Grubinger/Trevino – Tonhalle MAAG 14.03.2019

Konzerte mit dem österreichischen Percussionisten Martin Grubinger sind immer ein Erlebnis. Man kann wirklich sagen, dass er in den letzten Jahren in den Konzertsälen das Schlagwerk als Soloinstrument etabliert und damit gleichzeitig den Altersdurchschnitt der Besucher um einige Jahre gesenkt hat (wahrscheinlich sogar mehr, als irgendwelche Kunstvermittlungsprojekte oder alberne „Nuggi“-Konzerte für junge Eltern)…

Der Abend beginnt mit dem Perkussionskonzert „Sieidi“ des finnischen Komponisten Kalevi Aho. Bereits der Auftakt erinnert an ein Ritual, heftige Schläge Grubingers auf die Djembé, einer afrikanischen Trommel, die in einem Wirbel fortgeführt werden, virtuos und pure Handarbeit. Von einem Instrument zum nächsten arbeitet Grubinger sich fort, am Dirigenten Robert Trevino vorbei zur anderen Seite der Podesterie, eingerahmt von zwei Percussionisten des Orchesters, die beidseitig an der Rampe positioniert sind. Sie bilden den Rahmen für Grubingers Schlagwerkaufbau von Marimba und Vibraphon über verschiedene Trommeln bis hin zum Tamtam. Und Grubinger – immer auch ein wenig „showy“ zeigt was er kann und begeistert (bereits bei seiner Werkeinführung) einmal mehr die proppenvolle Tonhalle MAAG. Begeisterte Standing-Ovations, wen wundert es nach diesem anspruchsvollen und hervorragend musizierten Konzert. Das Stück selbst bewegt sich zwischen sanften und geheimnisvoll dahinsäusselnden Melodien bis hin zu ekstatischen orientalisch anmutenden Trommelsequenzen. Als Zuhörer kann man bei geschlossenen Augen förmlich Kultstätten mit ihren Ritualen sehen und spüren und zum Ende, wenn bei fünffachem Pianissimo die Schläge auf der Dabuka langsam ausklingen, fast nicht mehr zu hören sind und nur noch der Regen leise dahinplätschert (wunderbar mit den drei auf dem Podest verteilten Musikern mit ihren Rainmakern) – dann hinterlässt das eine wunderbare Ruhe. Diese Ruhe greift Grubinger dann auch in der Zugabe auf und irritiert damit die Zuhörer etwas, die in der Regel von ihm noch ein sehr virtuoses und temporeiches Stück gewohnt sind – er spielt auf dem Vibraphone eine Sarabande von Bach und entlässt einen beseelt in die Pause.

Kalevi Aho (*1949) – „Sieidi“ Konzert für Perkussionsinstrument und Orchester

Richard Strauss (1864 – 1949) – „Ein Heldenleben“ op. 40

Nach der Pause, wenn man das Konzert von Aho immer noch im Ohr hat, ist es natürlich schwierig, sich für „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss zu begeistern, welches gefühlt dann irgendwie so dahinplätschert. Dieses Werk von 1897/1898 zählt nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Werken, obwohl Strauss ja nun definitiv einer meiner Lieblingskomponisten ist, dennoch, wenn man (noch) aufmerksam zuhören konnte, gab es viel Schönes zu entdecken. Robert Trevino hat das Tonhalle Orchester im Griff und so stimmt die Ausgewogenheit der einzelnen Instrumentengruppen in der Dynamik, die Tempi waren für meinen Geschmack häufig zu getragen. Wunderschön die Sequenzen der Hörner sowie die einzelnen Soloparts, allen voran Konzertmeisterin Julia Becker an der Violine in den Momenten, in den Strauss wohl seine Frau darstellt, die „sehr komplex“ und „jede Minute anders“ gewesen sei. Die Frage, was Strauss mit diesem Werk ausdrücken wollte, bleibt auch an diesem Konzert wieder unbeantwortet, anders natürlich als in klar und eindeutig definierten Tondichtungen wie „Don Quixote“ oder „Till Eulenspiegel“ – ist Strauss selbst der Held? Vielleicht fehlt mir persönlich deshalb auch ein wenig der Zugang dazu. Robert Trevino am Pult gab erst im Februar 2018 sein Debüt mit dem Tonhalle Orchester, die Zusammenarbeit scheint aber sehr gut zu funktionieren. Voll konzentriert und vertieft in die Partitur gelingt ihm zusammen mit dem Orchester ein intensiver Abend, Fokus und Highlight dieses Konzertes ist aber definitiv Martin Grubingers fulminanter Auftakt mit Ahos „Sieidi“, da kann selbst ein voluminöser „Strauss“ nicht mithalten…

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