Natürlich muss man während einer Australienreise – neben vielen anderen spannenden Autor:innen – auch Colleen McCulloughs Epos „Dornenvögel“ (wieder einmal) lesen – ein Schmöker, mit dem man tief in die Weiten des Landes eintauchen kann…
Der 1977 erschienene Roman wurde weltweit zu einem Bestseller und 1983 als australisch-amerikanischer Mehrteiler verfilmt. Es war der grosse Durchbruch für Richard Chamberlain (als Ralph de Bricassart) und Rachel Ward (als Meggie Cleary), ist aber auch in allen weiteren Rollen prominent besetzt und erhielt vier Golden Globes und acht Emmys.
Anfang des 20. Jahrhunderts macht Paddy Cleary sich mit seiner Familie von Irland auf ins ferne Australien, wo sie sich ein neues Leben aufbauen wollen. Die Arbeit auf der Schaffarm »Drogheda« verspricht finanzielle Sicherheit, doch das raue Land stellt seine Bewohner auf eine harte Probe. Als die Clearys ihre Probleme gerade bewältigt zu haben scheinen, entbrennt eine leidenschaftliche aber fatale Liebe zwischen der jüngsten Tochter Meggie und dem attraktiven Priester Ralph de Bricassart … (Blanvalet Verlag)
Auch jetzt noch ist dieser Roman ein absoluter Pageturner und ich habe ihn erneut verschlungen, man taucht sofort ein in diese bewegende Geschichte einer Farmerfamilie im südöstlichen Australien des 20. Jahrhunderts, in dessen Fokus die Liebesgeschichte zwischen der Farmerstochter Meggie Cleary und dem Priester Ralph de Bricassart steht – glaubwürdig und spannend und nie wirklich kitschig, was man bei diesem Plot erwarten könnte. Moral ist – Gott sei Dank! – kein grosses Thema und so wird zu keinem Zeitpunkt die Frage gestellt, ob diese Beziehung vertretbar sei, es geht um die persönlichen Befindlichkeiten, das ist wohltuend und irgendwie sehr modern. Ich denke der Erfolg dieses Romans liegt in den interessant gestalteten Figuren, die fast alle ein sehr widersprüchliches Leben führen und sehr glaubwürdig und authentisch sind, auch wenn die bodenlose Naivität von Meggie in sexuellen Dingen heute etwas lächerlich erscheint. Leider werden Indiginous People nicht einmal erwähnt, sie sind komplett ausgeblendet, zur Entstehungszeit des Romans, war die Gesellschaft offenbar noch nicht so weit, damit „konfrontiert“ zu werden (heute ist das – Gott sei Dank – etwas anderes!) und so liest sich das aus heutiger Sicht politisch irgendwie unkorrekt und weichgespült. Beim Lesen dieses dicken Wälzers, kann ich förmlich die verschiedenen Orte und Regionen vor mir sehen, diese staubigen trockenen Weiten des Buschlandes, aber auch den Norden mit den Wet Tropics. Das macht dieses Wiederlesen des Romans – den ich erstmals als Teenager verschlungen habe – zu einem ganz neuen Erlebnis. Meine Ferienlektüre in den drei Monaten in Australien war breitgefächert und geht von bewegender Literatur von native Australiens (z.B. Sally Morgan) bis hin zum entdeckenswerten einzigen Literaturnobelpreisträgers des Kontinents: Patrick White, der natürlich literarisch gesehen um einiges anspruchsvoller ist, als Colleen McCullough. Dennoch war „Dornenvögel“ eine tolle Wiederentdeckung und ich werde im Herbst die DVDs der Verfilmung aus dem Keller holen…..
„Die Dornenvögel“ von Colleen McCollough“, 2016, Blanvalet Verlag, ISBN: 978-3-7341-0298-1 (Werbung)
Weitere australische Autor:innen/Literatur:
Sally Morgen – Ich hörte den Vogel rufen
Patrick White – Der Maler/Im Auge des Sturms/Die Twyborn-Affäre
Zuletzt gelesen:
Emmanuelle Bayamack-Tam – Sommerjungs
Lars Kepler – Der Hypnotiseur
Banana Yoshimoto – Ein seltsamer Ort
János Székely – Eine Nacht, die vor 700 Jahren begann
Benjamin von Stuckrad-Barre – Noch wach?
Javier Marías – Berta Isla/Tomás Nevinson
Mohamed Mbougar Sarr – Die geheimste Erinnerung der Menschen
Virginie Despentes – Liebes Arschloch
Ja, dieser Plot ist um einiges realistischer und spannender, als andere Familien-Sagas!
Welcome back Adrian!
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