Emergence – Ballett Zürich 21.01.2018

Emergence – ein wirklich grossartiger Ballettabend des Ballett Zürich. Christian Spuck hat ein wirklich gutes Händchen mit seiner Kompanie, sowohl mit seinen eigenen Produktionen, als auch mit geladenen Gastchoreographen. Der zweigeteilte Abend zeigt spannende Choreografien von Sol León & Paul Lightfoot (Speak for yourself) und der kanadischen Choreografin Crystal Pite (Emergence)….

Im ersten Teil des Abends „SPEAK FOR YOURSELF“ geht es um Gegensätzliches, aber auch um Verbindendes. Yin und Yang. Hell und Dunkel. Zusammenspiel der männlichen und weiblichen Elemente (Feuer und Wasser). Und es beginnt bereits mit einem starken Bild: die leere Bühne wird von einem Mann dominiert aus dem Rauch aufsteigt, dieser Rauch hängt bedrohlich über der Szenerie und dominiert die Lichtgestaltung (grossartig: Tom Bevoort). Mit dieser – ihrer gemeinsamen Tochter gewidmeten – Arbeit beleuchten die Choreografen Sol León und Paul Lightfood verschiedene Formen der Dualität. Zur starken, sich ständig wiederholenden Musik von Steve Reich verglüht der Mann langsam und erlischt quasi. Es folgt ein kraftvoller und sehr körperlicher Teil der Männer, die in ihren Bodysuits und dem entsprechenden Licht wie muskelbepackte nackte Körper wirken (Jan Casier/Wei Chen/Matthew Knight/Tigran Mkrtchyan/William Moore/Daniel Mulligan). Starke rhythmische Musikauswahl mit einer Collage von Bachs „Kunst der Fuge“ und Steve Reich (es ist das berühmte Stück „Come out“ mit dem repetitiven Satz „I had to, like open the brise up, and let some of the brise blood come out to show them“ des 1961 bei den Harlem-Unruhen verhafteten schwarzen Jugendlichen Donald Hamm). Mit dem Auftritt der Frauen (Anna Khamzina/Elena Vostrotina und immer wieder grossartig: Yen Han) dominiert das Element Wasser, welches bis zum Schluss in feinstem Sprühregen auf die Bühne niedergeht. Grossartige Bilder. Grossartiges Licht. Grossartige Choreografien von Sol León und Paul Lightfoot (beide bilden das künstlerische Leitungsteam des Nederlands Dans Theaters und haben schon mit dem Zürich Ballett gearbeitet). Ein sehr starker Auftakt.

IMG_7485

Beim zweiten Teil des Abends wimmelt und wammelt und kreucht und fleucht es auf der Bühne. Die kanadische Choreographin Crystal Pite hat mit der Auftragskomposition von Owen Belton (ebenfalls Kanadier) 2009 ein Stück kreiert, welches versucht, die Interaktionen und das soziale Gefüge von Insekten zu untersuchen und aufzuzeigen – dies als Metapher, als Allegorie auf das Leben und Arbeiten in einer Ballettkompanie. Auch hier gibt es vermeintliche Führer und Arbeiter, Dominanz und Unterordnung. Auf der Bühne ein Nest, der wimmelnde Boden einer Wiese, Frauengruppen, Männergruppen, Machtkämpfe, Königinnen und Drohnen – wie im richtigen Leben, kraftvoll getanzt und von einer fast schon hypnotischen Ausstrahlung. Die Sogwirkung entsteht nicht nur durch das tolle Bühnenbild (ein Nest, ein leuchtender röhrenartiger, teilweise den Zuschauer blendender Zugang) und das Licht (Jay Gower Taylor/Alan Brodie), sondern auch durch die einfallsreichen Bewegungsabläufe der Choreografin und der 40 Personen starken Kompanie. Selten habe ich das Ballett Zürich so kraftvoll, so synchron, so ausdrucksstark erlebt wie an diesem Abend.

Kein Wunder, haben die Produktionen des Ballett Zürich eine mittlerweile sehr hohe Auslastung, die Qualität dieser Kompanie und ihrer künstlerischen Leitung Christian Spuck ist auf sehr hohem Niveau angelangt und muss sich keinen Vergleich mit anderen Häusern scheuen. Toll! Glückwunsch!

Diesen Beitrag von arcimboldis_world kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s