelos wohlklingend über den ganzen Abend bestreitet, bis zum Schluss klingt er frisch und unangestrengt. Die beiden Frauenrollen sind die Wucht und überstrahlen alles: RACHAEL WILSON (die ich bisher eher in kleineren Partien gesehen habe) debütiert als Venus und CHRISTINA NILSSON (Hausdebüt) als Elisabeth begeistern mich absolut. Ich kann mich noch an einen sehr bemerkenswerten konzertanten „Eugen Onegin“ in Aix erinnern, den damals auch TUGAN SOKHIEV dirigiert hat und auch dieses Hausdebüt von ihm in Zürich muss man als absolut gelungen bezeichnen. Das tönt ganz hervorragend aus dem Graben, Gott seid Dank nie schwülstig (bei den Tannhäuser-Chören kommt das schon mal vor…) und unglaublich sängerfreundlich, die Diktion sämtlicher Sänger:innen war extrem klar und deutlich – woohoo – und auch der Zürcher Opern-Chor (Einstudierung: KLAAS-JAN DE GROOT) klang präzise und wohltönend wie schon lange nicht mehr. Also was will man mehr zum Saisonende? Langanhaltende wohlverdiente Standing Ovations für diese wirklich tolle Vorstellung – Bravo a tutti! Das war sie also, die erste Spielzeit der neuen Intendanz unter Matthias Schulz. Time flies…

Whats next? – Die Saison ist zu Ende – Sommerpause! Juhu.

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